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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Komplett - Kompositen

Indigblau, Grüngelb-Violett. Die K. spielen in der Farbenharmonie (s. d.) eine wichtige Rolle.

Komplétt (frz. complet), vollständig; komplettieren, vervollständigen.

Komplettmaschine, s. Schnellpresse.

Kompléx (lat.), Inbegriff, etwas Zusammengefaßtes.

Komplexe Zahlen entstehen durch Vereinigung einer reellen und einer imaginären Zahl (s. Imaginär) zu einer Summe oder Differenz, z. B. 1 + ^[Wurzel] -2 oder 3 - ^[Wurzel] -1. Zu einer solchen Erweiterung des Zahlbegriffs nötigte die Auflösung der algebraischen Gleichungen. Daß immer n K. Z. existieren, die einer vorgelegten Gleichung nten Grades genügen, ist zuerst von Gauß (1799) streng bewiesen worden.

Komplexion (lat.), Zusammenfassung: die den Gesundheitszustand bedingende Leibesbeschaffenheit und das sie bekundende Aussehen.

Komplikation (lat.), Verflechtung, Verwicklung, Verbindung.

Komplimént (frz.), Höflichkeits-, Achtungsbezeigung, Verbeugung, Artigkeit in Worten; in der Mehrzahl auch soviel wie Umstände, Ceremonien.

Komplizieren (lat.), ineinander verflechten; verwickeln, verwirren.

Komplizierte Krankheiten, Krankheiten, bei denen sich zu einem vorhandenen Leiden noch ein anderes hinzugesellt (z. B. Herzleiden zu Gelenkrheumatismus, Lungenentzündung zu Masern u. dgl.). Ein komplizierter Knochenbruch ist ein solcher, bei welchem die Weichteile über dem gebrochenen Knochen mit verletzt sind. (S. Knochenbrüche.)

Komplótt (frz.), die der Ausführung vorangehende Verabredung eines oder mehrerer einzeln bestimmter Verbrechen. Bande ist die auf eine Wiederholung im einzelnen noch nicht bestimmter Verbrechen gerichtete Verbindung. Nach der ältern Gesetzgebung und Doktrin wurden K. und Bande oft als solche nach den Regeln des Versuchs oder der gegenseitigen Anstiftung für strafbar erachtet. In der neuern Gesetzgebung werden die Komplottanten und Bandenmitglieder regelmäßig nur gestraft, insoweit es zur Ausführung des verabredeten Verbrechens gekommen ist und jene als Thäter, Anstifter oder Gehilfen thätig geworden sind. Dann kann die komplott- oder bandenmäßige Ausführung einen Strafschärfungsgrund abgeben. So im Falle des Bandendiebstahls (s. Diebstahl) und des bandenmäßigen Raubes (s. Raub), des Bandenschmuggels (s. Schleichhandel und Zollstrafrecht; Vereinszollgesetz vom 1. Juli 1869) und des Aufruhrs der Schiffsmannschaft (Seemannsordnung vom 27. Dez. 1872, §§. 87, 91). Ausnahmen von dieser Regel sind: das Hochverratskomplott (§. 83 des Deutschen Strafgesetzbuches) und das K. zum gemeingefährlichen Gebrauch von Dynamit u. dgl. Sprengstoffen (s. Sprengstoffgesetz). In diesen beiden Fällen wird die Verabredung, das K. als solches bestraft, auch wenn es nicht zur Ausführung gekommen ist.

In einem andern Sinne ist von Banden dem Sinne nach in §. 127 des Strafgesetzbuches die Rede. Nach diesem Gesetz wird die unbefugte Bildung oder Befehligung von bewaffneten Haufen (Banden) mit Gefängnis bis zu zwei Jahren und derjenige, der sich ihnen anschließt, mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft. (S. Aufruhr, Landfriedensbruch, Meuterei, Verschwörung.)

Kompluténsische Bibel, s. Polyglotte.

