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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Korduene - Korea
Korduene, alte Landschaft, s. Corduene.
Köre (grch.), s. Kora.
Korea, von den Eingeborenen bis ins 14. Jahrh.
Korje oder Kokorje, von den Japanern Korai, von
den Chinesen im N. Kaoli, jetzt Tschjo-sjen, Tschau-
sian (chin. Tschao-sjen, "Morgenfrische", japan.
Tscho-sen) genannt, .Halbinsel und Königreich in
Ostasien, trennt das Gelbe Meer im W. vom Ja-
panischen Meer im O. und bedeckt 218 243, nach
Strelbitskij 223523 ykm. Im N. bilden die Flüsse
Ialu-kiang und Tjumen die Grenze gegen China.
(S. Karte: Östliches China mit Korea, beim
Artikel China.)
Oberflächengestaltung. Das Land ist gebirgig oder
doch hügelig. Etwas weniger uneben als die übrigen
Landesteile ist der Nai-po ("Binnenhafen") um die
Hauptstadt Söul, der von künstlichen Wasserläufen
durchschnitten und sehr fruchtbar ist. Die Wasser-
scheide des Ialu-kiang und des Tjumen bildet das
sich vom Schanjan-Älin oder "langen weißen Ge-
birge" in der Nähe des Paik-tu-san (Weih-Köpse-
Gevirges) abzweigende Sjo-paik-san oder "kleine
weiße Gebirge", welches sich am Tschang-paik-san mit
der vom Norden kommenden Küstenkette vereinigt.
Diese setzt sich mit dem Paik-un-san ("Weih-Wolken-
Berg") nach SW. und dann von der Broughton-
Bai nach W. fort, nach O. steil abfallend, nach W.
viele Zweigketten entsendend. Zu den höchsten Bergen
gehören der Tschien-long (1280 m) im N. und der
Mont-Auckland (2000 m) auf der Insel Quelpart
(s. d.). Unter den zahllosen Inseln, die das Fest-
land namentlich im S. und W. umgeben, sind zu
nennen: Ke-tschjei (Kü-tsi) unter 35° nördl. Br.,
128^2° östl. L. von Greenwich; Kang-Hwa an der
Mündung des Han-kang; Tschin-to 34^° nördl. Br.,
126° 10' östl. L. von Greenwich; die Nan-Hou-Inseln
mit Port Hamilton (s. d.); Kjo-tong westlich von
Kang-Hwa und Nam-Hai, zur Provinz Kjeng-sjang
gehörig. An der Ostküste ist die breite Broughton-Vai,
an welcher Wön-san (s. d.) liegt, bemerkenswert.
Weiter nördlich liegen in der Reihenfolge von S.
nach N. die Vorgebirge Petit-Thouars, Vruat und
Kosakow, im S. und nördlich vom Kap Klonar die
Unkossky-Bai. Den tiefsten Einschnitt bildet die
K orea-Bai im N. der Westküste und an der schmal-
sten Stelle des Landes, in deren Süden die Provinz
Hoang-Hai weit in das Meer vorspringt. An dieser
Küste erreicht die Flut eine bedeutende Höhe, wäh-
rend sie an der Ostküste gering ist.
Größere Flüsse sind neben dem am Sjo-paik-san
entspringenden Ialu-kiang und seinen Nebenflüssen
und dem Tjumen der schiffbare Ta-ong-kang in der
Provinz PMg-an; der Han-kang entspringt am
O-tad-san in der Provinz Kang-wen, nimmt einige
Meilen östlich von Söul von rechts den im N. ent-
springenden Sjo-jan-kang und unweit der Mün-
dung den nicht unbedeutenden Rim-tschin auf und
mündet mit einem westl. Arme im N., mit einem
südlichen im S. der durch letztere vom Festlande
getrennten Insel Kang-Hwa ins Meer. Der Fluß
ist bis unweit Söul schiffbar (f. Söul und Che-
mulpo); der Nak-tong-kang (Lo-tung-kiang) ent-
springt nördlich vom 37.° nördl. Br. am Südab-
hange des Tai-paik-fan in der Provinz Kjeng-fjang,
die er von N. nach S. durchstießt, und mündet west-
lich von Fusan in das Japanische Meer. Er ist auf
etwa 230 kiu schiffbar. An der Mündung liegt der
(südl.) Hafen Ma-san-po. Die Ostküste hat nur un-
bedeutende Küstenflüsse aufzuweifen.
