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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Krieghammer - Kriegserklärung
Auf dieser Grundlage soll eine mebr einheitliche
Versassung aller Teile des Teutschen Kriegerbundcs
geschaffen werden, indem man voraussetzt, daß
gleiche Einrichtungen bei den übrigen (nichtpreußi-
schcn) Verbänden Platz greisen werden. Die Stärke
des Deutschen Kriegerbundes (Sitz in Berlin) beträgt
(1. April 1894) 203 Verbände oder Bezirke mit
8583 Vereinen und 711973 Mitgliedern. Als Leiter
wirkt Generallieutenant z. D. von Nenthe genannt
Fink. Von der durch den Deutschen Kriegerbund
gestifteten Presse sind zu nennen: "Die Parole.
Teutsche Kriegerzeitung. Amtliche Zeitung der Kor-
poration: Deutscher Kriegerbund", "Das Krieger-
haus", "Jahrbücher des Deutschen Kriegerbundes".
In Österreich hat man im Anschluß an die
1893 begonnene Umformung der Landwehr den
"Veteranenvereinen" eine allgemeine Organisation
gegeben sowie das Recht, Waffen zu tragen; man
rechnet auf die Thätigkeit dieser alten Krieger bei
einer etwa notwendigen Landesverteidigung.
Krieghammer, Edmund Edler von, General
der Kavallerie und österr.-ungar. Reichskriegsmini-
ster, geb. 4. Juni 1832 in Landshut, absolvierte die
Militärakademie in Wiener-Neustadt, trat 1849 als
Lieutenant in das 5. Dragonerregiment und machte
noch in demselben Jahre den Feldzug gegen die auf-
ständischen Ungarn mit. An den Kriegen gegen Ita-
lien (1859) und gegen Preußen (1866) nahm er als
Rittmeister teil. Nach Absolvierung der Central-
Kavallerieschule und der Kriegsschule wurde er 1869
zum Major und Flügeladjutanten des Kaisers er-
nannt. 1874 zum Oberst, 1879 zum Generalmajor,
1881 zum Feldmarschalllieutenant befördert, befeh-
ligte er seit 1886 die Kavallerictruppcndivision in
Lembcrg, seit Dez. 1888 die 6. Infanterietruppen-
division, bis er 1889 zum Kommandanten des
1. Korps und kommandierenden General in Krakau
ernannt wurde. 1891 zum General der Kavallerie
befördert, wurde er 23. Sept. 1893 nach dem Tode
Bauers zum Reichskriegsminister ernannt.
Kriegsakademie, in Preußen Bezeichnung für
die militär. Hochschule, die Generalstabsschule, die
den Zweck hat, geeignete Offiziere in die höhern
Zweige der Kriegswissenschasten einzuführen und
ihnen eine kriegswissenschaftliche Bildung zu ver-
mitteln. Aufnahmebedingungen: dreijährige Dienst-
zeit als Offizier, vollkommene Vertrautheit mit dem
praktischen Dienst, hervorragende geistige Anlagen
und Ablegung einer Eintrittsprüfung, die im all-
gemeinen die Gegenstände der Fähnrichs- und Ossi-
ziersprüfung betrifft. Der Lehrkursus währt drei
Jahre; die theoretischen Vorträge beginnen 1. Okt.
und dauern neun Monate, die Zwischenzeiten wer-
den durch praktischen Dienst ausgefüllt. Der Lehr-
plan umfaßt außer den militär. Wissenschaften Ma-
thematik, Geographie, Geschichte, Physik, Chemie,
ferner russ. und franz. Sprache; die Teilnahme an
den nicht militär. Zweigen ist innerhalb gewisser
Grenzen fakultativ. Nach Abfolvierung des ganzen
dreijährigen Kursus werden die betreffenden Offi-
ziere entweder unmittelbar zur Dienstleistung zum
Generalstab kommandiert oder sie treten vorläufig
zu ihrer Truppe zurück, um je nach Bedarf Ver-
wendung zu finden.
Der Unterricht wird teils durch Offiziere, meist
des Generalstabes oder Kriegsministeriums, teils
durch Professoren höherer Lehranstalten erteilt.
