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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Lituiten - Litze
7. Nov. 1W4, bat sich trotz seiner Jugend durch
^lrbeiten über Spektralapparate und Heliostaten
einen geachteten Namen erworben. - Heinrick
ölieMchV^ mehrere Schriften ans dem Seefach (z.B.
"Handbnch der Seemannfckaft", Wien 1>>59), eine
"Anleitung znr plastischen Tarstellung des Meeres-
grundes" (1850), eine "Biographie des Nordpolfah-
rers Weyprecht" (Wien188I); serner: "Aus der See"
(4. Aufl., Trieft 1876), "Von Wien an die Adria
nach Triest und Fiumc, Reifebilder" <4. Aufl., Wien
1833), "Die Semmeringfahrt" (edd. 1883), "Fiume
und Abazzia im österr. Küstenlandc" i'2 Bde., 1835).
LitUlten (I.itnUo^ ^^.?/^), wichtige Leitjossilien
der ältern silnriscken schichten, Gattung derNauti-
liden (s. d.), die die aufgerollte Schalenform des
Nautilus (s. d.) niit der geradlinigen der Geradhörner
(Orthoceratiten, s. d.) verbinden und also den Über-
gang zwischen beiden bilden.
Liturgie (grch. leiturFi^), bei den Athenern Be-
zeichnung für gewifse, von den Bürgern auf ibre
Kosten übernommene Dienstleistungen; im Neuen
Testament im Sinne von priesterlicher Verrichtung
gebraucht; in der christl. Kirche die geordnete Reiben-
folge der beim öffentlichen Gottesdienst, also insbe-
sondere bei dem sonn- und festtäglichen Hanptgottes-
dienst (Sonntagslitnrgie, Festliturgie), inid bei den
immer wiederkehrenden gottesdienstlicben .Hand-
lungen, wie Tanfe, Traimng, Begräbnis, zu ver-
richtenden Gebete, Gesänge und sonstigen beiligen
Gebräuche. In der ältesten Zeit stand den Ge-
meindevorstehern (Bischöfen) die Befugnis zu, die
L. in ihrer Kirche zu bestimmen, und die Filial-
kirchcn nahmen gewöbnlich die L. der Muttertircbe
an. Später suchte man eine gewisse Gleichheit der
L. zu erzielen, und es bildeten sich L., die in größern
Kirchengebieten gemeinsam gebraucht wurden. Als
die vorzüglichsten davon werden genannt: im
Morgenlande die palästinensische, die tleiuasiatisch-
kappadoeiscbe, die syrisch-antiockcmsche und die
ägyptisch-alerandrinische; im Abendlande die afri-
kanisch-tartbagische, die gallikanische, bispaniscke
oder mozarabische und die römische. Im 5. Iabrb.
war im Mcu-genlande die L. von Vasilius d. Gr.
am weitesten verbreitet. Neben ihr fand die ver-
kürzte des Chryfostomus Eingang, die noch setzt in
der griech. Kirche gebräuchlich ist. Die röm. Päpste
waren unablässig bemüht, eine Gleichheit im Kultus
der ilmen unterworfenen Kirche herbeizuführen, und
veranlaßten zu diesem Zweck im Laufe der Zeit eine
große Anzahl von liturgischen Büchern (lat. 8lr-
^i'lnnentln'iuin, oi'^cinnl, Ii!"^i' otticul1i8), so als
älteste Sammlung liturgischer Formulare das 8a-
crain0ntln'inin Leos d. Gr. und das ^aciamont^-
i-ilnn Gelasius' II. und den Mesikanon von
Gregor I. Dieftr ist die Richtschnur für den Gottes-
dienst der gesamten abendländ. Kirche geworden.
Die allgemeine (5infübrnng der römifchen L. tonn-
ten die Päpste nur allmählich erlangen, und selbst
uoch jetzt herrscht keine vollständige Übereinstim-
mung in der L. der kath. Kirche. Die liturgischen
Bücher mit den noch jetzt gültigen Vorschriften für
den Gottesdienst und die gottesdienstlichen Hand-
lungen in der röm.-kath. Kirche sind: das Lievia-
rwni Itoininnnn (s. Brevier), das ^lisslile Iloinannin
(s. Missale), das I'ontiti^lo I^om^nuin (s. d.), das
(^krkmonilrls cpiZco^oi-nni (s. d.) und das liitnale
^ I^omlmuiu (s. d.). Die ^. in den aus der Resorma-
! tion bcrvorgegangenen evang. Landeskirchen wurde
durch die Kirckenordnungcn ls. d.) und Agenden
(s. d.) bestimmt. - Vgl. (^oäex litur^ionF, hg. von
! Daniel <4 Bde., Lpz. 1847-55); I. L. König, Die
.Vanptliturgien der alten Kirche in wortgetreuer Über-
setzung (Nenstrelitz 1865); Probst, Die L. der drei
ersten christl. Iabrhunderte lTüb. 1870); ders., Die
L. des 4. Jahrh, und deren Reform lMünst. 189^);
Da Carpi, ^om^onäiog^ didliotliLcn. litnrFicg. (Bo-
logna 1878).
