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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Logis – Logone

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Logik'

die Kantianer Whewell («Philosophy of the inductive sciences», 2 Bde., Lond. 1840; 2. Ausg. 1847, und «History of the inductive sciences», 3 Bde., ebd. 1837; deutsch von Littrow, Stuttg. 1839‒42) und Apelt («Die Theorie der Induktion», Lpz. 1854) gefolgt, während J. Stuart Mills System der L. («A System of Logic, ratiocinative and inductive», 2 Bde., Lond. 1843 u. ö.; 4. Aufl. 1856; deutsch von Schiel, Braunschw. 1849; von Gomperz, Lpz. 1872‒73) mehr die Baconsche Richtung fortsetzt. Von anderer Seite suchte man, namentlich seit Locke, der L. zu Hilfe zu kommen durch eine psychol. Grundlegung, ein Bestreben, das gerade in neuester Zeit viel Anklang gefunden hat. So stehen unter den Engländern Mill, unter den Deutschen die Logiker Sigwart («Logik», 2 Bde., Tüb. 1873 u. 1878; 2. Aufl., Bd. 1, Freiburg 1889) und Wundt («Logik», 2 Bde., Stuttg. 1880 u. 1883; Bd. 1 in 2. Aufl. 1893), auch Erdmann («Logik», Bd. 1, Halle 1892) dieser Richtung nicht fern. Vielfach verschmilzt dieselbe mit einer andern, die eine engere Verknüpfung, wo nicht völlige Vereinigung der L. mit der Erkenntnistheorie (s. d.) fordert, wobei unter Erkenntnistheorie oft sehr Verschiedenes verstanden wird. Schuppes «Erkenntnistheoretische L.» (Bonn 1878) hält sich freier von der Vermengung der L. mit Psychologie und nähert sich der Richtung Kants. Mehr an den ältern metaphysischen Standpunkt erinnern Werke wie Überwegs «System der L. und Geschichte der logischen Lehren» (5. Aufl., Bonn 1882), Trendelenburgs «Logische Untersuchungen» (3. Aufl., Lpz. 1870), Lotzes «Grundzüge der L.» (3. Aufl., ebd. 1891) und «Drei Bücher der L.» (2. Aufl. 1880) u. a.; desgleichen die Herbartianer wie Drobisch («Neue Darstellung der L.», 5. Aufl., Hamb. 1887). Vollends bei Hegel («Logik», Nürnb. 1812‒16) und seinem Anhang wurde die L. reine Metaphysik. Das Schicksal dieser Disciplin ist also sehr wechselvoll gewesen, und gerade jetzt fehlt es, bei allem Rufen nach Reform, fast mehr denn je an einer einhelligen, den Bedürfnissen der Wissenschaft ernstlich genügenden logischen Theorie. – Eine sehr gründliche «Geschichte der L. im Abendlande», jedoch nur das Altertum und Mittelalter umfassend (4 Bde., Lpz. 1855‒70; der 2. Bd. in 2. Aufl. 1885), hat Prantl verfaßt.

Logis (frz., spr. -schih), Wohnung. In der Seemannssprache ist L. oder Volkslogis der Wohnraum der Mannschaft eines Handelsschiffs, der sich meist in einem hüttenartigen Aufbau des Vordecks befindet.

Logisch, den Gesetzen der Logik gemäß, darin gegründet.

