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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Konkrement - Konkurrenz
im Kloster Vcrge bei Magdeburg 1577 von den
erwähnten Theologen, Zu denen noch Nik. Selnecker
aus Leipzig kam, abermals umgearbeitet und nun
das Bergische Buch oder die K. genannt. Der
theol. Charakter derselben ist das strengste schulge-
rechte Luthertum. Aber die Absicht, alle luth. Lan-
deskirchen unter der Fahne des neuen Symbols zu
vereinigen, schlug fehl. Kirchliche Anerkennung er-
hielt diese Formel, zum Teil nicht für immer, in
Kursachsen, Kurbrandenburg, in 20 Herzogtümern,
24 Grafschaften, 35 Reichsstädten; verworfen da-
gegen wurde sie in Hessen, Zweibrücken, Anhalt,
Pommern, Holstein, Dänemark, Schweden, Nürn-
berg, Straßburg u. s. w. Übrigens ist die K. ur-
sprünglich deutsch in 12 Artikeln abgefaßt und erst
später von Lucas Osiander ins Lateinische übersetzt
worden. - Vgl. Heppe, Geschichte der lutherischen
K. und Konkordie (Bd. 3 u. 4 der "Geschichte des
deutschen Protestantismus", Marb. 1858 - 00);
Frank, Die Theologie der K. (4 Bde., Erlangen
1858-65).
Konkremönt (vom lat. conci-kLcei'L), eine durch
gegenseitige Verkittung kleinerer Teile entstandene
feste Masse, besonders in der Medizin jeder kreide-
oder steinähnliche Körper, welcher durch Miederschlag
oder Verkalkung in gewissen Flüssigkeiten und Säften
des menschlichen Körpers entstand, wie die Venen-,
Nieren-, Blasen-, Gallensteine u. a.
Konkeescieren (lat.), zusammenwachsen, inein-
ander verwachsen, gerinnend sich verdichten; Kon-
krescönz, das Zusammenwachsen.
Konkret (engl. conci-ete), soviel wie Cementbeton
(s. Beton) oder Betonmauerwerk (s. Gußmaucrwerk).
Konkret (lat.) heißt die Vorstellung oder der
Begriff, der den Gegenstand in seiner ganzen In-
haltsfülle, nicht bloß (wie die abstrakte Vorstellung,
der abstrakte Begriff) in diefer und jener bestimm-
ten Hinsicht erfaßt. Der konkretere Begriff eines
Objekts ist daher identifch mit dem bestimmtem,
determiniertern. Das letzte Konkrete ist das sinnlich
Gegebene, im Gegensatz zu aller begrifflichen Auf-
fassung, die eigentlich stets mehr oder minder ab-
strakt ist, d. h. auf Sonderung der Betrachtung, auf
ausschließliche Beachtung gewisser, für die Erkennt-
nis wichtiger Eigentümlichkeiten des Gegenstandes
angewiesen bleibt.
Konkretion (lat.), Zusammenwachsung, in der
Medizin die organische Verbindung zweier oder
mehrerer Teile des menschlichen Körpers, sodaß sie
in ihrem Umrisse einen einzigen Körper bilden, z. B.
zusammengewachsene Finger, Harn- und Gallen-
steine u. dgl.
In der Mineralogie nennt man K. Mineral-
massen von kugeliger, traubenförmiger, knolliger
oder unregelmäßiger Gestalt, die in einem andern
Gestein durch Konzentration von mineralischer Sub-
stanz um einen Mittelpunkt entstanden sind (K. von
Kieselsäure, Vrauneisen, Schwefelkies, Kalk, Gips
u. s. w.). Hierher gehören auch die Lötzkindel,
mergelige K. im Löß, z. B. des Nheinthals. Mer-
gelige K. mit Radiärklüften, die von Kalkspat,
Eisenspat, Zinkblende u. dgl. ausgefüllt sind, nennt
man Septarien.
Konkretuälstand, in der österr.-ungar. Armee
jede, meist nach einzelnen Truppengattungen ge-
bildete, in sich abgeschlossene Gruppe von Offizieren
mit im voraus festgefetzter Zahl der Stellen für
jede Offizierscharge, innerhalb welcher das Avance-
ment in der Regel nach dem Dienstalter vor sich
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.
geht. Solche Gruppen bilden alle Generale (Feld-
marschall, Feldmarschall-Lieutenant, Generallicute-
nant, Generalmajor), die Obersten aller Truppen-
gattungen, die Offiziere der Infanterie (vom Haupt-
mann aufwärts bis zum Oberstlieutenant), die der
Kavallerie, Artillerie, Pioniere u.s.w. (vom Lieute-
nant bis zum Oberstlieutenant einschließlich).
