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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Leucitbasalt - Leucojum

früher nur bekannt in den Laven des Vesuvs, in den Laven des Albanergebirges bei Rom, in denen von Acquapendente, Viterbo, Rocca Monfina (wo Krystalle von 9 cm Durchmesser vorkommen), in den Gesteinen von Rieden am Laacher See und solchen vom Kaiserstuhl. In mikroskopischer Kleinheit ist er aber, wie zuerst Zirkel nachwies, ein Gemengteil mancher gewöhnlichen Basalte, Basanite, Tephrite, Phonolithe und Laven, z. B. des Erzgebirges, Böhmens, der Rhön, Sardiniens, der kleinen Insel Bawcan, nördlich von Java, sehr reichlich in einem Gestein von den sog. Leucite-Hills im nordamerik. Territorium Wyoming.

Leucitbasalt, Gestein, s. Basalt.

Leucitbasanit, Gestein, s. Basanit.

Leucitit, ein jüngeres Eruptivgestein, das vorwiegend aus Leucit und Augit besteht, mit Ausschluß sowohl des Plagioklases als des Olivins, worin der Unterschied einerseits gegen die leucithaltigen Basalte und Basanite, andererseits gegen die Tephrite gegeben ist. Solche Gesteine kommen vor im Kaiserstuhl, Erzgebirge, in Böhmen, im Albanergebirge, auf den kapverdischen Inseln und auf Java. Fig. 3 der Tafel: Dünnschliffe in mikroskopischer Vergrößerung (s. Dünnschliffe) zeigt einen L. (Leucitophyr) vom Capo di Bove bei Rom unter dem Mikroskop bei gewöhnlichem Licht.

Leucitoeder, Krystallform, s. Ikositetraeder und Leucit.

Leucitophyr, älterer Name für diejenigen Gesteine, in denen größere Krystalle von Leucit (s. d.) deutlich hervortreten; dazu gehören z. B. die meisten vorhistor. Laven des Vesuvs, manche aus der Umgegend von Rom (Leucitit, s. d.) und aus der Nachbarschaft des Laacher Sees in Rheinpreußen.

Leucitporphyr, soviel wie Leucitophyr (s. d.).

Leucittephrit, Gestein, s. Tephrit.

Leuck., hinter lat. Tiernamen Abkürzung für Friedr. Sigismund Leuckart (s. d.); s. auch R. Leuck.

Leuckart, Friedr. Sigismund, Zoolog, geb. 1794 zu Helmstedt, gest. 1843 als Professor der Zoologie zu Freiburg i. Br., schrieb namentlich über die "Helminthen" (Heidelb. 1827) und "Zoolog. Bruchstücke" (3 Hefte, Helmstedt, Stuttg. und Freiburg 1820-42).

Leuckart, Rud., Zoolog, Neffe des vorigen, geb. 7. Okt. 1822 zu Helmstedt, studierte in Göttingen, wo er von Rud. Wagner mit der Vollendung von dessen "Lehrbuch der Zootomie" (2. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1843-47) betraut wurde. L. erhielt 1845 eine Anstellung am physiol. Institut in Göttingen, habilitierte sich daselbst 1847 für die zoolog. Disciplinen und folgte 1850 einem Rufe als außerord. Professor der Zoologie nach Gießen, wo er 1855 eine ord. Professur für dieses Fach sowie auch für vergleichende Anatomie erhielt. Seit Ostern 1870 bekleidet er die ord. Professur der Zoologie und Zootomie in Leipzig.

