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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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La Plata (Stadt) - Lappen (Volksstamm)
Parana (s. d.) und der Uruguay (s. d.) sich in den Atlantischen Ocean ergießt. Dies Ästuarium, die breiteste Flußmündung der Erde, ist nach Vereinigung des Parana und Uruguay bis nach Buenos-Aires 40 km breit, erweitert sich in östl. Richtung und erreicht zwischen Montevideo und Punta de las Piedras 105, an der äußersten Öffnung zwischen Maldonado und Cabo San Antonio 220 km Breite bei einer Länge von 320 km. (S. Nebenkarte zum Plan: Buenos-Aires.) Sein schlammiges gelbliches Wasser giebt sich noch auf 125 km in offener See zu erkennen. Wegen der geringen Tiefe und der vielen Sandbänke ist das Einlaufen gefährlich. Zur Sicherheit dienen Leuchttürme und Leuchtschiffe. Das Bassin bietet nur einen Hafen, Montevideo, der aber gegen Südost keinen Schutz gewährt, außerdem nur offene Reeden, wie Buenos-Aires. Von den Mündungsarmen ist nur der Parana-Guazu für große Schiffe brauchbar. Dieser wird von der kleinen argentin. Insel Martin-Garcia beherrscht. Das Stromsystem umfaßt alle Gewässer, welche auf dem südl. Abhange des brasil. Hochlandes, der Wasserscheide gegen die südl. Zuflüsse des Amazonas, des Tocantins und San Francisco im N., auf den Andes im W. und der Wasserscheide der dem Staate Buenos-Aires angehörigen Zuflüsse des Astuariums im S. entspringen. Die Gesamtlänge des Systems wird zu 3700 Km, die Länge der dem oceanischen Verkehr durch Schiffahrt zugänglichen Wasserläufe zu 300000 km, das Flußgebiet zu 3000000 qkm angegeben.
In polit. Beziehung gehören zu dem Stromgebiet des L. P. die südöstl. Teile von Bolivia, die südl. und südöstl. Staaten von Brasilien, fast ganz Argentinien, Uruguay und Paraguay. (Hierzu Karte: La Plata-Staaten, Chile und Patagonien.) Das Flußsystem ward 1853 vom Engländer Day, 1853-56 vom Amerikaner Page untersucht.
La Plata, Hauptstadt der argentin. Provinz Buenos-Aires, etwa 50 km im SO. von Buenos-Aires gelegen und durch Bahn mit ihm und mit dem Hafenort Ensenada verbunden, ist regelmäßig angelegt, hat (1890) mit Ensenada und dem Vorort Tolosa schon 65557 E., darunter viele Italiener, einige prächtige Bauwerke, aber auch viele Holzhäuser, mehrere Regierungsgebäude und Kirchen, Gerichtshof, ein schönes Museum mit Bibliothek, 3 Banken, 2 Theater, 30 Schulen, Wasserleitung und zum Teil elektrische Beleuchtung. Der Hafen, ein großes Bassin, steht durch einen Kanal mit dem L. P. in Verbindung. L.P. wurde erst 1882 begründet.
Lapo, Arnolfo di, ital. Baumeister, s. Arnolfo di Cambio.
Laposgebirge, s. Karpaten (S. 186 b).
Lappa Juss., Klette, Pflanzengattung aus der Familie der Kompositen (s. d.) mit nur wenigen Arten im gemäßigten Europa und Asien. Es sind aufrechte, reich verzweigte, krautartige Pflanzen mit breiten ungeteilten, meist eiförmigen Blättern. Die Blüten sind zu kugeligen Köpfchen vereinigt, sämtlich zwitterig und röhrenförmig. Die Hüllblätter der Köpfchen laufen in einen langen starren, an der Spitze hakigen Stachel aus, mittels dessen sie sich leicht an andere Gegenstände anhaken, wodurch eine leichte Verbreitung der Samen ermöglicht ist. Die bekanntesten Arten, TTTTT und TTTTT, wachsen in ganz Europa wild und finden sich am häufigsten an Wegrändern, auf wüsten Plätzen, an Zäunen u. s. w.
