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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Lasker - Laspeyres (Etienne)
dakos in Kleinasien (daher Rhyndakenos), stu-
dierte in Padua, lebte am Hofe des Lorenzo von
Medici und ward von diesem später nach der Levante
geschickt, um alte griech. Handschriften aufzukaufen,
deren er auch eine große Menge, namentlich vom
Berge Athos, mitbrachte. Dann lehrte er die griech.
Sprache in Paris und wurde von Ludwig XII.
zweimal als Gesandter nach Venedig geschickt. Nach-
dem ihn Leo X. 1513 nach Rom gezogen und an
die Spitze eines Lehrinstituts für junge Griechen
und einer griech. Druckerei gestellt hatte, ging er
1518 wieder nach Paris an den Hof Franz' I., wo
er die königl. Bibliothek gründen half, wurde dann
von Paul III. nochmals nach Rom eingeladen und
starb bald nach der Ankunft 1535. - Vgl. Villc-
main, I^carig ou, 163 Arecg äu 15^ äiöcle (Par.
1825); Vast, Os vita 6t opei-idus 5.1.. (ebd. 1878);
Müller, Neue Mitteilungen über I. L. (im "Central-
blatt für Bibliothekswesen", Jahrg. 1, Lpz. 1884).
Lasker, Eduard, liberaler Parlamentarier, geb.
14. Okt. 1829 zu Iarotschin in Posen, von israel.
Abkunft, studierte 1847-51 in Breslau und Ber-
lin Mathematik und Jura und wurde 1851 Aus-
kultator beim Stadtgericht in Berlin, ging dann
nach England und studierte während eines drei-
jährigen Aufenthalts daselbst die öffentlichen und
, gesellschaftlichen Verhältnisse. Im Mai 1856 trat
er wieder in den preuß. Staatsdienst und wurde
1858 Assessor beim Berliner Stadtgericht. In den
I. 1861-64 erregte L. die Aufmerksamkeit der
liberalen Partei durch Arbeiten über preuß. Ver-
fafsungsgeschichte in Oppenheims "Deutschen Jahr-
büchern" und wurde vom vierten Berliner Wahlbe-
zirk im März 1865 und im Juli 1866 in das Ab-
geordnetenhaus gewählt, wo er 1868-73 Magde-
burg und 1875-79 Frankfurt a. M. vertrat. Als
er bei den nächsten Neuwahlen der demokratischen
Partei unterlag, zog er sich gänzlich von den Ar-
beiten des Landtags zurück. Im konstituierenden
Reichstage des Norddeutschen Bundes vertrat L.
den ersten Berliner Wahlkreis, später im Nord-
deutschen und im Deutschen Reichstage ununter-
brochen bis zu seinem Tode den zweiten Meininger
Wahlkreis. Bis 1866 gehörte L. der Fortschritts-
partei an, dann wurde er Mitbegründer der natio-
nalliberalen Partei, zu deren einflußreichsten Füh-
rern er zählte. 1870 wurde er Rechtsanwalt in
Berlin, bekleidete aber ausschließlich die Stellung
als Syndikus des Pfandbriefamtes in Berlin.
Die Ausbildung des Vudgetrechts, des Genossen-
schaftswefens, die Gewerbeordnung, das Haftpflicht-
gesetz, die Neuordnung der Klassensteuer, die Kreis-
ordnung in Preußen sind unter L.Z hervorragen-
der Mitwirkung zu stände gekommen. Er gab die
entscheidende Anregung zur Ausdehnung der Kom-
petenz des Reichs auf die Civilgesetzgebung, wie er
denn auch an den Arbeiten der Iustizkommission
1875-76 einen bedeutenden Anteil nahm. Von
gewaltiger Wirkung waren seine im Abgeordneten-
hause (14. Jan. und 7. Aebr. 1873) gegen die Eisen-
bahnpolitik des preuß. Handelsministers vonItzen-
plitz gehaltenen Reden, die die Einsetzung einer
königl. Untersuchungskommission zur Folge hatten
und wesentlich zu dem Zusammenbruch des Grün-
dungsschwindels beitrugen.
