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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Lungau; Lunge

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Lungau - Lunge

Herzöge von Lothringen, kam 1766 an Frankreich und ist bekannt durch den Frieden von L. zwischen dem Deutschen Reich und der Französischen Republik, der 9. Febr. 1801 auf der Grundlage des Friedens von Campo-Formio (s. d.) abgeschlossen wurde. Belgien und das linke Rheinufer wurden an Frankreich, Mailand und Mantua an die Cisalpinische Republik, Venedig und das Gebiet bis an die Etsch, Istrien und Dalmatien mit Cattaro an Österreich abgetreten. Den Breisgau gab Österreich dem Herzog von Modena; auch willigte es in die Errichtung des Königreichs Etrurien, wogegen der Großherzog von Toscana in Deutschland entschädigt werden sollte.

Lungau, Landschaft im österr. Kronland Salzburg, aus der alten Einteilung des Landes in vier Gaue (Flachgau, Pinzgau, Pongau und L.) entstammend, entspricht der heutigen Bezirkshauptmannschaft Tamsweg (s. d.), ist von dem übrigen Salzburg durch die hohen Radstädter Tauern, über welche nur eine Alpenstraße über den Radstädter Tauern (1738 m) führt, getrennt und gehört ganz dem Flußgebiete der Mur an, die hier entspringt.

Lunge (Pulmo), das Atmungsorgan der Wirbeltiere (mit Ausnahme der Fische) und des Menschen. Die L. bildet die Endigung der Luftröhre und ihrer Zweige und liegt beim Menschen mit dem Herzen in der Brusthöhle, und zwar drei Abschnitte (Lappen) in der rechten, zwei (und das Herz) in der linken Brusthälfte. (S. Tafel: Die Brusteingeweide des Menschen I,14,15; II,17.) Eine jede L. hat die Form eines senkrecht durchschnittenen Kegels, dessen breite konkave Basis auf dem nach oben konvexen Zwerchfell aufliegt, während seine abgerundete Spitze über den obern Rand der ersten Rippe hinausragt; die äußere konvexe Fläche der L. liegt allenthalben der Seitenwand des Brustkorbes an, wogegen ihre innere ausgehöhlte Fläche mit der gleichen der gegenüber liegenden L. eine geräumige Nische für das Herz (s. d.) und die großen Gefäße bildet. Ihre Oberfläche ist von dem dünnen, glatten, durchsichtigen Brustfell (Pleura) überzogen, welches auch die innere Brustwand und die Oberseite des Zwerchfells auskleidet und nach seiner Lage in das Rippenfell (Pleura costalis), das die Brustwand mit den Rippen, und in das Lungenfell (Pleura pulmonalis), das die Oberfläche der L. überzieht, unterschieden wird. In der Mittelebene des Körpers berühren sich die beiden Brustfelle und bilden so zwischen beiden L. eine von der Wirbelsäule nach dem Brustbein verlaufende Scheidewand, das sog. Mittelfell (Mediastinum), welches vorn und hinten einen dreieckigen Raum freiläßt, von welchem der hintere die Speiseröhre und die große Brustschlagader, der vordere das Herz und seine großen Gefäßstämme, die Luftröhre und die Thymusdrüse aufnimmt. (S. Brust.)