Die Wurzeln aller drei Arten waren als Radix Bardanae offizinell und gelten noch jetzt als blutreinigend. Im Volke gilt ein Extrakt der Klettenwurzel vielfach als Haarwuchs beförderndes Mittel. Das Klettenwurzelöl ist dagegen ein gewöhnliches Haaröl nach beliebiger Vorschrift, zu welchem keine Klettenwurzel verwendet wird. In einigen Gegenden werden die Wurzeln und jungen Sprossen als Gemüse gegessen. Von der in Japan einheimischen L. edulis Siebold werden die Wurzeln im südöstl. Asien als Gemüse, japanische Scorzonera, gegessen. Man hat vergeblich versucht, diese Pflanze auch in Europa einzuführen.
Lappa, Kung-pak, Hafen in der chines. Provinz Kwang-tung, gegenüber Macao, am Kantonstrom (s. Karte: Kanton und Kantonstrom), ist seit 1887 dem fremden Handel geöffnet. 1892 kamen 9822 Schiffe einheimischer Bauart an. Der Wert der Einfuhr (besonders Baumwollwaren, ind. Garne, Opium) betrug 5,6, die Ausfuhr (Seide, Öle, Matten, Reis, Thee) 3,8 Mill. Taels.
Lappalie (vom deutschen Lappen mit lat. Endung), unbedeutende, wertlose Kleinigkeit.
Lappen oder, wie sie sich selbst nennen, Same, Sabme, Samelats (ein Name, der mit dem Namen der Finnen Suomalainen, Suomalaiset zusammenhängt), ein sprachlich zur finnisch-ugrischen Völkerfamilie gehörender Stamm, welcher die nördl. Teile von Ruhland, Finland, Schweden und Norwegen (das sog. Lappland) bewohnt. Körperlich sind die L. von den Ugro-Finnen geschieden und bilden einen eigenen Rassentypus. Sie sind kleine Leute von 1,3 bis 1,6 m Höhe, von schmutziggelber Hautfarbe, mit straffem schwarzem Haar, rundem Schädel, ein wenig schiefstehenden Augen, kleiner platter Nase und kleinem spitzem Kinn. Das Knochengerüst ist fein und zart. Ihrer Beschäftigung nach zerfallen die L. in Berglappen (Fjell-Lappar), Waldlappen (Skogs-Lappar) und Fischerlappen (Fiskare-Lappar), je nachdem sie als Renntiernomaden herumziehen, von der Jagd oder vom Fischfang leben. Während die Wald- und Fischerlappen in Kleidung und Wohnung sich vielfach den schwed. und russ. Bauern nähern, haben die nomadisierenden Berglappen hierin noch manches Eigentümliche. Sie verfertigen sich in der Regel die Kleidungsstücke und Gerätschaften selbst; sie gerben die Haut des Renntiers und nähen sie mit den dehnen desselben zusammen, sie schnitzen aus Holz die Schneeschuhe und verschiedene Bestandteile des Schlittens, welchen sie durch Verbindung mit Riemen aus jenen herstellen. Die Tracht ist bei beiden Geschlechtern ziemlich gleich; sie besteht in einer spitzigen Mütze, Hosen und Stieseln und einem langen Pelzrocke. Die L. wohnen unter runden, nach oben spitz zulaufenden Zelten, mit einer Öffnung auf der Spitze zum Abziehen des Rauches. Im Sommer wird das aus Stangen bestehende Gerüst einfach mit Renntierhäuten bedeckt, während man im Winter von unten her Reisig und Rasen darauflegt. Die Nahrung des nomadisierenden L. ist vorzüglich dem Renntier entnommen, das seinen Reichtum und vielfach die einzige Grundlage seiner Existenz bildet. Die Anzahl der L. mag etwa 25000 betragen, nämlich 14645 in Norwegen, 6800 in Schweden, 2400 in Rußland und 961 in Finland. Ehemals waren die L. Fetischanbeter, jetzt bekennen sie sich zur christl. Kirche; doch haben sie ihre alten religiösen Ansichten den ihnen aufgedrungenen christl. Glaubenslehren