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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Le Cap Haïti; Le Câteau; Le Château d; Lecanorsäure; Lecce; Lecco; Lech; LeChablais; Lechäon; Lechen; Lechevalier

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Lecanorsäure - Lechevalier

an Baumstämmen, teils an Felsen und auf der nackten Erde wachsen. Die gemeinste ist die an der Rinde der verschiedensten Bäume ziemlich häufige L. subfusca Ach. mit bräunlichen Apothecien. Fast gerade so häufig ist die aus altem Holze wachsende L. varia Ach. (s. Tafel: Flechten II, Fig. 6). Eine erdbewohnende Art, L. tartarea Ach. (Ochrolechia tartarea Kbr.), mit dicker grauweißer Kruste und blaß rötlichgelben Apothecien, enthält denselben blauen Farbstoff, der sich in der Lackmusflechte oder echten Orseilleflechte (s. Roccella) findet, und dient zur Darstellung des Lackmusblaus. Diese Flechte, häufig ebenfalls Lackmusflechte genannt, wächst in Westeuropa, namentlich an den felsigen Küsten von Schottland, Norwegen und Schweden, und kommt als schwedisches Moos, Persio und Cudbear in den Handel. L. pallescens Rabenh. (Ochrolechia pallescens Kbr.), die Parelleflechte, die in ganz Europa, besonders in Gebirgsgegenden, nicht selten ist, wird in Frankreich zur Herstellung eines roten Farbstoffs, der Erdorseille, Parelle oder Orseille von Auvergne verwendet.

Lecanorsäure, Orsellsäure, Diorsellinsäure, C16H14O7 + H2O, eine in Roccella tinctoria DC. und in Lecanora-Arten vorkommende Säure, die durch Ätherextraktion aus den Flechten dargestellt wird. In reinem Zustande bildet sie sternförmig gruppierte farblose, geschmacklose Nadeln, die in Wasser fast unlöslich, in Alkohol und Äther leichter löslich sind. Die alkoholische Lösung giebt mit Eiscnchlorid purpurrote, mit Chlorkalk blutrote Färbung. Sie schmilzt bei 153° und zersetzt sich langsam unter Entwicklung von Kohlensäure. Beim Kochen mit Baryt- oder Kalkwasser nimmt sie die Elemente eines Moleküls Wasser auf und geht in Orsellinsäure über, die ihrerseits bei längerm Kochen sich in Orcin und Kohlensäure verwandelt.

Le Cap Haïti, Eap Haïti, Eap Haïtien, Cap Français oder kurz Le Cap genannt, Hauptstadt des Norddepartements an der Nordküste der Republik Haïti, 15)5 km nördlich von Port-au-Prince, ein lebhafter Handelsplatz mit gutem Hafen, ist Sitz des Erzbischofs, hat (1887) 29 000 E., wurde 1842 durch Erdbeben zerstört, seitdem durch die Bürgerkriege hart mitgenommen. 1892 wurden ausgeführt: 71 778 Säcke Kaffee im Werte von 1,01 Mill. Gourdes (Pesos), 420 000 Pfund Kakao und Blauholz.

Le Câteau, franz. Stadt, s. Câteau-Cambrésis.

