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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kresin - Kreta

Kresin, ein Desinfektionsmittel, das aus einer Auflösung von Kresol (25 Proz.) in kresoxylessigsaurem Natron bereitet wird.

Kresol, Kresylsäure, die nächsten Homologen des Phenols, die Methylphenole, C6H4(CH3)OH, oder Oxytoluole. Es giebt, wie bei allen zweifach substituierten Benzolabkömmlingen (s. Aromatische Verbindungen), drei isomere K., nämlich Ortho-, Meta- und Parakresol. Alle drei finden sich im Steinkohlenteer und im Holzteer. Orthokresol schmilzt bei 31° und siedet bei 188°; Metakresol ist eine Flüssigkeit, die bei starker Abkühlung erstarrt und bei 201° siedet; Parakresol schmilzt bei 36° und siedet bei 198°. Im übrigen sind sie dem Phenol ganz ähnlich. Das Parakresol wird in der Farbentechnik vielfach zur Herstellung von Farbstoffen benutzt. Mit Salpetersäure z. B. erhält man Dinitrokresol (s. d.). Eine zweiprozentige wässerige Lösung von K. wird neuerdings als Heilmittel gegen Diphtheritis empfohlen.

Kresolrot, ein seit 1878 im Handel vorkommender Azofarbstoff, der aus Amidoorthokresoläthyläther und Naphtholdisulfosäure erhalten wird und Wolle im sauren Bade schön rot färbt.

Kresphontes, einer der Herakliden (s. d.), Gemahl der Merope (s. d.).

Kresse, Name einer Reihe von Gewächsen verschiedener Gattungen, die durch einen scharf aromatischen Geschmack charakterisiert sind und meist der Familie der Kruciferen angehören. Die wichtigsten sind die Brunnenkresse (s. d.) und die Gartenkresse (s. Lepidum). Beliebte Gartenzierpflanzen sind die Gänsekresse (s. Arabis) und die Kapuzinerkressen (s. Tropaeolum).

Kressenöl, ein gelbliches ätherisches Öl, das bei der Destillation des Kressensamens mit Wasserdämpfen erhalten wird. Der Hauptmenge nach besteht es aus Benzylcyanid, C6H5.CH2.CN, dem Nitril der Phenylessigsäure, und enthält noch geringe Mengen schwefelhaltiger Substanzen.

Kreßling, Fisch, soviel wie Gräsling, s. Äsche.

Krest (russ.), Kreuz, häufig in geogr. Namen.

Krestjanin (russ.), der Bauer, eigentlich der Christ. Diese Bezeichnung kam zur Zeit der Tatarenherrschaft auf, weil die überwiegende Masse der christl. Russen Bauern waren.

Kresiowskij, W., später W. Krestowskij-Pseudonym (zum Unterschied von Wßewolod Krestowskijs), Schriftstellername der russ. Schriftstellerin Nadeschda Dmitrijewna Chwoschtschinskaja, geb. 1825 zu Rjasan, gest. 2. Juli (20. Juni) 1889 in Peterhof. Ihre ersten Gedichte erschienen 1847, ihre erste Novelle: "Anna Michailowna", 1850. Großen Erfolg hatte ihr Roman "Der Dorflehrer". Ihre Werke erschienen meist in den "Vaterländischen Annalen" und im "Europ. Boten", wo sich auch ihr berühmter Roman "Der große Bär" findet. Ihre "Gesammelten Werke" erscheinen seit 1883 in Petersburg. Einige ihrer Novellen sind ins Deutsche übersetzt von A. Ascharin im "Russ. Novellenschatz".

Krestowsko-Iwanowscher Jahrmarkt oder Postnowscher Jahrmarkt, Messe im Kreis Schadrinsk des russ. Gouvernements Perm, 29 km östlich der Stadt Schadrinsk. Zugeführt wurden (1892) Waren im Wert von 4,9 Mill., verkauft für 3,7 Mill. Rubel. Die Messe entstand im 17. Jahrh. an der Stelle einer Wallfahrtskapelle und wurde 1859 zu einer Messe erhoben.

Kresylalkohol, soviel wie Kresol (s. d.).