Als Bismarck 1879 seine neue Zoll- und Wirt-
schaftspolitik begann, weigerte sich L., dem Reichs-
kanzler auf die neue Bahn zu folgen. Letzterer trat
nun gegen die nationalliberale Partei in offenen
Kampf, dessen Spitze sich vornehmlich gegen L.
richtete. Hierzu kam, daß L. auch mit der Mehrheit
der secessionistischen Gruppe, der er sich bei der
Spaltung der nationalliberalen Partei im März
1880 angeschlossen hatte, vielfach in Widerspruch
geriet. Verstimmt und geistig wie körperlich er-
schöpft zog L. sich im Sommer 1883 aus dem par-
lamentarischen Leben zurück, um auf einer Reise
nach Nordamerika Erbolung zu suchen. Kurz vor
Antritt seiner Rückreise nach Europa verstarb er
5. Jan. 1884 in Neuyork am Herzschlage. Seins
Leiche wurde nach Deutschland gebracht und in Ber-
lin beigesetzt. Eine Beileidsresolution des amerik.
Repräsentantenhauses, die dem Fürsten Vismarck
behufs Übermittelung an den Reichstag übersandt
worden war, wurde von ersterm wegen der darin
enthaltenen Kritik der deutschen Regierungspolitik
zurückgewiesen und gab im Zusammenhange mit
der von den Freunden L.s veranstalteten Gedächt-
nisfeier zu lebhaften Debatten im Reichstage
(13. März 1884) Anlaß.
Außer zahlreichen polit. Abhandlungen veröffent-
lichte L. eine Sammlung früher erfchienener Auf-
sätze u. d. T. "Zur Verfassungsgeschichte Preußens"
(Lpz. 1874). Seine anonym erschienene Schrift
"Erlebnisse einer Mannesseele" (hg. von V. Auer-
bach, Stuttg. 1873) wurde von ihm nach kurzer Zeit
aus dem Buchhandel wieder zurückgezogen. Später
erschien "Wege und Ziele der Kulturentwicklung.
Essays" (Lpz. 1881). - Vgl. Vamberger, Eduard
L. (Lpz. 1884); Ed. L., seine Biographie und letzte
öffentliche Rede (Stuttg. 1884).
Lafki oder aLasco, Johann, einer der Haupt-
beförderer der Reformation in Polen, geb. 1499,
widmete sich dem geistlichen Stande und erhielt das
Bistum Ve^zprim in Ungarn. Nachdem er Deutsch-
land, Italien und Frankreich bereist hatte, wurde er
Propst in Gnesen und Bischof von Kujawien, doch
bald verließ er Polen wieder und schloß sich dem
schweiz. Glaubensbekenntnis an. 1543 berief ihn
die Gräsin Anna von Ostfriesland nach Emden, wo
er Gründer der reform. Kirche wurde. Später
folgte er einem Rufe Eranmers nach England und
wurde Vorsteher einer prot. Gemeinde in London.
Marias Thronbesteigung vertrieb ihn 1553 auch
von hier. Er kehrte 1556 nach Polen zurück, wo
sich inzwischen die Reformation verbreitet hatte, und
ward Vorsteher der reform. Kirchen in Kleinpolen.
Er starb 1560. - Vgl. Dalton, Johannes a Lasco.
Beitrag zurReformationsgeschichtePolens, Deutsch-
lands und Englands (Gotha 1881).
Las Malvinas, s. Falklandinseln.
Läfö, dän. Insel im Kattegat, gehört zum Hjör-
ring-Amt, ist von gefährlichen Untiefen umgeben,
flach und sandig, fast ohne Wald, hat 105 ykm,
(1390) 2724 E., Seefahrt und Fischerei. Hauptort
ist Byrum.
Las Palmas, befestigte Hauptstadt der Insel
Gran-Canaria, an der Nordostküste, hat 20756 E.,
eine schöne got. Kathedrale, bischöfl. Palast, See-
bäder; Schiffbau, Fischerei und Ausfuhr von land-
wirtschaftlichen Erzeugnissen.
Laspehres, Etienne, Statistiker, geb. 28. Nov.
1834 zu Halle, studierte in Tübingen, Berlin, Göt-
tingen, Halle und Heidelberg, habilitierte sich 1860
für Nationalökonomie in Heidelberg, wurde 1864
ord. Professor in Basel, 1866 in Riga, 1869 in
Dorpat, 1873 in Karlsruhe, 1874 in Gießen. Außer
zahlreichen Abhandlungen in Zeitschriften veröffent-