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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Leuchtzirpen; Leucin; Leucinsäure; Leucippus; Leucisciden; Leuciscus; Leucit

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Leuchtzirpen - Leucit

scheidet jetzt folgende Systeme: 1) Feste Feuer, ununterbrochen mit stets gleicher Lichtstärke brennend, gewöhnlich eins, stellenweise auch zwei in gehöriger Entfernung vertikal oder horizontal voneinander stehend (wobei in letzterm Falle allerdings zwei nebeneinander stehende L. nötig sind). 2) Festes Feuer mit Blinken, wie unter 1, doch in regelmäßigen Zwischenräumen, etwa alle ein oder zwei Minuten, einen hellen Lichtblitz (Blink) zeigend, vor und nach dem eine kurze Verdunkelung stattfindet. 3) Drehfeuer, in gleichen Zwischenräumen allmählich sich bis zur größten Lichtstärke steigernd und ebenso allmählich wieder bis zum Dunkelwerden abnehmend. 4) Blink- (Blick-) oder Blitzfeuer mit ein bis fünf kurzen Lichtblinken in der Minute, während es sonst dunkel ist. 5) Funkelfeuer, ebenso, jedoch mit häufigern Blinken. 6) Unterbrochenes Feuer, brennt eine Zeit lang als festes und ist in Zwischenpausen verdunkelt. 7) Wechselfeuer, ein abwechselnd weiß und rot erscheinendes festes Feuer. Natürlich ist die Art der Feuer und die genaue Zeitdauer der Lichteindrücke und Verdunkelungen auf den Seekarten und in besondern Leuchtfeuerverzeichnissen angegeben. Hervorgerufen werden diese Erscheinungen durch verschiedenartige Schirme oder auch Bewegung der Lampen selbst mit Uhrwerken. Als Lichtquelle benutzt man Petroleum, Gas oder elektrisches Licht. Auf ältern L. brennt ein ganzer Lampenkranz, dessen parabolische Reflektoren die Strahlen horizontal auswerfen. Neuerdings begnügt man sich mit einem starken Argandbrenner, dessen Licht in einem katadioptrischen Apparat (Fresnelsches Linsensystem) aufgefangen und in parallelen horizontalen Strahlen rings um den Horizont herum ausgeworfen wird. Außen bewegen sich, wo es nötig ist, die Verdunkelungsschirme. Hafenfeuer, Molenfeuer, Leitfeuer sind L. oder nur Lampen auf Holz- oder Eisengerüsten, die genügendes Licht geben, um als Seezeichen in engem Fahrwasser und Hafeneinfahrten zu dienen. Das mächtigste Leuchtfeuer der Erde brennt jetzt auf dem L. des Kaps von la Hève bei Havre: es ist ein elektrisches Leuchtfeuer von 50 Seemeilen Sichtweite. Ein noch stärkeres Feuer wird auf der Spitze Penmarch, südwärts von Brest, gebaut, das, ebenfalls elektrische Blitze werfend, 62 Seemeilen (= 115 km) weit leuchten soll. Die L. sind meist dem Lotsenwesen unterstellt. Mit vielen L. sind Semaphorstationen (s. Semaphor) und Nebelsignalstationen verbunden.- Die Tafel: Leuchttürme giebt in Fig. 1 die Ansicht des L. von Eddystone, in Fig. 2 die des L. von Swinemünde; Fig. 3 stellt den obern Teil eines L. mit Blinkfeuer, Fig. 4 mit festem Feuer, Fig. 5 einen L. mit katadioptrischem Apparat dar. (S. auch Seekarte der Nordsee, beim Artikel Nordsee.) - Vgl. Verzeichnis der Leuchtfeuer und Nebelsignalstationen aller Meere, hg. von dem Hydrographischen Amt des Reichsmarineamtes.

Leuchtzirpen (Fulgoridae), eine Familie der Zirpen, zu der in den Tropen große, bunt gefärbte und namentlich durch hohle Stirnfortsätze ausgezeichnete Arten gehören, während sich in Süd-, selten in Mitteldeutschland nur eine kleine, unscheinbare Art findet. Zu ihnen gehören besonders die Laternenträger (s. d.). Das als sog. Chinawachs in den Handel kommende Wachs ist eine Absonderung der hierher gehörigen Art der Flata limbata F.

