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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Losungsrecht - Lot (Gewicht)
Körper aufnimmt, indem es diese selbst verflüssigt.
Die L. von Gasen in Flüssigkeiten heißt Absorption
(s. d.). L. im engern Sinne bedeutet daher nur die
Verflüssigung fester Körper durch Lösungsmittel.
Beide sind die Bestandteile der wirklichen L. Die
Menge eines sesten Körpers, die von einer bestimm-
ten Quantität eines Lösungsmittels verflüssigt wer-
den kann, hat immer eine Maximalgrenze, über die
hinaus der erstere nicht mehr gelöst wird. Hat eine
L. diese Grenze erreicht, so heißt sie gesättigt.
Die Zahl, die angiebt, wie viel Gewichtsteile des
festen Körpers mit 100 Teilen der flüssigen Sub-
stanz eine gesättigte L. bilden, wird Löslichkeits-
koefficient genannt. Ist sie sebr niedrig, so ist
der seste Körper in der Flüssigkeit schwer löslich,
ist sie dagegen hoch, so ist der Körper leicht löslich.
Der Löslichkeitskoefficient hängt aber nicht allein
von der chem. Natur beider Bestandteile, sondern
auch von der Temperatur ab, und zwar in der
Regel in dem Sinne, daß die Löslichkeit mit steigen-
der Temperatur zunimmt. Der Angabe eines Lös-
lichkeitstoefficienten muß daher stets auch noch eine
Angabe der Temperatur, für die er gelten soll, bei-
gefügt sein (s. Löslichkeitskurven).
Die in einer gesättigten L. befindliche feste Sub-
stanz muh daher bei Erniedrigung ihrer Temperatur
Zum Teil in festem Zustande ausgeschieden werden,
ebenso wie bei Verminderung der Menge des flüssi-
aen Lösungsmittels durch Verdampfung. Diefe
Abscheidung geschieht in der Negel, wenigstens wenn
sie ruhig und langsam erfolgt, in krystallinischer
Form. Man bezeichnet daher in der chem. Technik den
Sättigungszustand einer heißen L. als Krystallisa-
tionspunkt (s. Krystallisation). Heiß gesättigte L.
inancher festen Körper scheiden beim Erkalten in
vollständiger Ruhe trotz der Verminderung des Lös-
lichkeitskoefficientcn nichts ab, sofort aber, wenn
sie nach dem Abkühlen heftig bewegt oder mit einem
fertigen Krystall oder einer Nadelspitze u. dgl. be-
rührt werden. Solche L. werden übersättigte
genannt und nur von Substanzen, namentlich Sal-
zen, gebildet, die sich bei niedrigern Temperaturen
mit Krystallwasser zu schwerer löslichen Verbin-
oungen vereinigen oder die ganze Menge des lösen-
den Wassers als Krystallwasser binden.
In einigen seltenen Fällen sinkt bei wciterm Er-
hitzen die Löslichkeit fester Körper von einer be-
stimmten Temperatur an. Auch hier jedoch wird die
Ausnahme von der Regel durch chem. Änderungen
des Krystallwasfergehalts,undzwardurch Entstehung
schwerer löslicher wasserärmerer Verbindungen aus
wasserreichern bedingt. So zeigt z. V. Glaubersalz,
N9.2804 ^ 1011.0, bis 34" steigende Löslichkeit;
oberhalb dieser Temperatur tritt ein Sinken ein,
weil sich die Verbindung in M.^O und den schwerer
löslichen Körper N^^ ^ 11.0 zersetzt.
Bei Auflösung fester Körper findet Wärmebin-
dung, die sich in Temperaturerniedrigung kundgiebt,
statt (s. Lösungswärme), ausgenommen in Fällen,
wo die Bildung einer Krystallwasserverbindung, die
mehr Wärme entwickelt, der L. vorausgeht. So er-
hitzt sich z. V. wasserfreies Chlorcalcium beim über-
gießen mit Wasser, weil zunächst 0^ -l- 211.2^
und weiterhin ^aOI.2 ^ 61^0 gebildet wird. Die
letztere Verbindung jedoch, die kein Krystallwasser
mehr aufnimmt, löst sich unter starkem Erkalten.
