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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Linde; Lindeman

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Linde (Dorf) - Lindeman

flachrissiger Rinde, und entwickeln eine starke Pfahlwurzel. Sie erreichen ein sehr hohes Alter, in einzelnen Fällen bis 1000 Jahre. Samenreife findet im Oktober statt, Abfall im November, Keimdauer ist zwei Jahre. Der Verbreitungsbezirk der L., namentlich der kleinblätterigen, ist sehr groß. Diese ist eine osteurop. Holzart, waldbildend im mittlern Rußland, geht nördlich bis Finland und Skandinavien, westlich bis Nordspanien, gehört namentlich dem Flachlande an und steigt im Böhmer Wald kaum bis 700 m, in Tirol einzeln bis 1200 m. Lindenwälder giebt es nur noch in Rußland, früher mögen sie in Deutschland und Österreich nicht selten gewesen sein, worauf viele slaw. und deutsche Ortsnamen schließen lassen. Die großblätterige L. kommt namentlich in Südeuropa vor, waldbildend im südlichern Rußland (Volhynien u. s. w.), einzeln nicht selten eingesprengt im mitteleurop. Waldgebiet, steigt in den Gebirgen etwas höher als die kleinblätterige L., im böhm.-bayr. Walde und in den bayr. Alpen bis 1000 m; im nördl. Europa ist sie häufig angepflanzt, aber von Natur nicht heimisch.

Das Holz beider L. ist zum Bauen nicht brauchbar, dagegen für Tischler als Blindholz vorzüglich geeignet, ebenso zu den verschiedensten Schnitzarbeiten, es liefert sehr weißen Holzstoff und eine gute Kohle zum Zeichnen (Reißkohle), zum Feinschleifen der Metalle und zur Herstellung von Schießpulver. Die Rinde liefert Bast zu Flechtwerken (Seilen, Tauen, Matten u. s. w.) und zum Binden; diese Bastwaren kommen vorzugsweise aus Rußland in den Handel. Der Bast wird im Frühjahr von 20- bis 30jährigen gefällten L. durch streifenweises Schälen gewonnen; eine 10 m hohe, 30-40 cm starke L. liefert etwa 45 kg Bast, der für 10-12 Matten ausreicht. Die Blüten gewähren den Bienen vorzügliche Nahrung, auch bereitet man aus ihnen einen offizinellen, schweißtreibenden Thee. Die L. wird als Park- und Alleebaum geschätzt. Häufig findet man nicht bloß die deutschen L. in Gärten, sondern auch die schöne Silberlinde (Tilia argentea DC. oder tomentosa Moench), die im Orient und in Ungarn heimisch ist, die nordamerikanische Silberlinde (Tilia alba Ait., heterophylla Vent.), beide Arten ausgezeichnet durch die unterseits silberweißen Blätter; die amerik. Tilia pubescens Ait. mit großen weißhaarigen Blättern, und die ebenfalls amerik. Tilia americana L. mit kahlen, beiderseits grünen Blättern. Obgleich vielfach von verschiedenen Insekten bewohnt, erleidet die L. doch selten erhebliche Schäden. Auffallend sind an den Lindenblättern oft die durch eine Milbe (Phytoptus) hervorgerufenen Gallen und filzartigen Gebilde.

Linde, Dorf bei Pausa (s. d.).

Linde, Justin Timotheus Balthasar von, hess. Staatsmann und Rechtsgelehrter, geb. 7. Aug. 1797 zu Brilon in Westfalen, studierte in Münster, Göttingen und Bonn, habilitierte sich 1820 in Bonn, wurde 1823 außerord. Professor der Rechte in Gießen, 1821 ord. Professor. 1829 als Ministerialrat nach Darmstadt berufen, wurde er 1832 zum Direktor des Oberstudienrates, 1836 zum Kanzler der Universität Gießen und zum Geh. Staatsrat ernannt, 1839 in den Adelstand erhoben. 1847 trat er in den Ruhestand, wurde in das Frankfurter und Erfurter Parlament gewählt, 1850 Gesandter des Fürsten von Liechtenstein beim Bundestage, 1863 auch für Reuß ä. L. und Hessen-Homburg. Nach Aufhebung des Bundestags lebte er auf Schloß Dreis im Reg.-Bez. Trier und starb in der Nacht zum 9. Juni 1870 zu Bonn. Seine namhaftesten jurist. Schriften sind: "Abhandlungen aus dem deutschen gemeinen Civilprozeß" (2 Bde., Bonn 1823-29), "Lehrbuch des deutschen gemeinen Civilprozesses" (7. Aufl., ebd. 1850) und "Handbuch des deutschen gemeinen bürgerlichen Prozesses", von dem aber nur der 4. und 5. Band: "Über die Lehre von den Rechtsmitteln" (Gieß. 1831-40) erschienen sind. Er gab die "Zeitschrift für Civilrecht und -Prozeß" (mit andern, Gieß. 1827-64) und das "Archiv für das öffentliche Recht des Deutschen Bundes" (4 Bde., ebd. 1853-64) heraus.