Leucin, zu den Amidosäuren (s. d.) gehöriger Körper. L. ist α-Amidocapronsäure, CH3.(CH2)3.CH(NH2).COOH, und findet sich in verschiedenen tierischen Säften, z. B. in der Bauchspeicheldrüse, in altem Käse, auch in keimendem Wicken- und Kürbissamen. Es entsteht aus den Eiweißkörpern bei der Verdauung im Dünndarm (neben Tyrosin), bei der Fäulnis und beim Kochen mit verdünnten Alkalien und Säuren. Es krystallisiert in weißen, fettartig sich anfühlenden Schüppchen, ist schwer in Wasser, noch schwerer in Alkohol, gar nicht in Äther löslich. Es schmilzt bei 170° und kann bei vorsichtigem Erhitzen unverändert sublimiert werden. L. verbindet sich sowohl mit Säuren wie mit Basen. Durch salpetrige Säure wird es in die krystallisierende, bei 73° schmelzende Leucinsäure oder α-Oxycapronsäure, CH3.(CH2)3.CH(OH).COOH, umgewandelt.

Leucinsäure, s. Leucin.

Leucippus (grch. Leukippos), von Abdera oder Milet oder Elea, griech. Philosoph des 5. Jahrh. v. Chr. Nach Aristoteles und Theophrastus wäre er der Begründer des Atomismus und Lehrer des Demokritus (s. d.) gewesen. Nach Epicurus hat ein Philosoph L. gar nicht existiert, und auch nach sonstiger Tradition hatte die einzige Schrift, aus der man über seine Lehre urteilen konnte ("Mégas diákosmos", "Das große Weltsystem" betitelt), vielmehr den Demokritus zum Verfasser.

Leucisciden, s. Weißfisch.

Leuciscus, s. Weißfisch; L. rutilus, s. Plötze; L. virgo, s. Aland.

Leucit, ein Mineral des regulären Systems, das stets nur im Ikositetraeder (2O2, s. nachstehende Abbildung) krystallisiert, welcher Krystallform man daher den Namen Leucitoeder gab. Er besteht in seiner reinsten Zusammensetzung aus 55 Proz. Kieselsäure, 23,5 Proz. Thonerde, 21,5 Proz. Kali (K2Al2Si4O12) und stellt somit unter den verbreiteten Silikaten das kalireichste dar. Das Mineral ist graulichweiß bis aschgrau, glasglänzend, im Bruch fettglänzend, halbdurchsichtig bis kantendurchscheinend; es hat die Härte 5,5-6 und erweist sich vor dem Lötrohr ganz unschmelzbar und unveränderlich, wird aber von Salzsäure völlig zersetzt unter Abscheidung pulveriger Kieselsäure. Die Leucitsubstanz umschließt gewöhnlich dem bloßen Auge sichtbare oder mikroskopisch kleine fremde Körperchen, Augitkryställchen, glasige oder schlackige Partikel, Magneteisenkörnchen, oft sehr regelmäßig und zierlich gruppiert. Im Innern besitzt der L., wenigstens bei größern Krystallen, nicht das Molekulargefüge einer regulären Substanz, sondern besteht vielmehr aus sehr innig miteinander verbundenen und sich durchkreuzenden polysynthetisch verzwillingten Lamellen von rhombischem Charakter, die auch Doppelbrechung zeigen; es hat hier in dem Rahmen des Ikositetraeders eine Umlagerung der Teilchen in rhombische, ohne Störung der chem. Zusammensetzung stattgefunden. Klein machte die merkwürdige Beobachtung, daß eine geschnittene Platte von L. in erhöhter Temperatur ihre Zusammensetzung aus sehr zahlreichen Zwillingslamellen gänzlich verliert und optisch einfache Lichtbrechung erlangt; beim Erkalten kehrt alsdann der frühere Zustand wieder. Der L. ist im stande, sich in ein Gemenge von Kalifeldspat und Glimmer, andererseits aber auch in Analcim umzuwandeln. Größere Krystalle von L. waren