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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Kryptogrăphie; Kryptomēre Gesteine; Kryptonȳm; Kryptophōn; Kryptophthálmus; Kryptŏrchie; Krystalle

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Kryptographie - Krystalle

Sich dabei einer einfachen alphabetischen Verstellung der einzelnen Buchstaben der Wörter zu bedienen, hat in keiner Beziehung einen besondern Wert, bezüglich der Geheimhaltung nicht, weil man aus der bekannten durchschnittlichen Häufigkeit des Vorkommens der einzelnen Buchstaben in den verschiedenen Sprachen leicht den Schlüssel zur Verschiebung und Vertauschung auffinden kann. Am einfachsten bedient man sich dazu eines Wörterbuches (code), worin in einer Spalte Gruppen von vier Ziffern oder von drei Buchstaben und daneben in einer zweiten Spalte die Wörter und Sätze stehen, welche diese Gruppen bedeuten. Zu größerer Sicherung der Geheimhaltung telegraphiert man dann aber nicht die im Wörterbuche stehenden Gruppen selbst, sondern ändert sie zuvor kryptographisch um durch verabredete Vertauschung ihrer Ziffern bez. Buchstaben untereinander. Um die Vertauschung der drei Buchstaben der Gruppen zu erleichtern, hat der Franzose J. Anizan 1888 einen K. vorgeschlagen, der, in der Größe einer Brieftasche ausgeführt, drei Räderpaare enthält, die sich auf verschiedene verabredete Verschiebungen einstellen lassen und bei ihrer Umdrehung für jeden Buchstaben des Wörterbuches den zu telegraphierenden Ersatzbuchstaben anzeigen.

Man hat auch Wörterbücher, in denen die einzelnen Wörter und Sätze des Telegramms durch je ein Wort ausgedrückt werden, dessen Buchstaben eine bestimmte Anzahl nicht übersteigen. Dazu gehört das 1894 erscheinende, vom Internationalen Bureau der Telegraphenverwaltungen bearbeitete, etwa 240000 Wörter aus acht verschiedenen Sprachen enthaltende offizielle Wörterbuch. Auch da läßt sich mittels des K. größere Geheimhaltung des Inhalts der Telegramme erreichen. Man müßte dazu dem Wörterbuche drei Spalten geben, in die erste die Stichwörter setzen, daneben in die zweite Spalte wieder drei Buchstaben und neben diese in die dritte endlich das durch jene Stichwörter zu ersetzende Wort bez. den betreffenden Satz des in gewöhnlicher Schrift abgefaßten Telegramms; man sucht dann im Wörterbuche den zu telegraphierenden Satz auf, wandelt die daneben stehenden drei Buchstaben mittels des K. um und telegraphiert endlich das neben den bei der Umwandlung erhaltenen drei Buchstaben stehende Stichwort. Bei der Entzifferung eines angekommenen Telegramms muß man natürlich umgekehrt verfahren.

Kryptogrăphie (grch.), Geheimschrift, s. Chiffrieren, Chiffrierschrift und Kryptograph.

Kryptomēre Gesteine, s. Gesteine.

Kryptonȳm (grch.), mit verborgenem Namen.

Kryptophōn (grch.), ein 1883 von dem franz. Genie-Oberstlieutenant R. Henry erfundenes und 1887 von ihm und Berthou verbessertes elektrisches Instrument, mittels dessen irgend ein Raum aus der Ferne überwacht werden soll. In diesem Raume wird das eigentliche K. aufgestellt und meldet die daselbst durch Bewegung von Personen oder anderswie verursachten Erzitterungen nach Art eines Mikrophons in Stromleitern nach dem Beobachtungsorte, woselbst das dort aufgestellte Kryptophonoskōp sie dem Auge und dem Ohr wahrnehmbar macht.

Kryptophthálmus (grch.), eine Mißbildung des menschlichen Gesichts, bei der die Gesichtshaut glatt über die Augengegend hinzieht, somit die Lider gänzlich fehlen. Dabei kann hinter der Haut ein unvollständig entwickelter Augapfel liegen oder jede Anlage des Auges mangeln.