L. fester Körper in Flüssigkeiten erniedrigen die
Gefrierpunkte und erhöhen die Siedepunkte der lctz-
tern. So scheidet z. B. eine L. von 10 Teilen Koch-
salz in 100 Teilen Wasser erst bei -6" 0. Eis aus
und siedet erst bei etwa 102". Beide Änderungen
sind in ihrer Größe abhängig von dem Verhältnis
der Anzahl der Moleküle beider Bestandteile der L.
und werden daher in neuerer Zeit zur Molekular-
gewichtsbestimmung benutzt (f. Molekulargewicht).
Während man früher annahm, daß bei der ein-
fachen L. die chcm. Verbindungen unzersetzt bleiben,
bat man jetzt Grund anzunehmen, daß die Elektro-
lyte dabci teilweise, und um so mehr, je verdünnter
die L. ist, in die entgegengesetzt elektrisch geladenen
Ionen gespalten werden. (S. Elektrolyse.)
Viele ebenfalls als L. bezeichneten Vorgänge sind
von verwickelten chcm. Vorgängen begleitet. Bei
der L. von Metallen, in wässerigen Säuren z. B.,
werden zunächst deren Salze gebildet, bei L. von
kohlensaurem Kalk in Salzsäure entsteht unter Ent-
wicklung von Kohlensäure und Wasser Cblorcalcium,
und erst die gebildeten Salze lösen sich darauf in
dem Wasser. - Vgl. Th. Koller, Praktische Her-
stellung von L. (Wien 1888).
über L. (Lysis) in der Medizin s. Krisis. .
Losungsrecht, s. Netrakt.
Losungsverfahren, in der österr. Zollsprache
der Verkehr mit auf ungewissen Verkauf ins Aus-
land geschickten Waren unter Gestattung der zoll-
freien Wiedereinfuhr innerhalb der auf dem zoll-
amtlichen Vermerkscheine festgesetzten Frist. Das L.
ist ferner ausnahmsweise auch zulässig für die Ein-
fuhr von Waren aus dem Auslande zur Beteiligung
bei Ausstellungen oder zu Versuchszwecken für öffent-
liche Anstalten, dann für Waren und Warenmuster,
für welche es durch Handelsverträge ausdrücklich zu-
gestanden wurde. Genaue Beschreibung oder amt-
liche Bezeichnung der Ware ist erforderlich und die
Identität wird beim Wiedereintritt geprüft. Zwi
scheu Österreich-Ungarn und Deutschland besteht L.
für den Warenverkehr auf Messen und Märkten und
für Warenmuster der Handlungsreisenden.
Lösungswcirme, diejenige Wärmemenge, die
man bei der Lösung von 1 F eines Salzes dem
Lösungsmittel (Wasser) zufügen muß, um seine
Temperatur konstant zu erhalten. Die durch die
Auslösung eines Salzes bewirkte Tempörawrernie-
drigung ist verschieden je nach der Wassermenge
und je nach der Anfangstemperatur der Lösung,
daher ist auch die L. von genannten Größen ab-
hängig. Die Erscheinung der L. wird bei den Kälte-
mischungen (s. Eismaschinen) praktisch benutzt.
Lot (L 0 th) bedeutet ursprünglich ein metallenes
Gewicht überhaupt, ist aber mit der Zeit die Be-
zeichnung eines bestimmten kleinen Handelsgewichts
geworden, das in den deutschen und Ikandinav.
Staaten ursprünglich ^2, später in Deutschland
ineist 1/30 des Pfundes war. In Oldenburg, Vraun-
schweig, Schaumburg-Lippe, Bremen, Hamburg,
Lübeck und Hannover teilte man das Zollpfund
(das halbe Kilogramm) in 10 Neulot zu 10 Quint
zu 10 Halbgramm. Die Bezeichnung Neulot für
das Dekagramm (10 3) ist seit 11. Juli 1884 gesetz-
lich aufgehoben. Das L. (als ^2 Pfd.) war allge-
mein in 4 Quentchen (Quint, Quintel) eingeteilt.
Als Gold-, Silber- und Münzgewicht war
das L. "/ia der Mark (s. d.). Außerdem war früher
das L. Probiergewicht (s. d.) für Silber, wobei man
das Gesamtgewicht der Mischung in 10 L. und
18 Gran teilte. Die in dieser Weise ausgedrückte
Feinheit einer Silberlegierung hieß daher auch
deren Lötigkeit (s. Fein). ... - < .- - -