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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Konkordatsbanken - Konkordienformel
27. Nov.), wonach den röm.-kath. Unterthanen Nuß-
lands freie Neligionsübung zugesichert und die neue
Diöcese Cherson errichtet wurde. Eine Reihe sehr
günstiger K. schloß die Kurie in den fünfziger und
sechziger Jahren mit den meisten süd-und mittel-
amerikanischen Staaten ab.
Die polit. und kirchliche Reaktion der fünfziger
Jahre hat auch das Konkordatswesen zu neuer Blüte
gebracht. Zuerst brach Toscana durch das K. vom
19.Juni 1851, danach Österreich durch das K. vom
18. Aug. 1855 mit den josephinischen Grundsätzen
und räumte der Kurie und den Bischöfen Befugnisse
cin, welche die Rechte des Staates aufs schwerste
beeinträchtigten, besonders in Bezug auf Volks-
crziehung, Ehewesen und Verhältnis der Konfessio-
nen untereinander. Von den Staaten der oberrhein.
Kirchenprovinz folgten Württemberg (1857) und
Baden (28. Juni 1859) nach, während Hessen-
Darmstadt nach langen Verhandlungen die An-
sprüche der röm. Kirche durch eine Konvention mit
dem Bischof von Mainz zu befriedigen suchte. Aber
von der Zweiten Kammer verworfen, wurde in Baden
das K. nicht in Kraft gesetzt und das Verhältnis des
Staates zur kath. Kirche auf dem Gesetzgebungswege
geordnet. Ganz denselben Verlauf nahm die Kon-
iordatsangelegenheit 1861 in Württemberg. In
Preußen wurde seit Ausbruch des "Kulturkampfes"
(1872) das Verhältnis der kath. Kirche im Staate
lediglich durch Staatsgesetzgebung geregelt, und
demselben Beispiele folgte nach dem Sturze des
Ministeriums Dalwigk auch die groß herzoglich
hessische Regierung. Bayern ist der einzige
deutsche Staat, in welchem ein K. in Kraft steht,
jedoch nur in dem engbegrcnzten Nahmen des Neli-
gionsedikts. Die Negierung des neuen Königreichs
Italien hat von vornherein den Grundsatz fest-
gehalten, das Verhältnis von Kirche und Staat
lediglich durch staatliche Gesetze festzustellen. Die
österreichische Negierung verhandelte seit 1861
vergeblich mit Rom über eine Revision des K. Nach
Proklamation der päpstl. Unfehlbarkeit erklärte sie
30. Juli 1870 das K. für aufgehoben, teilweise waren
schon vorher (1867, 1868), teilweise wurden nach-
her (1874) durch die Staatsgesetzgebung die wichtig-
sten Punkte des Kirchenstaatsrechts geregelt. In
Spanien wurde das K. infolge der September-
revolution von 1868 außer Kraft gesetzt; doch wurde
seit der Restauration des Königtums (1875) über
ein neues K. unterhandelt.
Die rechtlich eNatur derK.ist äußerstbestritten.
Die kurialen Schriftsteller erklären dieselben als
Indulte oder Privilegien des Papstes; die herr-
schende Meinung glaubt dieselben als Staatsver-
träge juristisch auffassen zu können; eine neuere,
besonders von Sarwey, Hinschius, Zorn vertretene
Ansicht erklärt dieselben lediglich als Staatsgesetze.
- Vgl. die Lehrbücher des Kirchenrechts sowie die
Aufsätze von Sarwey und Hübler in Doves "Zeit-
schrift für Kirchenrecht", II, III, IV.
Konkordatsbanken, schweizerische, so ge-
nannt nach einem als Konkordat bezeichneten Über-
einkommen von 1876 zwischen einer Reihe von der
Kantonalgesetzgebung unterstehenden Notenbanken,
nach welchem, solange es die Mittel einer Bank zu-
lassen und die Bank, die die Noten ausgegeben hat,
ihren Verpflichtungen nachkommt, die Noten wechsel-
seitig in Zahlung zu nehmen und einzuwechseln seien.