Konkubinat (lat.), nach röm. Recht das außer-
eheliche Zusammenleben zweier Personen behufs
des bloßen Geschlechtsgenusses und ohne den Zweck,
eine Familie zu begründen, ohne atleetio inai-i-
taUg und äiZuita3 uxoris. Der K. war im röm.
Staate, wie im ganzen Altertum, erlaubt, wie-
wohl nicht mit Frauen höhcrn Standes. Die aus
einer solchen Verbindung entsprungenen Kinder
(ülii Qatui'Hio3, s. Natürliche Kinder) hatten An-
spruch auf Alimentation und konnten aus dem Nach-
lasse des Vaters, dafern keine eheliche Nachkommen-
fchaft vorhanden war, mit der Mutter ein Sechstel
als Pflichtteil fordern, auch durch nachträgliche
Heirat ihrer Eltern ehelich werden. Nach und nach
hatte man den immer mehr um sich greifenden K.
zu beschränken gesucht. So hatte Konstantin ver-
boten, den Kindern etwas zu hinterlassen und dcn K.
für höhere Staatsbeamte untersagt. Völlig verboten
wurde er im 9. Jahrh, von Leo Philosophus. Im
Mittelalter ist der K. nie als rechtliches Verhältnis
behandelt worden. Für das Deutsche Reich unter-
sagten ihn speciell die Polizeiordnungen von 1530
und 1577, die letztere infolge der Beschlüsse des Tri-
dentinischen Konzils. Neuerdings ist der K. in einzel-
nen Staaten (Württemberg, Baden, Hessen, Braun-
schweig, Bayern) landesrechtlich strafbar, wenn durch
fortgefetztes häusliches Zusammenleben öffentliches
Ärgernis gegeben wird. (S. auch Sittenpolizei.)
Konkubine (lat.), ein mit einem Manne im
Konkubinat (s. d.) lebendes Frauenzimmer, Bei-
schläferin, Maitresse.
Konkurrönz (frz. concurrence, vom lat. cou-
cuirere, d. i. gemeinsam nach einem Ziele laufen), im
allgemeinen wie Konkurs (s.d.) der Wettbewerb meh-
rerer Personen (z. B. um einen Preis, um ein Amt
u. dgl.), im engern Sinne der Wettbewerb im Wirt-
schaftsleben, wie er besonders in Angebot und Nach-
frage zum Ausdruck kommt. Teils durch internatio-
nale Schranken (Schutzzölle, Einfuhrverbote), teils
durch innere Schranken (Zünfte, Bannrechte) war
bis in die Gegenwart hinein die Freiheit jener K.
gehemmt. Die Wissenschaft hat namentlich seit der
Mitte des 18. Jahrh, für die K. gekämpft, so der
Physiokratismus (s. d.) in Frankreich und Adam
Smith (s. d.) in Großbritannien, und in England
ist dieses Princip durch die sog. Manchesterpartei in
allen wesentlichen Punkten zum Siege gebracht wor-
den. (S. Freihandelspartei.) In Deutschland ist
erst durch die Gesetzgebung des Deutschen Reichs die
freie K. im Innern festgestellt; jedoch sind in der
neuesten Zeit wieder einzelne Ansätze zur Rückbildung
gemacht worden, und ein nicht geringer Teil der
Kleingewerbtreibenden verlangt wieder besondern
staatlichen Schutz in dem Konkurrenzkampf mit dem
Großbetrieb. Auch im auswärtigen Verkehr ist in
der neuesten Zeit die freie K. durch verschärfte Zoll-
tarife in Deutfchland und vielen andern Staaten
wiederholt in stärkerm Maße beschränkt worden.
Wegen der Rechtshilfe gegen den unerlaubten
Wettbewerb (concurrEnco äeio^aie) s. Arglist (Bd. 1,
S. 862 a). Gegen die benachteiligende K. der eigenen
Prokuristen, Handlungsbevollmächtigten und Hand-