Kryptŏrchie oder Kryptorchismus (grch.), angeborene Lageveränderung der Hoden, wobei diese statt im Hodensack in der Bauchhöhle oder im Leistenkanal liegen (s. Leiste); Kryptorchīd, Individuum mit solcher Mißbildung, soviel wie Klopfhengst (s. d.).

Krystalle (grch.), die regelmäßigen und ursprünglichen polyedrischen Formen, welche die Substanzen beim Übergange aus dem flüssigen oder dampfförmigen Zustande in den festen freiwillig annehmen. Der Prozeß ihrer Bildung heißt Krystallisation (s. d.). Alle K. sind in bestimmter Form und Zahl von ebenen Flächen begrenzt, die in Kanten zusammenstoßen, die ihrerseits einander wieder in Ecken treffen. Ist die Zahl der Flächen F, die der Ecken E, die der Kanten K, so gilt der allgemeine Satz: F+E = K+2. An allen vollflächig ausgebildeten K. wird beobachtet, daß für jede Fläche auf der entgegengesetzten Seite des Krystalls eine mit ihr parallele Fläche vorhanden ist, sodaß es hier lauter Flächenpaare sind, die den Krystall begrenzen. Unter einer Zone versteht man den Inbegriff von mindestens drei Flächen, die untereinander parallele Kanten an dem Krystall bilden, oder die einer und derselben Linie im Raum parallel gehen. Gleichwertige Flächen eines Krystalls sind solche, von denen bei einer vollkommenen Ausbildung desselben niemals die eine ohne die andere auftreten kann. Sind alle gleichwertigen Flächen von dem Mittelpunkt des Krystalls gleich weit entfernt, so schneiden sie sich derart, daß sie alle dieselbe Form und Größe besitzen. Die gegenseitige Richtung, unter der sich die gleichwertigen Flächen einer krystallisierten Substanz schneiden, ist, solange keine Änderung der Temperatur eintritt, konstant, die Winkel, die sie miteinander einschließen, sind dieselben. Es ist dies das Gesetz von der Konstanz der Kantenwinkel. Die an einem Krystall vorhandenen, untereinander gleichwertigen Flächen denkt man sich zu einer selbständigen Gestalt vereinigt, die eine einfache Krystallform genannt wird. Diese einfachen, bloß gleichwertige Flächen aufweisenden Formen sind teils geschlossene, solche, deren Flächen den Raum ringsum allseitig abschließen (z. B. Würfel, Oktaeder), teils offene, solche, bei denen der Raum nach gewissen Richtungen hin offen ist (z. B. Prisma, Pinakoid); derlei offene Formen können natürlich nicht selbständig, sondern nur in Kombinationen vorkommen. Eine Krystallgestalt, die von den Flächen mehrerer nebeneinander ausgebildeter einfacher Formen begrenzt wird, eine Kombination (s. d.) dieser Formen.

Um überhaupt die K. einer mathem. Untersuchung unterwerfen zu können, bezieht man ihre Gestalt auf Achsen, d. h. auf ein Koordinatensystem von Linien, die durch den Mittelpunkt des Krystalls gezogen gedacht werden und die in zwei gegenüberliegenden gleichartigen Flächen, Kanten oder Ecken übereinstimmend endigen. Alle Teile des Krystalls liegen regelmäßig oder symmetrisch um dieses Kreuz von idealen, einander durchschneidenden Linien verteilt. Diejenigen Abschnitte, die irgend eine Fläche nach entsprechender Vergrößerung an den Achsen hervorbringt, werden, gemessen von dem Durchschnittspunkt der letztern, Parameter genannt. Wird eine Form aus einer andern abgeleitet, so ist das Verhältnis der beiderseitigen Parameter auf den entsprechenden Achsen allemal ein rationales.

^[Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.]