Lecce (spr. lettsche). 1) Provinz im Königreich Italien, früber Terra d'Otranto genannt, in der Landschaft Apulien, bildet den südöstlichsten Teil des Landes, grenzt im N. an die Provinz Bari, im NO. und O. an das Adriatische und im S. an das Ionische Meer (Golf von Tarent), hat 8530 (nach Strelbitskij 7891) qkm mit (1881) 553 298, nach Berechnung (31. Dez. 1894) 640 354 E., d. i. 75 E. auf 1 qkm, und zerfällt in die 4 Kreise Brindisi, Gallipoli, L. und Tarent mit zusammen 130 Gemeinden. Das Land ist teils flach, teils hügelig, aber sehr fruchtbar; das Klima ist an der Küste ungesund. Gebaut werden Getreide, Oliven, Tabak, ausgezeichneter Wein, Kastanien, Krapp, Baumwolle, Flachs und Seide. - 2) Hauptstadt der Provinz, 11 km vom Adriatischen Meer, an der Linie Foggia-Otranto des Adriatischen Netzes, am Abhange der Serre-Hügel, in einer reizenden Gegend gelegen, Sitz der Präfektur, eines Bischofs und Tribunals erster Instanz, ist mit Mauern umgeben und von Vorstädten umschlossen und hat (1881) 22 206, als Gemeinde 25 934, (1893) 30 100 E., in Garnison das 84. Infanterieregiment, eine Kathedrale San Oronzo (17. Jahrh.), eine Kirche Sta. Croce mit Barockfaçade (10. Jahrh.), eine Kirche San Nicola, 1180 vom Normannengrafen Tancred erbaut, ein Präfekturgebäude, ehemals Cölestinerkloster, mit einer Sammlung von Vasen, Terrakotten, Münzen und Inschriften, einen bischöfl. Palast, ein Gymnasiallyceum, Seminar, Hospital, Waisenhaus, Nationalkonvikt und eine öffentliche Bibliothek. Die Industrie erstreckt sich auf Fabrikation von Baumwoll- und Wollwaren, Kattun, Spitzen, künstlichen Blumen und Hüten; ferner bestehen Baumwoll-, Tabak- und Weinbau; Handel mit Produkten, namentlich Öl, das als feines Tafelöl unter dem Namen Leccer Öl bekannt ist. Die berühmte große Tabakfaktorei befindet sich in dem ehemaligen Dominikanerkloster.

Lecco, Hauptort des Kreises L. (120 428 E.) in der ital. Provinz Como, am See von L., dem südwestl. Teil des Comer Sees (s. d.), beim Ausfluß der Adda, an den Linien Bergamo-L., Monza-L. (38 km), L.-Como (42 km) und L.-Colico, hat (1881) 6159, als Gemeinde 8042 E., technische Schule, Theater, Denkmäler Manzonis und Garibaldis; Seiden-, Baumwollfabriken, Öl- und Seidenbau.

Lech, soviel wie Stein, Matte, hüttenmännischer Ausdruck für Schwefelmetalle, die bei der Verschmelzung geschwefelter Erze entstehen, z. B. Kupferlech für Kupferstein, Bleilech für Bleistein u. s. w.

Lech, Lechen, russ. Ljach, Mehrzahl Ljachi, eine in der altruss. (sog. Nestorschen) Chronik gewöhnliche Bezeichnung der poln. Stämme. Diese selbst haben in histor. Zeit den Namen nicht geführt. Die altböhm. (Dalimilsche) Chronik nennt den Stammvater der Czechen (Czech) L.; das Wort soll hier einen Mann vornehmen Geschlechts bedeuten.

Lech (Licus), rechter Zufluß der Donau, entspringt an der Roten Wand in Vorarlberg aus dem Formarinsee, tritt oberhalb Füssen in Bayern ein, fließt an Schongau, Landsberg, Augsburg vorüber, die Grenze zwischen Oberbayern und Schwaben und eine scharfe Scheide zwischen altbayr. und schwäb. Tracht, Sitte und Sprache bildend. Er mündet etwa 5 km nördlich vom Städtchen Rain gegenüber der Burgruine Lechsend. Sein Flußgebiet umfaßt 6600 qkm, sein Lauf 285 km. Von seinen Zuflüssen, zu welchen die Abwässer des Weißensees, Hopfensees, Plansees, Alpsees und Bannwaldsees sowie die Vils gehören, ist der bedeutendste die Wertach. (S. auch Lechfeld.) Ein echtes Bergwasser, zieht der L. durch romantische Schluchten und öde Kalkalpenthäler, bahnt sich zwischen Reutte und Füssen in schäumendem Sturze den Weg durch Felsenschluchten (St. Mangtritt) und wahrt auch in der Ebene den Charakter eines Alpenflusses, der bei einem mittlern Gefälle von 1:400 und einer Breite von 3 bis zu 650 m gewaltige Kiesbänke absetzt und bei den häufigen Überschwemmungen undurchlässigen Boden hinterläßt, auf dem sich ergiebige Torfkrume bildet. Schiffahrt ist unmöglich, Floßfahrt beschwerlich.

LeChablais, Landschaft in Savoyen, s. Chablais.

Lechäon, im Altertum der Westhafen Korinths am Korinthischen Meerbusen.

Le Château d'Oleron (spr. schatoh), Stadt auf der Insel Oleron (s. d.).

Lechen, s. Lech.

Lechevalier (spr. -schwallieh), Jean Baptiste, franz. Archäolog, geb. 1. Juli 1752 zu Trelly im