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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Küstenhandel - Küstenkrieg
Glycerin bestehende Flüssigkeit entweder in den hy-
draulischen Cylinder hineingepumpt oder aus dem-
selben abgelassen wird. Der Oberteil der Lafette
gleitet beim Rücklauf auf der ansteigenden Bahn
eines Rahmens und wird durch eine hydraulische
Bremse gehemmt. Der hydraulische Druck in dem
Hubcylinder kann entweder durch eine an der Lafette
angebrachte Handpumpe oder durch eine Accumula-
toreinrichtung hervorgebracht werden. Im letztern
Falle geschieht das Heben des Rohrs zehnmal so
schnell als bei der Handpumpe.
Vgl. Die Schiffs- und Küstengeschütze der deut-
schen Marine (Berl. 1876); H. Müller, Die Entwick-
lung der preuß. Küsten- und Schiffsartillerie von
1860 bis 1878 (ebd. 1879). Mttelte Handel.
Küstenhandel, der durch Küstenfahrt (s. d.) ver-
Küsteninseln, s. Inseln.
Küsteninspektionen, Marinebehörden, denen
die Aufsicht über die Küstenfahrwasser, deren Be-
leuchtung und Betonnung (s. d.) obliegt. Seit dem
Herbst 1893 ist die deutsche Nordseeküste und die
deutsche Ostseeküste in je vier K. eingeteilt; Vorstände
der K. sind Stabsoffiziere der Marine. Die K. sind
dem Reichs-Marineamt unterstellt. Sie stehen im Ver-
kehr mit den Lotsenkommandos der deutschen Küsten-
staaten; bei Veränderungen des Fahrwassers (durch
bewegliche Sande und Watten) ordnen die Küstenin-
spektorendie Neuvermessung derverdächtigen Stellen
an und sorgen für die Berichtigung der Seekarten
und Segelanweisungen. Im Kriegsfalle leiten sie
den Kundschafterdienst und Nachtdienst an der Küste.
Sitze der deutschen K. sind Emden, Wilhelmshaven,
Geestemünde, Husum, Flensburg, Kiel, Swine-
münde und Neufahrwasser.
Küstenklima oder Übergangsklima, der
klimatische Zustand, der vom ausgeprägten See-
klima (s. d.) zum ausgeprägten Kontinentalklima
(s. d.) hinüberführt; es ist dadurch bestimmt, daß
vom Meer zum Lande bei noch großer Luftfeuchtig-
keit und reichlicher Bewölkung die täglichen und jähr-
lichen Wärmeschwankungen zunehmen. Eine jähr-
liche Wärmefchwankung von 15 bis 20° d charakteri-
siert das K., unter dem z. B. ganz Westeuropa steht.
Küstenkrieg, der Kampf um befestigte Küsten-
punkte, Küstenplätze und Kriegshäfen. Der An-
griff auf Küstenplätze kann entweder ein See-
angriff (seitens der Flotte) sein, oder er kann im
Zusammenhang mit einem Angriff durch gelan-
dete Truppen stehen. Der Seeangriff ist entweder
Blockade oder Beschießung. Man blockiert nament-
lich Kriegshäfen, Flußmündungen, Seehandels-
plätze, um die Verbindung mit der See abzuschnei-
den, Zufuhren abzusperren, feindliche Kriegsschiffe
am Auslaufen zu verhindern, sowie den Handel zu
schädigen. Die Aufrechterhaltung einer Blockade
ist heutzutage namentlich wegen der Angriffe der
feindlichen Torpedo- und Unterwasserboote nur
schwer durchzuführen. Beschießungen von der See-
seite aus werden gegen die Küstenwerke gerich-
tet, um die Geschütze derselben zum Schweigen zu
bringen und dadurch Einfahrten in Buchten und
Flußmündungen, Durchfahrten durch Meerengen
zu erzwingen, oder man will durch Zerstörung der
Werke, Hafenanlagen, Arsenale die feindliche Flotte
ihrer Operationsbasis berauben und möglicherweise
die Übergabe des Platzes herbeiführen. Solche Be-
schießungen richten sich unter Umständen auch gegen
bewohnte Orte, namentlich wenn es gilt den Gegner
einzuschüchtern, Repressalien zu üben. Der Angriff
Artikel, die man unter K verm
durch gelandete Truppen oder mit einem Landheer
richtet sich gegen die Landfronten der Befestigung
und zugleich gegen die Kehle der Küstenwerke und
fällt mit dem gewöhnlichen Landangriff zufammen.
