Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

833

Kurier – Kurland

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Kurie'

im Wege der Gnade nachgesucht wird. Allgemeine Kirchenangelegenheiten und wichtige Anordnungen, Heiligsprechungen und Ordensstiftungen werden in Versammlungen (Konsistorien) der Kardinäle (s. d.) verhandelt, in welchen der Papst selbst den Vorsitz führt. Für die meisten wichtigern Geschäfte sind Kongregationen aus den Kardinälen gebildet, teils als stehende Kollegien, teils als vorübergehende Kommissionen. Das Behördensystem der K. ist allmählich immer komplizierter geworden und die Kompetenzen der verschiedenen Behörden sind sehr wenig bestimmt abgegrenzt, sodaß theoretisch die Organisation heute kaum mehr zu übersehen ist. – Vgl. die Aufsätze von Mejer in Richter und Jacobsons «Zeitschrift für das Recht und die Politik der Kirche», Heft 1 u. 2 (Lpz. 1847); Bangen, Die römische K. (Münster 1854); Hinschius, System des Kirchenrechts, Bd. 1 (Berl. 1869).

Über die bischöfliche K. s. Bischof.

Kurier (frz. courrier), Eilbote, besonders der von einem Kabinett, einem Hofe, einem Gesandten u.s.w. mit einer wichtigen Nachricht abgeschickte.

Kurierzüge, s. Eisenbahnzüge.

Kurīlen oder Kurilische Inseln (japan. Tsisima), eine 1270 km lange, aus 32 Eilanden bestehende Inselkette, die von der Südspitze Kamtschatkas in südwestl. Richtung bis in die Nähe der Insel Jesso hinüberzieht. Die Gruppe umfaßt 14826, nach anderer Messung 11971 qkm und bildet seit dem russ.-japan. Vertrag von 1875 einen Teil des Verwaltungsbezirks von Jesso. Die größern sind von N. gegen S. Shumshu, Paramushir (2479 qkm), Onekotan, Kharimkotan, Matau, Shimushir, Urup (1511 qkm), Iturup (die größte, 6725 qkm) und Kunashir (1548 qkm). Die ganze Reihe ist vulkanischer Natur, trägt 52 vulkanische Berge, von denen mindestens 17 noch in Thätigkeit sind, hat viele heiße und Schwefelquellen und ist häufig Erdbeben ausgesetzt. Kunashir, Urup und Iturup sind zum Teil gut bewaldet mit Lärchen, Cedern und Weiden. Einige Inseln sind wasserlos, andere fruchtbar; weiße, rote und schwarze Füchse, Wölfe, Zobel, Biber, See- und Fischottern werden ihres Pelzwerks wegen gesucht; auch bergen sie Eisen, Kupfer, Schwefel und Salmiak. Nur die drei südlichsten sind bewohnt und zwar von Ainu (s. d.). Entdeckt wurden die K. 1634 durch den Holländer De Vrees. (S. Nebenkarte zur Karte: Japan.)

Kuriōs (lat.), wunderlich, seltsam.

Kuriositäten (lat.), s. Curiosa.

Kurische Könige, die Abkömmlinge der alten Kurenhäuptlinge des 12. Jahrh., die in sieben Dörfern im Kreis Goldingen in Kurland leben. Sie erhielten als Häupter oder Könige der Urbevölkerung bei der deutschen Eroberung im 13. Jahrh. ihr Land zu Lehen und behaupteten ihre Freiheit bis in die neueste Zeit, gestützt auf Privilegien der Ordensmeister und (seit 1561) der Herzöge von Kurland. Ihre alten Gebräuche und die lettische Sprache bewahrten sie. Im Mittelalter vererbte sich das Schulzenamt («Burmeister») in bestimmten Geschlechtern, neuerdings wählen die Gemeinden für sich den Burmeister.

Kurische Nehrung, Dünenkette, zwischen dem Kurischen Haff und der Ostsee, 96 km lang und 0,5–4 km breit, 143 qkm umfassend, erreicht eine Höhe von über 50 m und bewegt sich unausgesetzt gegen das Haff vor, sodaß dieses in 360–500 Jahren ausgefüllt sein wird, wenn nicht dem Flugsande ein Hindernis entgegengesetzt werden kann. ↔ Viele Dörfer sind schon versandet und zur Zeit ist Rossitten bedroht. Die K. N. hat 16 Ansiedelungen mit über 1500 E., die sich von Ackerbau und von Fischfang nähren. – Vgl. Bezzenberger, Die K. N. und ihre Bewohner (Stuttg. 1888).