Die L. ist ein schwammiges, außerordentlich elastisches, unter dem Fingerdruck knisterndes Organ, das beim Durchschneiden schaumiges, mit Luftbläschen gemischtes Blut austreten läßt und bei Eröffnung der Brusthöhle zusammensinkt. Spannt sich beim Einatmen das Zwerchfell und hebt sich durch die Thätigkeit der Atmungsmuskulatur der Brustkasten, so wird die L. von der nachrückenden Luft ausgedehnt und nimmt einen größern Raum ein als beim Ausatmen. Eine aus dem Körper genommene L. läßt sich leicht aufblasen und verändert ihre bläulichrote Farbe in eine hellrosenrote. Ihr specifisches Gewicht ist wegen der im Gewebe verteilten Luft geringer als das des Wassers, weshalb L., welche geatmet haben, als Ganzes, oder in Teile geschnitten, auf dem Wasser schwimmen. (S. Lungenprobe.) Ihr absolutes Gewicht beträgt bei mäßiger Füllung mit Blut ungefähr 1-1,30 kg; bei Frauen etwas weniger. Die letzten Zweige der baumförmig verzweigten Luftröhre (s. d.) tragen eine große Anzahl halbkugelförmiger, mikroskopisch kleiner Bläschen, welche in einem Lungenlappen alle miteinander in offener Verbindung stehen, die Lungenbläschen oder Lungenalveolen (alveoli pulmonales), deren es in beiden L. gegen 1800 Mill. giebt; ihr Durchschnitt schwankt zwischen 0,11 und 0,37 mm. Auf den Lungenbläschen ist ein überaus feines Haargefäßnetz ausgebreitet, in welchem die Lungenarterien endigen und das sich zu den Lungenvenen sammelt; durch die Wandungen dieses Haargefäßnetzes hindurch findet jener beständige Austausch von Gasen zwischen dem Blut und der eingeatmeten Luft statt, auf welchem der Atmungsprozeß und damit das Leben beruht. Das dunkelrote Blut der Lungenarterien giebt nämlich in den Lungenbläschen Kohlensäure ab, nimmt dafür Sauerstoff auf und wird so zum hellroten Blute der Lungenvenen. (S. Atmung.) Die Fläche, auf der dieser Austausch zwischen der eingeatmeten Luft und dem Blute (beim erwachsenen Menschen etwa 16mal in der Minute) stattfindet, ist von Huschke auf nahezu 2000 Quadratfuß berechnet worden. Ernährt wird die L. durch das Blut der Bronchialarterie. Weiterhin enthält das Lungengewebe viele Lymphgefäße, welche mit den schwärzlich pigmentierten Luftröhren- oder Bronchialdrüsen in Verbindung stehen, und Nervenfasern, die den chem. Prozessen der L. und ihrer Empfindlichkeit vorstehen und teils dem zehnten Hirnnerven, dem sog. Lungenmagennerven, teils dem sympathischen Nerven angehören. An und für sich ist die Empfindlichkeit des Lungengewebes äußerst gering, so daß dasselbe in größerm Umfange durch Krankheitsprozesse zerstört werden kann, ohne daß eine erheblichere Schmerzempfindung erfolgt; die sog. Brust- oder Lungenschmerzen beruhen fast stets auf entzündlichen Vorgängen an dem sehr empfindlichen Lungen- und Rippenfell. (S. Brustfellentzündung.)

Bei der außerordentlichen Bedeutung des Atmungsapparates für den gesamten Lebensprozeß ist eine gehörige Pflege der Luftwege und der L. von größter Wichtigkeit. Da der Austritt der schädlichen Kohlensäure aus dem Blute in die Lungenbläschen nur dann erfolgen kann, wenn die in den letztern enthaltene Luft nicht zu reich an diesem Gase ist, so suche man stets gute frische Luft mit der gehörigen Sauerstoffmenge einzuatmen und die in den L. befindliche Luft durch kräftiges Aus- und Einatmen fleißig zu erneuern (sog. Lungenventilation). Man schütze sich besonders vor dem Einatmen von schädlichen Gasen (Kohlensäure, Kohlenoxyd, Kloakengasen, scharfen mineralischen Dämpfen) und rauchiger Luft; besonders nachteilig wirkt der Staub auf die Atmungsorgane (s. Staubinhalationskrankheiten). Vor Erkältungen, welche häufig Lungenkrankheiten zur Folge haben, suche man sich durch eine vernünftige Abhärtung (s. d.) zu schützen. - Vgl. Niemeyer, Die L., ihre Pflege und Behandlung (7. Aufl., Lpz. 1890).

Lunge, Georg, Chemiker und Technolog, geb 15. Sept. 1839 zu Breslau, studierte daselbst und in Heidelberg und war 1860-76 Chemiker an ver-^[folgende Seite]