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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kreislauf des Stoffs - Kreisordnung
(Wien 1892); Tigerstedt, Lehrbuch der Physiologie
des K. d. B. (Lpz. 1893).
Kreislauf des Stoffs, s. Stoffwechsel.
Kreisler, Johs., eine Phantasiefigur, die in
E. Tb. A. Hoffmanns "Phantasiestücken in Callots
Manier" und "Kater Murr" auftritt. Auch musika-
lische Recensionen Hoffmanns tragen die Unterschrift
Johannes K., Kapellmeister. K., zu dem der thüring.
Musiker Joh. Ludw. Böhner einige Züge geliehen
haben soll, ist der Vertreter der überschwenglichsten
Romantik, der durch die Prosa des "Kater Murr"
die Vage gehalten wird. Dieses Spiel der Gegen-
sätze, in der deutschen Litteratur durch IeanPaulsche
Gestalten (Vult und Walt) eine Zeit lang sehr be-
liebt, hat seinen natürlichen Boden in der musika-
lischen Kunst und namentlich in der Instrumental-
musik von jeher gern Ausdruck gefucht. So ist auch
der Hoffmannsche K. selbst für den Titel eines
Cyklus von 7 Klavierstücken benutzt worden, die
in ihrer Art eine klassische Bedeutung besitzen. Es
sind die "Kreis leriana" (Op. 16) von Nob. Schu-
mann. Sie kopieren in ihrem aphoristischen Stil das
Gebaren des von Hoffmann geschaffenen wunder-
lichen Kauzes ganz meisterhaft. Dem Inhalt nach
stehen sie mit den "Davidsbündlertänzcn" <0p. 6)
des Komponisten im Zusammenhang. Der Gegen-
satz zwischen den von Schumann geschaffenen Phan-
tasiegestalten des stürmischen Florcstan und des sanf-
ten Eusebius kehrt hier in anderer Weise wieder.
Beidemal scheint der Kampf Schumanns um seine
Braut die Grundlage der Stimmungsbilder ge-
wesen zu sein. Ein von Clara Wieck erfundenes
Thema durchgeht die "Kreisleriana", und in den
"Iuqendbriefen" nennt sie Schumann ausdrücklich
die Hauptperson in der Komposition.
Kreislinie, s. Kreis (geometrisch).
Kreismikrometer oder Ringmikromcter,
ein Mikrometer (s. d.), das aus einem dünnen,
genau kreisförmigen Stahlring besteht, der auf einer
Glasplatte befestigt und in der Brennebene eines
Fernrohrs angebracht ist. Durch Beobachtung der
Zeiten, in denen zwei einander nahe Gestirne in
diesen Ring ein- und austreten, kann man die
Rettascensions - und Deklinationsdifferenzen der-
selben bestimmen. Das hierzu nötige Fernrohr be-
darf keiner parallaktifchen Aufstellimg, muß aber
während der Dauer der Beobachtung völlig unver-
ändert stehen bleiben. Dieses einfache Mikrometer
eignet sich namentlich zur Ortsbestimmung licht-
schwacher Gestirne, wie der Kometen und Nebelflecke.
Im Notfalle kann man die das Gesichtsfeld des
Fernrohrs begrenzende Blendung selbst als K. be-
nutzen. iWnecken.
Kreismundfchnecken l^ds'kwma), s. Land-
Kreis Oldenburger Eisenbahn, s. Deutsche
Eisenbahnen (Bd. 4, S. 1000, 0, II, Nr. 16).
Kreisordnung, das preuß. Gesetz, das 13. Dez.
1872 nach langjährigen Vorberatungen und schwie-
rigen Verhandlungen im Landtage zu stände ge-
kommen und aus dem alsdann weiter unter Festbal-
tung seiner Grundgedanken die neue organische Ge-
setzgebung des preuß. Staates hervorgegangen ist.