Ein Gesetzentwurf, das Notenwesen von Bundes
wegen einheitlich zu regeln, siel durch das Referen-
dum vom 23. April 1876. Dasselbe Schicksal hatte
ein Bundesbeschluh betreffs der Revision der Bun-
desverfassung und der Einführung des Notenmono-
pols 31. Okt. 1880. Unter dem 8. März 1881
ist endlich ein Bundesgesetz zu stände gekommen,
gegen welches das Referendum nicht ins Feld ge-
sührt worden ist. Das System der Decentralisation
bleibt hiernach bestehen. Die Ermächtigung zur
Ausgabe von Banknoten muß jeder Bank erteilt
werden, wenn sie die gesetzlichen Bedingungen er-
füllt. Die Notenausgabe darf höchstens das Dop-
pelte des eingezahlten Kapitals erreichen und muh
durch einen gesonderten, den Noteninhabern be-
sonders haftenden Barsonds stets zu wenigstens
40 Proz. gedeckt sein. Für die übrigen 60 Proz. der
Noten sind entweder Wertpapiere zu hinterlegen,
oder es ist eine Bürgschaft des Kantons zu stellen,
oder es kann auch Deckung durch Wechsel beschafft
werden, wenn die Bank auf gewisse im Art. 16 auf-
geführte Geschäfte verzichtet. 1892 bestanden 36 ge-
setzlich autorisierte Notenbanken, welche 1891 im
Jahresdurchschnitt 163487000 Frs. Noten in Um-
lauf hatten, was auf den Kopf der Bevölkerung
55,20 Frs. ergab. Der Barvorrat (Nnc3,i886 iu6>
taiiihiiL) dieser Banken betrug im Jahresdurch-
schnitt 84892000 Frs. Der Plan zur Gründung
einer Noten-Monopolbank liegt auch jetzt (1894)
wieder vor. (S. Notenbanken.)
Konkordienbuch, die Sammlung aller luth.
Bekenntnisschriften, nämlich: 1) die drei Ökumeni-
schen Symbole; 2) die ungeänderte Augsdurgische
Konfession; 3) die Apologie; 4) die beiden Katechis-
men Luthers; 5) die Schmalkaldischen Artikel; 6) die
Konkordienformel. Die ganze Sammlung erschien
zur Feier des fünfzigjährigen Jubiläums der Augs-
burgischen Konfession 25. Juni 1580 zu Dresden auf
Veranlassung des Kurfürsten August von Sachsen
und hat seitdem als ^0rM8 äootrinaL I^utkerkn^
gegolten. Die besten Ausgaben des lateinischen K.
(u. d. T. "I^idri 3^mdo1ioi 6cci63ili6") sind die von
Tittmann (2. Aufl., Meiß. 1827), Hase (3. Aufl.,
Lpz. 1845), Francke (3 Tle., ebd. 1846,1847); deutsch
und lateinisch: "Die Symbolischen Bücher der evang.-
luth. Kirche" (neue Ausg., besorgt von I. T. Müller,
Stuttg. 1847; 4. Aufl., Gütersloh 1876).
Konkordienformel (lat. kormula. concordia?,
"Eintrachtsformel"), eins der Symbolischen Bücher
(s. d.) der luth. Kirche. Dasselbe sollte die Zerwürf-
nisse ausgleichen, die zwischen der Lutherschen und
Melanchthonschen Theologenschule nach Lutbers
Tode entstanden waren. Der Tübinger Kanzler
Jakob Andrea betrieb das Konkordienwerk im Sinne
einer Verständigung der schwäb. und niedersächs.
Lutheraner. Sein von den württemb. Theologen
unterschriebenes Glaubensbekenntnis wurde von
den niedersächs. Theologen Chemnitz und Chy-
träus korrigiert (Schwäbisch-niedersächs. Konkordie,
1575), danach nochmals von den Württembergern
überarbeitet (Maulbronner Formel, Jan. 1576).
Nach dem Sturz der Wittenberger Philippisten
(1574) veranstaltete Kurfürst August von Sachsen
zu Torgau 1576 einen theol. Konvent, an dem Jak.
Andrea, Dav. Chyträus aus Rostock, Martin Chem-
nitz aus Braunschweig, Andr. Musculus, General-
superintendent der Mark Brandenburg, Christoph
Körner aus Frankfurt a. O. und 12 kursüchs. Theo-
logen teilnahmen. Hier wurde auf Grund der ältern
Formeln das sog. Torgau ische Buch verfaßt,
dieses aber, nach Einholung auswärtiger Gutachten,
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.