Litürgik (grch.), die Wisfenfchaft von der Ge-
staltung und Verwaltung des öffentlichen Gottes-
dienstes in der ckriftl. Kirche. Sie bildet einen Teil
der prattifchen Theologie und wird gewöhnlich in
den Werken über diefe mitbehandelt. - Vgl. Basscr-
mann, Entwurf eines Systems evangelischer L.
iStnttg. 1888); Hering, Hilfsbnch zur Einführung
in das liturgifchc Studium (Wittcnb. 1888); Fr.
<^pitta, Znr ^leform des evang. Knltus (Gott.
1891); Tbalbofer, Handbuch der katbolifchen L.
(2 Bde., ^reib. i. Br. 1887-93).
Liturgische Bücher, s. Liturgie.
Liturgische Gewänder, die Kleidungsstücke,
welcbe 5x'r kath. Priester, der ursprünglich keine
Amtstracht trug, bei den gottesdienstlichen Hand-
lungen anlegt. Im 5. Jahrh, wurde bestimmt, das;
kein Teil des Profangewandes den Priester beim
Gottesdienst kleiden folle. Die L. G. sind überall
anf die spätröm. Tracht zurückzuführen, wenn sie
auch deren Form bis znr Unkenntlichkeit verändert
baben. Die vollständige Tracht eines cclebrieren-
den Bischofs bestebt aus folgenden Stücken in der
Reihenfolge, wie sie angelegt werden: die Strümpfe,
die Scbnbe, das ^chultertuch, die Alba, der Gür-
tel, die Stola, die Tunicella, die Dalmatiea, die
Casula, die Handscbube, die Inful, die Manipula,
das Nationale ijetzt fetten getragen), das Pallium,
die Ninge, der Bischofsstab. (S. auch Vtestgewand.)
I"itnn8 (lat.), im alten Nom der oben gekrümmte
Stab der Augurn, mit dem sie den heiligen Bezirk
für die Vogelfchau abgrenzten; auch ein altröm.
Kriegsmusitinstrument, aus einer konischen, aber ge-
' radcn, unten batenförmig gekrümmten Metallröhre.
- - In der Mathematik ist I.. eine Spirale (s.o.),
^ deren Gleichung in Polarkoordinaten lautet: i-^
^ const. Die Gerade, von der ab die Winkel c?
gemesfen werden, ist eine Asymptote der Kurve.
<S. Tafel: Kurven II, Fig. 9.)
! Litwos, Pfeudonyin des poln. Schriftstellers
! Sienkiewicz is. d.).
! Lityersect, oin Bastard des phrygischcn Königs
! Midas, besäst in der Nähe von Kelänä am Mäan-
! der in Phrvgien reiche Kornfelder. Er war ein ge-
! waltiger Csfer und Trinker. Jeden Fremdling, der
! des Weges kam, lud er zum Schmaufe ein, zwang
! ihn aber dann, in der Hitze des Tages den manns-
> hohen Weizen zu mähen, und fchnitr ihm am Abend
! den Kopf ab; den Leib band er in die Garben. Er
! wnrde von Herakles erschlagen. - Vgl. Mannhardt,
Mntholog. Forschungen (Straßb. 1884).
Litze, Schnur, Borte, Tresse, aus Leinen, Baum-
wolle, Wolle, Silber- oder Goldfäden gewirkt, welche
^ als Befatz an Kleidern, besonders Militärunijormcn,
! getragen wird. Die Mannschaften der Garde- und
! Leibregimenter der deutfchen Armee haben am
kragen und den Auffchlägen des Waffenrocks eine
l oder mehrere L. aus weißem oder gelbem baum-
^ wollenem Stoff, die Offiziere dieser Regimenter.