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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Littre; Littré; Littresche Drüsen; Littrescher Bruch; Littrow

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Littre - Littrow

von Grund und Boden erörtert. Das ursprünglich französisch für die Belehrung eines Sohnes L.s geschriebene Werk genoß lange Zeit mit dem Kommentar von Edward Loke (in dessen "Institutes") große Autorität und erschien in zahlreichen Ausgaben, zuletzt von Tomlins ("Lyttleton, his treatise of tenures in French and English", Lond. 1841).

Littre (spr. littr), Alexis, franz. Arzt, geb. 21. Juli 1658 zu Cordes, gest. 3. Febr. 1725 als Arzt am Châtelet zu Paris, beschrieb zuerst die nach ihm benannte Form des Darmbruchs (s. Littrescher Bruch). Gleichfalls nach ihm wurden die Littreschen Drüsen (s. d.) benannt.

Littré, Maximilien Paul Emile, franz. Gelehrter, geb. 1. Febr. 1801 zu Paris, widmete sich daselbst zuerst dem Studium der Medizin, nach dessen Beendigung er sich philol. und histor. Studien zuwandte. Seit 1831 war L. Mitarbeiter des "National", dessen Redaktion er auch nach Carrels Tode bis 1851 angehörte. Nach der Februarrevolution übernahm er das Amt eines Municipalrates der Stadt Paris, zog sich aber im Herbst 1818 wieder von der Öffentlichkeit zurück. Im Febr. 1871 in die Nationalversammlung gewählt, hielt er sich hier zur republikanischen Linken. Im Dez. 1871 wurde er Mitglied der Académie française und 1875 als lebenslängliches Mitglied in den Senat gewählt. Er starb 2. Juni 1881 in Paris.

Sein mediz. Hauptwerk ist die sehr geschätzte Ausgabe und Übersetzung sämtlicher Werke des Hippokrates (10 Bde., Par. 1839-61). Interessant ist seine Schrift "Médicine et médicins" (Par. 1871). Als Comte mit seinem System des Positivismus auftrat, machte sich L. durch Popularisierung von Comtes Lehre zu dessen eifrigem Vertreter und Förderer und veröffentlichte in diesem Sinne: "Analyse raisonnée du Cours de philosophie positive de Comte" (1845). Mit Wycouboff gründete er 1867 die Zeitschrift "La philosophie positive". Von seinen weitern philos. Schriften sind zu nennen: "Application de la philosophie positive au gouvernement de sociétés" (1849), "Conservation, révolution et positivisme" (1852), "Paroles de philosophie positive" (1859), "August Comte et la philosophie positive" (1863; 3. Aufl. 1877). Unter L.s histor.- philol. Arbeiten haben sich besonders die über die franz. Sprache große Anerkennung erworben. Hauptresultat derselben ist das treffliche "Dictionnaire de la langue française" (4 Bde., 1863-72; Supplement, 1878; daraus Auszug von Beaujean, 1878; 9. Aufl. 1891). Verwandte Arbeiten sind die "Historie de la langue française" (2 Bde., Par. 1862; 8. Aufl. 1882) und seine Beiträge zu Band 21, 22 und 23 der großen "Historie littéraire de la France", ferner "Littérature et histoire" (Par. 1875; 2. Aufl. 1876), eine Übersetzung in altfranz. Sprache des "Inferno" von Dante (1879) und "Études et glanures pour faire suite à l'Histoire de la langue française" (1880) mit einer "Causerie" über die Entstehung seines Wörterbuches (deutsch Lpz. 1881). Von L.s übrigen Schriften sind noch seine "Études sur les barbares et le moyen âge" (Par. 1867; 4. Aufl. 1883), die Übersetzungen der Naturgeschichte des Plinius (2 Bde., ebd. 1848-50) und des "Lebens Jesu" von Strauß (4 Bde., ebd. 1839-40; 3. Aufl., 2 Bde., 1864) sowie die Ausgabe der Schriften Armand Carrels (1857) zu nennen. Endlich hat er die zweite Auflage (1851) von Jourdans Übersetzung des "Handbuchs der Physiologie" von Johannes Müller redigiert. - Vgl. Sainte-Beuve, Notice sur L., sa vie et ses travaux (Par. 1863); E. Caro, L. et le positivisme (ebd. 1883).