L. hat seine wissenschaftliche Thätigkeit vorzugsweise den sog. wirbellosen Tieren zugewandt. In den "Beiträgen zur Kenntnis wirbelloser Tiere" (mit Frey, Braunschw. 1847) faßte er die morpholog. Beziehungen zwischen den Cuvierschen Akalephen und Polypen richtig auf und begründete hierdurch die Aufstellung einer neuen Hauptabteilung des Tierreichs (der Cölenteraten, s. d.). Ebenso gelang es L., in den Schriften "Über den Polymorphismus der Individuen oder die Erscheinungen der Arbeitsteilung in der Natur" (Gieß. 1851) und den "Zoolog. Untersuchungen" (3 Hefte, ebd. 1853-54) die verwickelten Organisationsverhältnisse der Siphonophoren nach dem Princip der Arbeitsteilung zu deuten und diese Tiere, die man früher für Einzelwesen gehalten hatte, als Tierstöcke mit polymorphen Individuen nachzuweisen. Ferner veröffentlichte er Untersuchungen über die Mikropyle der Insekteneier (in Müllers "Archiv für Anatomie", 1855) und die Parthenogenese der Insekten, besonders der Bienen (Frankf. a. M. 1858), die Fortpflanzung der Rindenläuse (im "Archiv für Naturgeschichte", 1859) und viviparen Fliegenlarven (1865). Am bekanntesten ist L. durch seine Forschungen in der Naturgeschichte der Bienen und Eingeweidewürmer geworden, namentlich durch seine Entdeckungen über die Trichinen ("Untersuchungen über Trichina spiralis", Lpz. 1860; 2. Aufl. 1866) und Finnen (in "Die Blasenbandwürmer und ihre Entwicklung", Gieß. 1856). Ebenso verdankt man L. die Kenntnis von der Entwicklungsgeschichte und Metamorphose der Pentastomen (Lpz. 1860), Kratzer, Rundwürmer und des Leberegels. Sein Lehr- und Handbuch über "Die Parasiten des Menschen und die von ihnen herrührenden Krankheiten" (2 Bde., Lpz. 1862-76; 2. Aufl. 1879 fg.) ist als Hauptwerk über diese Geschöpfe zu betrachten. In seinen "Neuen Beobachtungen zur Kenntnis des Baues und der Lebensgeschichte der Nematoden" (in den "Abhandlungen der mathem.-physik. Klasse der königl. sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften", Bd. XIII) berichtet L. über eine Anzahl höchst sonderbarer Parasiten niederer Tiere. L. war auch der erste, der die Organisation der Schwämme richtig deutete. Von den übrigen Arbeiten L.s sind hervorzuheben: "Über die Morphologie und die Verwandtschaftsverhältnisse der wirbellosen Tiere" (Braunschw. 1848), der Artikel "Zeugung" in Rud. Wagners "Handwörterbuch der Physiologie" (Bd. 4, ebd. 1853), "Die Fortpflanzung und Entwicklung der Pupiparen" (Halle 1858) und die mit C. Bergmann gemeinschaftlich bearbeitete "Anatom.-physiol. Übersicht des Tierreichs. Vergleichende Anatomie und Physiologie" (Stuttg. 1852). Für das "Handbuch der gesamten Augenheilkunde", redigiert von Graefe und Sämisch (Bd. 2, Lpz. 1875), lieferte er eine Darstellung der vergleichenden Anatomie des Auges. Die seit 1848 für das "Archiv für Naturgeschichte" von ihm gelieferten jährlichen "Berichte über die wissenschaftlichen Leistungen in der Naturgeschichte der niedern Tiere" setzte er bis 1879 fort.

Leucochloridium paradoxum, s Würmer.

Leucojum L., Knotenblume, Pflanzengattung aus der Familie der Amaryllidaceen (s. d.) mit 9 Arten im mittlern Europa und in den Mittelmeerländern. Es sind Zwiebelgewächse mit grundständigen linealen Blüten und einem blattlosen ein- oder mehrblütigen Schaft, der auf seiner Spitze eine oder mehrere gestielte, hängende Blüten mit einem unterständigen Fruchtknoten und einem regelmäßigen, sechsblätterigen, glockigen Perigon trägt. Die Blütenstiele sind am Grunde von einer häutigen Scheide umgeben. Hierher gehört das Milchglöckchen oder die Frühlingsknotenblume, auch Schnee- und Märzglöckchen genannt, das in Laubwäldern und Gebüschen in humoser Lauberde in vielen Gegenden Deutschlands in Menge vorkommt und auch in Gärten angepflanzt wird. Vom echten Schneeglöckchen (s. Galanthus) unterscheidet es sich durch die mehr gelblichweiße Farbe des Perigons und durch die gleichgroßen,