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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Leber

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L.

Leber (Hepar. Jecur), die größte Drüse des menschlichen und tierischen Körpers, die deshalb von höchster Wichtigkeit ist, weil sie in naher Beziehung zur Blutbildung und der damit zusammenhängenden Bereitung der Galle steht. Die L. eines gesunden erwachsenen Menschen wiegt 1,5 kg und darüber. Dieselbe liegt in ihrer Hauptmasse im rechten obern Winkel der Bauchhöhle, unmittelbar unter dem Zwerchfell, zur Seite der rechten Bauch- und Rückenwand, und bedeckt die rechte Niere, einen Teil des Zwölffingerdarms und des Magens sowie die rechte Krümmung des Dickdarms. Sie ist durch Bänder am Zwerchfell an der Rücken- und Bauchwand befestigt und überragt im normalen Zustand den vordern Rippenrand nicht. Ihr hinterer rechter Abschnitt ist sehr dick und abgerundet, nach vorn und links schärft sie sich allmählich zu, so daß sie im ganzen ungefähr eine keilförmige Gestalt darbietet. Ihre Oberseite ist gewölbt (konvex), die Unterseite leicht ausgehöhlt (konkav). Der vordere Rand der L. hat nach der Mittellinie des Körpers zu einen tiefen Einschnitt (incisura hepatis), welcher sie in den größern rechten und kleinern linken Leberlappen (lobulus dexter und sinister, s. Tafel: Die Baucheingeweide des Menschen I, 6 u. 7 und II, 1 u. 4 sowie Tafel: Die Brusteingeweide des Menschen II, 20) teilt. Von diesem Einschnitt verläuft auf der Unterseite eine seichte Furche nach hinten, und dieser ziemlich parallel weiter nach rechts eine zweite Furche, welche durch eine querlaufende Vertiefung verbunden sind. Es werden so von der L. zwei weitere kleine Lappen abgegrenzt, ein vorderer viereckiger (lobulus quadratus, s. Tafel: Die Baucheingeweide des Menschen II, 2) und ein hinterer (lobulus Spigelii, s. Taf. II, 3). Mit dem Zwerchfell ist die L. durch ein Aufhängehand (ligamentum suspensorium hepatis, s. Taf. I, 23) verbunden. In der linken Längsfurche verläuft beim Fötus die Nabelvene, die in der Gegend der Querfurche in die L. eintritt und nur einen kleinen Zweig (ductus venosus) durch die hintere Hälfte dieser Grube direkt in die hinter der L. liegende untere Hohlvene sendet, wogegen beim geborenen Menschen ein solider rundlicher Bindegewebsstrang, das sog. runde Leberband (ligamentum teres hepatis), die Stelle der oblitterierten Nabelvene vertritt. Der vordere Teil der rechten Furche nimmt die Gallenblase auf, die hintere umfaßt innig die Vorderwand der untern Hohlvene. In der Querfurche münden alle blutzuführenden Gefäße und zahlreiche sympathische Nervenäste, und aus ihr treten die Lymphgefäße der L. und die Gallengänge aus; diese Stelle wird deshalb auch Leberpforte (porta hepatis) benannt.

An Blutgefäßen erhält die L. die nahezu fingerdicke Pfortader und die kaum gänsekieldicke ↔ Leberarterie. Die Pfortader (vena portae) sammelt alles Blut, welches von den Gedärmen, vom Magen, von der Bauchspeicheldrüse und der Milz kommt, tritt in der Leberpforte in die L. ein und löst sich hier nach allen Richtungen hin in feine, untereinander verbundene Zweige auf, welche wieder zu größern Stämmchen zusammentreten und als Lebervenen (venae hepaticae) in die untere Hohlvene münden. Das Blut der Pfortader ist sehr dunkel und liefert das Material zur Galle und zu den neuen Blutbestandteilen. Die Leberarterie (arteria hepatica) verzweigt sich ähnlich der Pfortader in der L., führt aber hellrotes Blut und vermittelt die selbständige Ernährung des Lebergewebes.

Die L. selbst liegt großenteils in einer Falte des Bauchfells (s. d.), welches die L. mit einem glatten serösen Überzug überzieht. Ihr Gewebe selbst ist schon im frischen Zustande ziemlich derb, wird es aber nach dem Tode durch Gerinnung eines eiweißähnlichen Bestandteils noch mehr. Ihre Farbe ist hell rotbraun (leberbraun), doch nicht gleichmäßig. Auf einem Schnitt der L. erblickt man um die weit klaffenden Stämmchen der Lebervene einen Ring Lebersubstanz, welcher von einem Kranz feiner Pfortaderzweige umsäumt ist. Diese Ringe sind die Querschnitte kugeliger Anhäufungen von mikroskopisch kleinen kubischen Zellen und heißen Leberinseln oder Leberläppchen (insulae oder acini, auch lobuli hepatis), die Gefäße in ihrem Umkreise interacinöse, die im Mittelpunkt gelegenen intraacinöse Venen. Die Peripherie dieser Inseln hat meist eine andere, hellere oder dunklere Färbung als die Mitte, wodurch die ganze L. ein geflecktes Ansehen bekommt. Die Leberzellen, welche die eigentlichen, die Galle absondernden Elemente der L. sind und sich als kleinste rundliche feinkörnige Bläschen von 0,02 mm Durchmesser darstellen, sind von der Mitte nach dem Rande der Leberläppchen in Reihen angeordnet, die vielfach miteinander in Verbindung stehen (Leberzellenbälkchen), und zwischen ihnen verlaufen, die Bälkchen innig umspinnend, die Haargefäße, in die sich die peripherischen Pfortaderzweige auflösen und die sich zu der centralen Lebervene sammeln. Außerdem ist jede einzelne Leberzelle noch mit äußerst feinen Haargefäßchen umgeben, den Anfängen der Gallengänge, welche sich im Umkreise der Inseln sammeln, nach und nach zu stärkern Stämmchen zusammentreten und neben den gröbern Zweigen der Pfortader rückwärts zur Leberpforte verlaufen. Die Bälkchen sind endlich noch von Lymphräumen umgeben, die zu Stämmchen zusammentreten, welche denselben Weg aus der L. nehmen wie die Gallengänge. Das Lebergewebe zeigt sich also von einem fünffachen Kanalsystem durchzogen, von drei Blutgefäßsystemen, von dem Lymphsystem

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 2.