Logismogrăphie (grch.), eine neuere Art der doppelten Buchführung, deren Vorzug darin besteht, daß sie schon durch den Abschluß des sog. Bilanzjournals in jedem Augenblicke eine vollständige Übersicht über den Stand des Vermögens nach seinen Hauptbestandteilen gewährt. In dieser Beziehung stimmt sie also mit der sog. amerikanischen Buchführung überein. (S. Buchhaltung.) In der L. ist das Journal in zwei Grundkonten zerlegt, in das Eigentümerconto und in das Wirtschaftsconto, welche einander gegenüberstehen und den nämlichen Inhalt, nur mit umgekehrten Posten, haben. Das Wirtschaftsconto ist in zwei Unterkonten abgeteilt, von denen das eine das Sachvermögen an Geld und Gütern umfaßt und, weil es seine Personifikation in den zur Wirtschaft gehörigen Personen findet, Agentenconto genannt wird. Das andere enthält die Forderungen und Schulden und wird mit ↔ Rücksicht darauf, daß es seine Personifikation in außerhalb der Wirtschaft stehenden Personen findet, als Korrespondentenconto bezeichnet. Jedes einzelne Conto nimmt anschließend an den aus dem letzten Abschluß sich ergebenden Stand alle wirklichen Veränderungen in der Substanz des Vermögens nach den beiden Kategorien von Soll und Haben auf wie in der gewöhnlichen doppelten Buchführung, jedoch mit dem Unterschied, daß im Wirtschaftsconto die Schulden nicht mit den Einnahmen und die Guthaben nicht mit den Ausgaben vermengt, sondern je für sich gebucht werden. Zum Nachweis solcher Vorgänge, bei welchen, wie z.B. beim Kauf oder Verkauf gegen bares Geld, zunächst nur ein Vertauschen einzelner Vermögensteile mit andern gleichwertigen stattfindet, ohne daß der Stand des Vermögens im ganzen dadurch verändert wird, dient eine besondere Buchungsspalte, Permutationsspalte genannt, die jene Vertauschungen aufnimmt, soweit sie sich der Größe nach decken. Zur Darstellung der Ergebnisse der einzelnen Wirtschaftszweige, und um für den Abschluß des Journals die Gewinn- und Verlustbeträge zu ermitteln, dienen sog. Zerlegungstabellen, welche den Inhalt der Grundkonten in seine einzelnen Bestandteile (z.B. Geld, Waren, Immobilien, Mobilien) auflösen. Die Geschäftsfälle werden in juristische und differenziale unterschieden und in den Zerlegungstabellen zwei Serien Konten geführt. In Serie A (Eigentümer) und B (Agenten und Korrespondenten) werden die sämtlichen Journalposten nach den einzelnen Konten geordnet, in Serie A bis und B bis nur die der differenzialen Geschäfte. Diese letztere Serie ergiebt die Rechnung des reinen Vermögens. Die L. ist von Cerboni erfunden und in Italien auch im Staatsrechnungswesen eingeführt. Für Geschäfte von größerm Umfange ist die Arbeit der L. umständlicher als die der gewöhnlichen doppelten Buchführung. – Vgl. Cerboni, Primi saggi di Logismografia (Flor. 1873).

Logismus (grch.), Vernunftschluß.

Logisten, im alten Athen ein Kollegium von 10 Männern, welche in Verbindung mit 10 Beisitzern (Synegoroi), einem andern Kollegium, den 10 Euthynen und deren 20 Beisitzern, die Rechenschaftsablegung der Beamten abnahmen, überhaupt eine Art von Oberrechnungskammer bildeten.

Logístik (grch.), s. Arithmetik.

Logleine, s. Log.

Logogrāphen, die ältesten griech. Prosaiker, welche die Sagen, besonders über die Gründung einzelner Städte und sonstige mündliche Überlieferungen über die ältere Geschichte zusammenstellten. Die bedeutendsten, wie Hekatäus (s. d.), Hellanicus (s. d.) u.a., gehören nach Kleinasien und lebten am Ende des 6. und im 5. Jahrh. v. Chr. Sammlung der erhaltenen Reste u. a. in den «Fragmenta historicorum graecorum» (5 Bde., hg. von Karl und Th. Müller, Par. 1841‒70).

Logogrīph (grch.), Buchstaben- oder Worträtsel, wobei ein Wort durch Hinzusetzen oder Wegnehmen eines oder mehrerer Buchstaben jedesmal eine andere Bedeutung erhält, z. B. Greis, Reis, Eis u.s.w.

Logomănie oder Logomonomanie (grch.), die krankhafte Redseligkeit oder Geschwätzigkeit, ein häufiges Symptom der Geisteskranken.

Logone, Nebenfluß des Schari (s. d.).

Logone, Landschaft im centralen Sudan Nordafrikas, Vasallenstaat von Bornu, nach dem Ver-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 256.