Direktor der K. ist ein General mit dem Range
eines Tivisionscommandeurs; er ist dem Chef des
Artikel, die man unter K verm
Gcncralstabes der Armee unterstellt. Die K. zu
Berlin wird von Offizieren aller deutschen Kontin-
gente mit Ausnahme Bayerns besucht; in München
wurde 1862 eine eigene K. mit ähnlicher Organisa-
tion wie die zu Berlin cröfsnet.
Kriegsartikel, ursprünglich Artikelbricfe
genannt, enthalten eine Pflichtenlehre für den Sol-
daten, einen Auszug aus dem Militärstrafgesetz-
buch und allgemeine dienstliche Anordnungen. Die
ältesten brandenburgischen K. datieren von 1656.
Für das deutsche Heer wurden, mit Ausnahme
von Bayern und Württemberg, nach dem Militär-
strafgesetzbuch vom 20. Juni 1872 die K. für das
Heer vom 31. Okt. 1872 gleichzeitig mit der Dis-
ciplinarordnung erlassen, welchen sich die für die
bayr. und für die württemb. Truppen erlassenen
gleichlautenden K. nebst Disciplinarstrafordnung an-
schlössen. Für die kaiserliche M arine bestehen:
K. für die kaiserl. Marine vom 23. Nov. 1872, Dis-
ciplinarstrafordnung für die kaiserl. Marine vom
23. Nov. 1872, Verordnung, betreffend die Voll-
streckung von Arreststrafen auf den in Dienst ge-
stellten Schiffen und Fahrzeugen der kaiserl. Marine
vom 23. Nov. 1872. - Das Nähere vgl. Keller, Er-
läuterungen zu den K. (Berl. 1877).
In Österreich gelten die gleichzeitig mit einem
Militärstrafgesetzbuch erlassenen K. für die k. k.
österr. Landarmee, Kriegsmarine und das Flottillen-
korps vom 15. Jan. 1855.
Kriegsbaukunst, s. Befestigungskunst und Per-
manente Befestigung.
Kriegsbefestigung, s. <^0Qt63ta.ti0 litis.
Kriegsbereitschaft, Versetzung des Friedens-
zustandes eines Heers in das mobile Verhältnis
(s. Mobilmachung).
Kriegsbrücken, Brücken, die man im Kriege
oder sonst unter besondern Umständen zur militär.
Benutzung erbaut. Sie werden aus unvorbereite-
tem, d. h. an Ort und Stelle aufgetriebenem Ma-
terial erbaut (Feldbrücken, s. d.) oder aus vorbereite-
tem und mitgeführtem Material (Trainbrücken,
s. d.). Ihrer Breite und Festigkeit nach unterscheidet
manBrückenstege, Laufbrücken und Kolonnenbrücken.
Jede Brücke besteht aus dem Oberbau, d. h. der
Vrückendecke mit den Gliedern, und dem Unter-
bau, d. h. den Unterstützungen der Vrückendecke.
Die Entfernung von einer Unterstützung zur andern,
von Mitte zu Mitte gerechnet, heißt Spannung,
der ihr entsprechende Teil der Brücke heiht Strecke.
Kriegschirurgie, der Teil der Chirurgie, der
von der operativen Behandlung und der Statistik der
im Kriege vorkommenden Verletzungen und Wund-
krankheiten handelt. - Vgl. Fischer, Handbuch der
K. (2 Bde., Stuttg.1882); Esmarch, Handbuch der
kriegschirurg. Technik (2 Bde., 4. Aufl., Kiel 1893).
Kriegsdecime, Zollzuschlag, s. Decime.
Kriegsdienst, Militärdien st, sämtliche
Dienstleistungen eines Soldaten im Frieden und
im Kriege.
Kriegserklärung, die Eröffnung des Krieges
(s. d.) durch eine an den Gegner gerichtete auodrück-
licbe Ankündigung. Im Altertum war diese allge-
mein üblich in mehr oder minder feierlicher Form
und galt bei den Römern (s. Fetialen) als not-
wendiges Erfordernis eines d6i1nin^u8tuin im Sinne
(nicht des gerechten, sondern) des rechtsgültigen
Krieges (wie ^ustuin iniNi'imoniuin, rechtsgültige
Ebe), im Gegensatze zum völkerrechtswidrigen Über-
fall. Auch im Mittelaltcr gehörte die K. zur ritter-
ißt, sind unter C aufzusuchen.