Littresche Drüsen (Glandulae Littrianae), nach Alexis Littre (s. d.) benannte kleine traubige Drüsen in der Schleimhaut der Harnröhre, welche die letztere feucht und schlüpfrig erhalten.

Littrescher Bruch oder Darmwandbruch (Hernia Littriana), ein Darmbruch (s. Bruch), bei dem nur ein Teil des Darmumfangs, nur die eine Wand des Darmrohrs durch eine Bruchpforte hervorgetreten ist. Derartige Brüche, die wegen ihrer Kleinheit leicht übersehen werden und deshalb gefährlich sind, wurden zuerst von dem franz. Anatomen und Chirurgen Alexis Littre (s. d.) beschrieben.

Littrow, Jos. Joh. von, Astronom, geb. 13. März 1781 zu Bischof-Teinitz in Böhmen, studierte in Prag und wurde 1803 Erzieher der Grafen Rénard in Schlesien. Hier widmete er sich der Mathematik und Astronomie und wurde 1807 Professor der Astronomie zu Krakau. Durch die Kriegsereignisse vertrieben, folgte er 1810 einem Rufe in gleicher Eigenschaft an die Universität zu Kasan, wo er die Sternwarte gründete. 1816 wurde er Mitdirektor der Sternwarte in Ofen und 1819 Direktor der Wiener Sternwarte, die er gänzlich reorganisierte. Durch seine Schriften über Versorgungsanstalten wurde er zu einer Autorität auch in diesem Fache. Seine theoretischen Untersuchungen veranlaßten den Optiker Plößl zur Ausführung der dialytischen Fernrohre. 1837 wurde L. in den österr. Adelsstand erhoben. Er starb 30. Nov. 1840. Unter L.s Schriften ist die bekannteste "Die Wunder des Himmels" (7. Aufl., bearbeitet von E. Weiß, Berl. 1882-85), die zu den besten populären Darstellungen der Astronomie gehört. Außerdem sind zu erwähnen: "Theoretische und praktische Astronomie" (3 Bde., Wien 1822-26), "Höhenmessungen durch Barometer" (ebd. 1823), "Anleitung zur Berechnung der Lebensrenten und Witwenpensionen" (ebd. 1829), "Vorlesungen über Astronomie" (2 Bde., ebd. 1830), "Über Lebensversicherungen" (ebd. 1832), "Gnomonik" (2.Aufl., ebd. 1838), "Atlas des gestirnten Himmels" (4. Aufl., Berl. 1886), "Handbuch zur Umrechnung der vorzüglichsten Münzen, Maße und Gewichte" (4. Aufl., hg. von Karl von L., Wien 1870) u. s. w. Eine Biographie L.s befindet sich in seinen "Vermischten Schriften", Bd. 1 (Stuttg. 1846).

Karl von L., ältester Sohn des vorigen, geb. 18. Juli 1811 zu Kasan, stand seinem Vater seit 1831 als Gehilfe zur Seite und folgte ihm als Direktor der Wiener Sternwarte 1842. Er starb 16. Nov. 1877 in Venedig. Die "Annalen der Wiener Sternwarte" erhoben sich unter seiner Leitung zu einem wichtigen astron. Jahrbuch. 1862-65 beteiligte er sich an der von Generallieutenant Baeyer ins Leben gerufenen europ. Gradmessung. Zahlreiche Arbeiten von ihm sind in Zeitschriften sowie in den "Sitzungsberichten" und "Denkschriften" der Wiener Akademie enthalten. Unter anderm verdankt man ihm eine neue, sehr brauchbare Methode der Längenbestimmung zur See. Auch hat er die Veröffentlichung der meteorolog. Beobachtungen der Wiener Sternwarte (seit 1755) durchgeführt. Er veranstaltete ferner zwei neue Auflagen der von seinem Vater verfaßten "Wunder des Himmels". Seinen Bemühungen verdankt die große neue Sternwarte in Wien ihre Entstehung. - Sein Sohn, Otto von L., geb. 14. Febr. 1843, gest.