Komponénte (lat.), im allgemeinen jeder zusammensetzende Teil eines Ganzen, so z. B. heißen K. die Bestandteile einer Legierung, eines Gas- oder Flüssigkeitsgemisches u. s. w. In der Mechanik ist K. eine Teilkraft (s. Kraft). – In der Astronomie nennt man K. die einzelnen Sterne eines Doppelsterns.

Komponieren (lat.), zusammensetzen; auch ausgleichend beilegen; in Bezug auf Kunstwerke: die Idee, den Plan des Ganzen und die Gruppierung der Teile entwerfen (s. Komposition); speciell in der Musik: ein Musikstück nach den Regeln der Kunst anfertigen; daher Komponist soviel wie Tonsetzer, Tondichter.

Komponíst, s. Komponieren.

Komposīten (Composĭtae), Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Aggregaten (s. d.), die artenreichste des Pflanzenreichs; man kennt gegen 12000 über die ganze Erde verbreitete Arten. Der größte Teil findet sich in bergigen Gegenden der gemäßigten Zone, sie fehlen aber auch weder in alpinen Floren noch in der arktischen und antarktischen Zone; am seltensten finden sie sich verhältnismäßig in den niedrig gelegenen Gegenden der Tropen. Es sind vorzugsweise krautartige Pflanzen, doch giebt es unter ihnen auch zahlreiche Halbsträucher und Sträucher; als Bäume treten sie nur in den Tropen auf. Die Blüten sind bei allen Arten zu köpfchenartigen Blütenständen vereinigt, die wegen des dichten Beisammenstehens der einzelnen Blüten und wegen ihrer gemeinsamen kelchartigen Hülle wie eine einzige Blume aussehen; daher der Name Vereins-oder Korbblütler. Diese letztere Bezeichnung ist für die meisten Arten sehr zutreffend, da die gemeinschaftliche Hülle, die den sehr verschiedenartig gestalteten Blüten- oder Fruchtboden umgiebt, meist aus mehrern Reihen von oft dachziegelartig übereinander liegenden Schuppenblättern besteht und so einem Korbe in der That sehr ähnlich sieht. Der Blüten-oder Fruchtboden, aus welchem die Blüten eingefügt sind, ist nichts anderes als die verbreiterte Achse des Blütenstandes; es finden sich auch in sehr vielen Fällen die Deckblätter der einzelnen Blüten auf dem Fruchtboden vor, gewöhnlich in der Gestalt von dünnhäutigen oder steifen weißen, braunen oder schwärzlichen Schuppenblättchen, den sog. Spreublättern, die dann stets am Grunde jeder einzelnen Blüte stehen. Fast ebenso häufig fehlen jedoch auch diese Deckblätter und der Blütenboden bleibt vollständig nackt. Die Blüten selbst sind bald zwitterig, bald eingeschlechtig, es kommen auch ganz geschlechtslose vor. Das Perianthium ist in diesem Falle verhältnismäßig groß entwickelt und lebhaft gefärbt, es hat jedenfalls eine wichtige Bedeutung für die Befruchtung der übrigen Blüten, da hierdurch ein Insektenbesuch, der für die Wechselbestäubung nötig ist, herbeigeführt wird.

Die fruchtbaren Blüten besitzen einen unterständigen Fruchtknoten, aus dem eine Achäne (s. d.) hervorgeht. Der oberständige Kelch besteht nur aus haarartigen, borsten- oder schuppenförmigen Blattgebilden, dem Pappus, dessen Ausbildung eine sehr mannigfaltige ist und für die systematische Gruppierung der Gattungen und Arten ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal darbietet. (S.Tafel: Aggregaten Ⅰ, Fig. 3 b, 4 b.) Bei einigen fehlt der Pappus gänzlich (Taf. Ⅱ, 2 e,3 c). Die Blumenkrone ist stets verwachsenblätterig und tritt in drei charakteristischen Formen auf, entweder röhren-, trichter-, glockenförmig mit regelmäßig fünfzähni- ^[folgende Seite]

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