Kresylsäure, s. Kresol.

Kreszentin oder Chappe, s. Seide.

Kreszenz (lat.), Wachstum.

Kreta, neugriech. Kriti, türk. Kirid, ital. nach der mittelalterlichen und modernen Hauptstadt Candia benannt, die größte aller griech. Inseln, das Hauptglied des Inselbogens im S. des Agäischen Meers. (S. Nebenkarte auf Karte: Balkanhalbinsel und auf Karte: Das alte Griechenland.)

Oberflächengestaltung. Die Insel ist schmal und von O. nach W. gestreckt; bei einer Länge von 260 km hat sie eine größte Breite von 57, eine geringste von 12 km und umfaßt 8618, nach anderer Messung 8694 qkm. Nach S. fällt der Meeresboden steil zu großen Tiefen ab, und auch nach N. schiebt sich zwischen K. und die Cykladen, deren nächste, die kleine Insel Christiana, 95 km entfernt ist, ein tiefes Meeresbecken, das Kretische Meer, ein. Geringer ist die Entfernung von Antikythera (Cerigotto) im NW. (etwa 30 km) und von Kasos im NO. (48 km). Noch in der jüngern Tertiärzeit stand K. in festländischer Verbindung mit Kleinasien. Der Gebirgszug, der mit östl. Streichrichtung die Insel in ihrer ganzen Länge durchzieht, teilt sie in eine einförmigere südliche und eine reicher gegliederte nördl. Abdachung, denen ähnliche Küsten entsprechen. Das Faltengebirge erhebt sich in drei höhern Massiven, die durch niedrigere Rücken verbunden sind; im westl. Teil der Insel die Weihen Berge (Aspravuna, im Altertum Leuka Ore), auch Madaras oder Sphakiotische Berge genannt, 2470 m hoch; im mittlern Teil das Idagebirge oder Psiloritis (2458 m); im östl. Teil das Lasithigebirge (2l65 m, Dikte im Altertum). Die Gebirge sind ungemein wild und zerrissen, jetzt fast gänzlich entwaldet, während sie im Altertum wegen ihrer prächtigen Wälder und ihres Reichtums an Arzneipflanzen berühmt waren. Die Ausdehnung der Thäler und Ebenen ist gering, aber sie sind von hervorragender Fruchtbarkeit. Die Flußläufe sind kurz und trocknen im Sommer aus. Das Klima ist mild und angenehm; Frost ist an den Küsten unbekannt, und die Gebirge werden im Hochsommer ganz schneefrei. Im regenlosen Sommer ist die Hitze beträchtlich, besonders wenn der lästige Sirocco weht. Erdbeben sind häufig und von zerstörender Stärke.

Bevölkerung und Erzeugnisse. Die Zahl der Einwohner, in der Blütezeit der venet. Herrschaft auf 1 Mill. geschätzt, wird jetzt auf 294 000 angegeben, wovon 184 000 Christen, 93 000 Mohammedaner und 3200 Israeliten. Die Christen sind meist griech. Abkunft, darunter die mit ihren Schafherden im südwestl. Gebirge hausenden Sphakioten oder Sphakianer, die ihren nationalen Charakter am reinsten erhalten haben. (S. Sphakia.) Slaw., arab. und albanes. Elemente sind den Griechen beigemischt. Die Mohammedaner, besonders im mittlern Drittel des südl. Teils, sind zum Teil eingeborene Kreter, deren Vorfahren zum Übertritt gezwungen wurden, aber ihre griech. Sprache beibehielten. Trotzdem ist der gegenseitige Haß größer als irgendwo anders. Gewerbe, Handel und Schiffahrt liegen danieder; geistige Kultur fehlt gänzlich; die unter venet. Herrschaft noch blühenden Häfen sind fast alle versandet; die meisten Städte liegen in Trümmern. Das Hauptstapelprodukt ist Olivenöl, das jetzt hauptsächlich auf der Insel selbst zur Fabrikation von Seife verwendet wird, mit der K. zum großen Teil die Levante versieht. Auch vortreffliche Seide und Orangen,

^[Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.]