Die Flotte übernimmt die Einschließung und Be-
schießung von der Seeseite her. Sie schneidet dem
angegriffenen Platze die Verbindung nach der See-
seite ab, verhindert Zufuhren und Entsatz und sorgt
zugleich für die Verbindung des gelandeten Heers
mit feinen Hilfsquellen, für die Versorgung mit
Subsistenz - und Angriffsmitteln, unter Umständen
hat sie auch die Wiedereinschiffung zu decken. Über
die Verteidigung von Küstcnplätzen f. Küsten-
verteidigung.
Durch die Einführung der mit Hohlgefchofsen
ausgerüsteten Bombenkanonen um 1825 war das
hölzerne Kriegsfchiff in starken Nachteil gegenüber
den Küstenwerken getreten. Die bis dahin fast allein
üblich gewesenen Vollkugeln hatten nvch^n<mkwcht,
den Schiffen empfindliche Verletzungen beizubrin-
gen, ihre Verwendung in glühendem Zustande
konnte immer nur in beschränktem Maße stattfinden,
sie verloren dann zugleich an Schußweite und Treff-
wirkung und konnten auch leicht gelöscht werden.
Mit der Einführung der Bombenkanonen war den
Küstenbatterien ein höchst wirksames Zerstörungs-
mittel gegen die hölzernen Schiffe zu teil geworden;
rechnet man hierzu die Unsicherheit des Feuers von
der schwankenden Unterlage der Schiffe aus, die
großen Ziele, die die Küstenbatterien in jenen finden,
während sie felbst nur wenig ins Auge fallen, so ist
es begreiflich, daß die Überzeugung von der Rich-
tigkeit des Satzes "IIn canon xar terrs vaut un
V3.i886au Mr M6I-" allgemein herrschend wurde.
Besondere Bestätigung fand sie, als 1849 in der
Bucht von Eckernförde zwei große dän. Kriegsschiffe
vor wenigen deutfchen Küstengeschützen die Flagge
streichen mußten, wie nicht minder durch die ver-
geblichen Seeangriffe der Alliierten im Orientkriege
1853-55 gegen die wohl armierten Küstenwerke
der Russen in der Ostsee und im Schwarzen Meer.
Erst die Panzerung der Kriegsschiffe, die Annahme
der gezogenen Geschütze, namentlich der Hinterlader,
die bedeutende Kalibersteigerung der Schiffsge-
schütze, die ausgedehnte Anwendung der Dampf-
kraft haben seit 1860 das Verhältnis zu Gunsten
der Offensivkraft der Kriegsschiffe gegenüber den
Küstenbefestigungen umgestaltet. Dadurch ist ein
wesentlicher Umschwung in der Küstenverteidigung
herbeigeführt worden, der sich in der gleichfalls
bedeutenden Steigerung der Geschützkaliber, der
ausgedehnten Anwendung des Eisens als Schutz-
mittel, Vermeidung des reinen Mauerbaues und
umfassenden Verwendung von Torpedobooten und
Seeminensperren zeigt. In den deutfchen Reichs-
kriegshafengebieten fowie in England, Frankreich
und Rußland finden alljährlich, um Erfahrungen
im K. zu sammeln, Flottenmanöver statt, denen als
Hauptidee gewöhnlich Angriff und Verteidigung
einzelner Küstenstrecken zu Grunde liegt.
Nach den Ansichten der sog. Jungen Schule der
Seestrategen in Frankreich, den Anhängern des Ad-
mirals Aube, ist der K. am wirksamsten durch kleine
schnelle Torpedokanonenboote von etwa 360 t Größe
und 25 Seemeilen Geschwindigkeit auszuführen.
Zehn solcher Fahrzeuge, die ebensoviel wie ein Pan-
zerschlachtschiff kosten, sind bei Tage und bei Nacht
für den K. geeignet, während die großen Panzer bei
Nacht eines sorgfältigen Schutzes vor den Torpedo-
ißt, sind unter C aufzusuchen.
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