Linde, Karl Paul Gottfried, Maschinenbauer, geb. 11. Juni 1842 zu Berndorf in Oberfranken, studierte 1861-64 am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich Maschinenbau und bildete sich sodann in den Werkstätten und im Zeichenbureau der Lokomotivfabrik von Borsig in Berlin praktisch aus. 1868 wurde er außerord., 1872 ord. Professor der theoretischen Maschinenlehre an der Technischen Hochschule daselbst, verließ 1879 den Lehrstuhl, um die Direktion der Gesellschaft für Lindes Eismaschinen in Wiesbaden zu übernehmen, legte dieselbe 1890 nieder und kehrte 1891 nach München zurück, um sich freier wissenschaftlicher Thätigkeit zuzuwenden. Er errichtete daselbst eine Versuchsstation für Kältemaschinen. Nachdem L. in mehrern Abhandlungen ("Wärmeentziehung bei niedern Temperaturen", "Verbesserte Eis- und Kühlmaschine" u. s. w. im "Bayr. Industrie- und Gewerbe-Blatt", Münch. 1870-71) die Theorie der mechan. Kälteerzeugung aus den Resultaten der mechan. Wärmetheorie entwickelt hatte, bildete er die Mittel zur Herstellung niederer Temperaturen und deren Verwendung in der Industrie aus. (S. Eismaschinen.)

Linde, Sam. Gottlieb, poln. Sprachforscher, geb. 1771 zu Thorn, studierte in Leipzig, war hier Lektor der poln. Sprache, später Bibliothekar des Grafen Ossolinski in Wien und wurde 1803 von der preuß. Regierung als Rektor des Lyceums und Oberbibliothekar nach Warschau berufen. 1833-38 war er wieder Direktor des Gymnasiums zu Warschau und des Schulwesens für das Gouvernement Masovien. Er starb 8. Aug. 1847 zu Warschau. Sein Hauptwerk ist das große "Wörterbuch der poln. Sprache" (6 Bde., Warsch. 1807-14; neue Aufl. von Szajnocha, Lemberg 1854-60), das er mit Hilfe des Fürsten A. Czartoryski und des Grafen Ossolinski herausgab.

Lindeman, Moritz Karl Adolf, geb. 27. März 1823 in Dresden, wurde 1848 Stenograph der bremischen Bürgerschaft, 1878 pensioniert und widmete sich seitdem der wissenschaftlichen Schriftstellerei. Seit 1877 redigiert er die "Deutschen geogr. Blätter". Seine "Karte der Seefischereien Europas" (Manuskript) erhielt 1880 auf der Internationalen Seefischereiausstellung in Berlin die silberne Medaille. L. schrieb: "Finland und seine Bewohner" (Lpz. 1854), "Wirtschaftswissenschaftliche Urbegriffe" (Brem. 1859), "Die arktische Fischerei der deutschen Seestädte 1620-1868" (in "Petermanns Mitteilungen", Ergänzungsheft 26, Gotha 1869), "Die zweite deutsche Nordpolfahrt" (2 Tle., Lpz. 1874, in Verbindung mit Dr. G. Hartlaub von L. redigiert; Volksausgabe bearbeitet von L. und O. Finsch, ebd. 1882), "Die Seefischereien, ihre Gebiete, Betrieb und Erträge 1869-78" (in "Petermanns Mitteilungen", Ergänzungsheft 60, Gotha 1880), "Amtliche Berichte