Das Klima wird an der Küste im Süden und
Osten durch das Meer beeinflußt, an der Ostküste
namentlich wohl durch eine Abzweigung der warmen
Kuro-schiwo-Strömung. Das Jahresmittel sür Che-
mulpo ist 9,4^ und die Wärmeschwankungen bewegten
sich 1884 Mischen 31,?° im August und - 16F im
Januar, für Wön-san entsprechend 10,5°, 31,?° im
Juli und - 10° im Januar, für Fusan 11,8°, 31,2°
im August und - 6,2° im Dezember. Der Han-kang
friert bis oberhalb Ma-pu; derTa-tong-kang, der
Iulu-kiang und der Tjumen sind über vier Monate
mit Eis bedeckt. Im Norden ist der Schneefall be-
deutend, während es in der Mitte gelegentlich noch
verhältnismäßig warm ist. Sehr hinderlich ist der
Sommerregen. Geklagt wird über das Trinkwasser.
Eine der schlimmsten Plagen sind die Blattern.
Bodenerzeugnisse. Das Land ist nicht arm an
Erzen, wenn auch sein Goldreichtum überschätzt sein
mag. Goldwäschereien von größerm Alter befinden
sich im Lande zerstreut; namentlich aber ist der Eisen-
reichtum bemerkenswert. Die Ausbeute an Kupfer
machte bislangdieEinfuhrdesselbennichtüberflüssig.
Von Waldbäumen tritt höchstens die Kiefer hervor;
sonst helfen noch Tannen, Lärchen, Birken und unter
900 m Ahorn, Eichen, Pappeln, Linden, Hainbuchen
und Eschen die Hochwälder bilden. Bis zu 35° 4(/
findet sich Bambus. Gebaut werden Reis, verschie-
dene Hirsearten, Gerste, Weizen, Buchweizen, Mais,
Bohnen, Spanischer Pfeffer und im Norden Kar-
toffeln. Von Früchten sind Wassermelonen, Kaki,
Pomeranzen, Gurken, Apfel, Birnen, Pflaumen, Kir-
schen, Erdbeeren, Maulbeeren, Weintrauben, Him-
beeren und Pfirsichen sowie Tarai zu erwähnen; doch
fehlt dem Kernobst und den Beeren wegen der vielen
und starken Sommerregen der Wohlgeschmack der
bei uns gezeitigten Früchte der Art. Der Tabak ist im
16. Jahrh, aus Japan, die Baumwolle der Über-
lieferung nach vor über 500 Jahren aus China ein-
geführt. Bis auf die neueste Zeit war der Anbau
der Kartoffel aus unbekannten Gründen verboten
und wurde von Christen insgeheim zum Nutzen der
Missionare betrieben. Zu den Nutzhölzern gebort
vor allem der Papiermaulbeerbaum; das korsische
Papier ist auch in China berühmt, und eine der be-
merkenswertesten Stätten seiner Erzeugung ist un-
weit An-bjön im SO. von Wön-san unter der Auf-
sicht von Vuddbamönchen. Die Farbstoffe sind die-
selben wie in China.
Die Tierwelt ist mannigfaltig und der Chinas
und Japans ähnlich. Sehr reich ist die Meeres-
fauna an den Küsten.
BevölkernngundKulturzustand. Die Bewohner
K.s (s.Tafel: Asiatische Völkertypen, Fig. 24,
Bd. 1, S. 984) gehören der Hochasiat. Rasse an. Es
ließe sich eher von einer Verwandtschaft mit den Ja-
panern als mit den Chinesen reden, doch sind sie
größer und kräftiger als jene. Eine gewisse Energie
und Intelligenz zeichnet sie aus, wohl eine Folge der
Mischung mehrerer Stämme, aus welchen sie her-
vorgegangen sind. Von solchen Stämmen werden
namentlich die aus der Geschichte Hochasiens be-
kannten Sien-pi und die im Süden der Halbinsel
wohnenden Han erwähnt. Die Angaben über die
Einwohnerzahl sind sehr schwankend. Neben ältern
Schätzungen auf 16 Mill. wurden 1890: 6^ oder
7^/2 Mill. E. angenommen; 1893 wurden 11615Aus-
länder gezählt, darunter 9204 Chinesen, 2205 Ja-
paner, der Rest Europäer in den Vertragshäfen. Bis
in die neueste Zeit zerfiel die Bevölkerung in die be-
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.