(S. Provinzialoronung und Verwaltungsgcrichts-
barkeit.) Das Gesetz erstreckte sich zunächst nur auf
die Provinzen Ost- und Westpreichen, Brandenburg
mit Berlin, Pommern, Schlesien und Sachsen mit
der Maßgabe, daß es durch königl. Verordnung in
Posen oder Teilen dieser Provinz in Kraft gesetzt
einen Kommunalverband zur Selbstverwaltung
seiner Angelegenheiten mit den Rechten einer Kor-
poration; Städte mit mindestens 25000 Civil-
personen dürfen einen Kreisverband (Stadtkreis)
für sich bilden. Die Kreisangehörigen sind zur An-
nahme unbesoldeter Ämter und zur Aufbringung
von Abgaben für die Kreisbedürfnisse durch Zu-
schläge zu den direkten Staatssteuern, namentlich
zur Klassen- und Einkommensteuer, verpflichtet; der
Fiskus darf mit einer stärkern Quote der Grund-
und Gebäudesteuer herangezogen werden. Jeder
Kreis ist zum Erlaß statutarischer Anordnungen und
von Reglements über besondere Einrichtungen be-
fugt. An der Spitze der Verwaltung steht der auf
Vorfchlag des Kreistags vom König ernannte Land-
rat als Organ der Staatsregierung und Vorsitzen-
der des Kreistags und Kreisausschusses; ein Kreis-
sekretär ist ihm beigegeben, und zwei gewählte
Kreis deputi erte (s. d.), bei kurzer Behinderung
auch der Kreissekretär, können ihn vertreten. Der
Kreistag, welcher den Kommunalverband vertritt
und mindestens zweimal jährlich berufen werden
muß, besteht aus mindestens 25 Mitgliedern, an
denen die Stadtgemeinden nach ihrem Vevölke-
rungsanteil bis zur Hälfte oder einem Drittel be-
teiligt sind, während der Rest gleichmäßig auf den
Wahlverband der Landgemeinden und denjenigen
der mit mindestens 150 bis 450 M. staatlicher
Grund- und Gebäudesteuer belegten ländlichen
Grundbesitzer entfällt; die Wahlen erfolgen durch
Wahlmänner auf sechs Jahre. Ein vom Kreistag
erwählter Kreis aus schuh (s. d.) von sechs Mit-
gliedern steht dem Landrat in der Verwaltung der
Kreisangelegenheiten und Wahrnehmung von Ge-
schäften der allgemeinen Landesverwaltnng zur
Seite. Glieder des Kreises sind die Städte, soweit
sie nicht eigene Stadtkreise bilden, und Amtsbezirke
(s. d.). Für den Bereich eines selbständigen Guts-
bezirks (s. d.) ist de^en Besitzer oder ein von ihm be-
stellter Vertreter Ortsobrigkeit und als solche zu den
Pflichten und Leistungen verbunden, welche gleich-
zeitig den Landgemeinden obliegen. In letztern be-
steht der Gemeindevorstand aus dem Gemeinde-
vorsteher und mindestens zwei Schöffen, die von der
Gemeindevertretung auf sechs Jahre erwählt werden.
Die K. hat sich gut bewährt und ist allmählich, mit
einigen durch die besondern Verhältnisse anderer
Provinzen bedingten Abänderungen, im ganzen
Staatsgebiete zur Einführung gelangt, für die Pro-
vinz Hannover durch das 1. April 1885 in Kraft
getretene Gesetz vom 6. Mai 1884 unter Fortlassung
der Amtsbezirke und Abänderung der bisherigen
Kreiseintcilung, für Hessen-Nassau durch Gesetz vom
?. Juni 1885, für Westfalen durch Gesetz vom 31. Juli
1886, für die Rhcinprovinz durch Gefetz vom 30. Mai
1887, für Schleswig-Holstein durch Gesetz vom
26. Mai 1888; für Posen wurden die Verhältnisse
neu im Anschluß an die Vcrwaltungseinrichtungen
der Gesamtmonarchie geordnet durch Gesetz vom
19. Mai 1889, welches freilich der Selbstverwaltung
sehr viel engere Grenzen ziehen mußte, als ihr in
den andern Provinzen gezogen sind. Die K. für die
alten Provinzen erfuhr eine Neuredaktion durch
Gesetz vom 19. März 1881, welches zur Zeit die for-
male Rcchtsquelle bildet. (S. Gemeinderecht.)
Vgl. Stengel, Die Organisation der preuß. Ver-
waltung (Lpz'. 1884); Brauchitsch, Die neuen preuß.
Verwaltungsgesetze (4 Bde., zum Teil in 10., 11.
werden könnte. Jeder Kreis bildet nach dem Gesetz ! und 12. Aufl., besorgt von Studt und Vraunbehrens,
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.