Kurisches Haff, Strandsee in der preuß. Provinz Ostpreußen, durch die Kurische Nehrung (s. d.) von der Ostsee getrennt, mit der es nur einmal durch das schmale Memeler Tief in Verbindung steht. Es zieht 100 km weit nach N. von Labiau bis Memel, hat eine größte Breite von 45 km und eine Fläche von 1587 qkm. Die geringste Tiefe von 0,5–2 m zieht sich am Süd- und Ostrande hin und nimmt dann zwischen den Orten Perwelk und Kinten fast die ganze Breite des Haffs ein, bei Memel beträgt die Tiefe 7,5 m. Die Bedeutung für die Schifffahrt ist nicht groß. An Zuflüssen nimmt das Haff auf: Nemonien, Worgel, Gilge, Tawelle, Griebe, Loye, Waruß, Minge und Dange. – Vgl. Berendt, Geologie des K. H. und seiner Umgebung (Königsb. 1869).

Kürisser, s. Kürassiere.

Kuřivody (spr. kúrschiw-), czech. Name von Hühnerwasser (s. d.).

Kurland, lettisch Kursemme, russ. Kurljandskaja gubernija, Gouvernement im nordwestl. Teil des europ. Rußlands, zu den Baltischen Gouvernements oder den Ostseeprovinzen gehörig, grenzt im N. an Livland und den Rigaischen Meerbusen, im W. an die Ostsee, im S. an Ostpreußen und das Gouvernement Kowno, im SO. an Witebsk und hat 27286,3 qkm, davon 261,2 qkm Landseen, mit 693421 E., d. i. 25,4 auf 1 qkm. K. besitzt eine Flachküste, die sich fast geradlinig von Memel bis zum Kap Domesnäs hinzieht. Parallel derselben laufen Sandbänke, doch sind die Dünen geringer als am Kurischen Haff. Gute Häfen haben nur Libau, Polangen und Windau. Bedeutende Niederungen sind an der Ostküste und an der Aa die Mitauer Niederung. Das übrige Land ist vorwiegend hügelig. Das Kurische Oberland bildet die Wasserscheide zwischen der Düna und der Aa; zwischen der letztern und der Windau erstrecken sich die Blauen Berge. K. hat über 300 Landseen, wovon 200 allein auf den Kreis Friedrichstadt kommen. Das Klima ist gemäßigt, die Temperatur beträgt im Juli 22°, im Januar -13", im Jahresdurchschnitt 6,2°C. Die Bevölkerung besteht aus 75 Proz. Letten (der Bauernstand), 8,2 Proz. Deutschen (Adel, der höhere und zum Teil der niedere Bürgerstand), 8 Proz. Israeliten, 3,5 Proz. Russen; den Rest bilden Polen, Litauer u. a. 74 Proz. der Bewohner sind Protestanten. Die Hauptbeschäftigung ist Ackerbau, ferner Viehzucht, Fischerei und Handel. Es giebt 89 Brennereien, 126 Brauereien, 5 Tabak-, 10 Metall-, 6 Woll-, 21 Lederfabriken, überhaupt 356 Betriebe mit 13⅔ Mill. Rubel Produktion. Die Ausfuhr über die kurländ. Häfen betrug (1888) 52½ Mill., die Einfuhr 24½ Mill. Rubel. An Eisenbahnen sind vorhanden 238 km, an Unterrichtsanstalten 5 Mittelschulen für Knaben, 5 für Mädchen, 12 Special-, 636 niedere und Elementarschulen. K. zerfällt in 8 Kreise: Mitau, Windau, Goldingen, Grobin, Illukst, Talsen, Tukkum, Friedrichstadt. Die Hauptstadt ist Mitau.

K. war ursprünglich von den Kuren, auch den Semgallen und Selen bewohnt, die seit Mitte des 13. Jahrh. vom Deutschen Orden unterworfen und zu Christen gemacht wurden. (S. Deutsche Ritter.) Seitdem bildete K. einen Teil des Deutsch-Ordens-Gebietes bis zur Abtrennung vom Deutschen Reich