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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Lungenerweiterung - Lungenkrankheiten

Reizmittel (starker Thee, Cognac, Wein) anzuwenden; bei eintretendem Lungenödem ist schleunigst ein Aderlaß vorzunehmen. Wahrend der Rekonvalescenz ist für eine ernährende, aber milde Diät (Milch, Eier, Fleischbrühe) sowie für eine vorsichtige Stärkung der Atmungswerkzeuge Sorge zu tragen. Als Nachkur wirkt oft der längere Aufenthalt in einem Höhenkurort günstig.

Lungenerweiterung, s. Emphysem.

Lungenfäule, bei den Haustieren alle schleichenden, mit Eiterbilduug einhergehenden Veränderungen in der Lunge. L. ist ein veralteter Name, steht aber noch in den gesetzlichen Bestimmungen.

Lungenfell, s. Brust und Lunge.

Lungenfische, Lurchfische, Doppelatmer (Dipnoi), Ordnung der Fische, welche mit den Ganoiden die Spiralklappe des Darmes und die Klappe des Arterienstiels gemeinsam hat. Ihre Schwimmblase ist durch einen Gang mit dem Darm verbunden und vermag als Lunge zu wirken. Ebenso ähneln sie den Amphibien durch ihre sich in den Gaumen öffnende Nase und durch ihre Lebensweise. Die Haut ist beschuppt wie bei den Fischen. Sie zerfallen in die drei Gattungen: Schuppenmolch (s. d.), Ceratodus Forsteri (s. d.) und Protopterus (s. d.).

Lungenflechte, s. Sticta.

Lungengangrän, s. Lungenbrand.

Lungenhernien, Vorfall der Lunge durch eine Wunde des Thorax oder infolge Erweiterung der Lungenspitze oberhalb des Schlüsselbeine.

Lungenherz, s. Herz (Bd. 9, S. 98 a).

Lungenhyperämie (Hyperaemia pulmonum, die Blutüberfüllung der Lungen, entweder die Folge vermehrten Blutzuflusses zu den Lungen (Lungenkongestion, Blutzudrang nach den Lungen) oder die Folge verhinderten Abströmens des Blutes aus den Lungen (Blutstauung in den Lungen). Die Lungenkongestion oder aktive L. kommt vorübergehend nach übermäßigen körperlichen Anstrengungen (heftigem Laufen, Tanzen, Springen u. dgl.), starken Gemütserregungen, übermäßigem Alkoholgenuß und jähem Wechsel zwischen sehr heißer und sehr kalter Luft, periodisch während der Pubertätsjahre, bei Vollblütigkeit und bei plötzlicher Sistierung menstrueller und hämorrhoidaler Blutungen vor. Mäßige Grade der Lungenkongestion machen keine Symptome; höhere Grade geben sich durch Kurzatmigkeit und erschwertes keuchendes Atemholen, durch das Gefühl von Vollsein und Beengung auf der Brust, durch trocknen, kurzen Husten, Herzklopfen, Kopfkongestionen zu erkennen. In den weitaus meisten Fällen gehen Lungenkongestionen vorüber, ohne Nachteile zu hinterlassen; mitunter steigern sie sich aber auch zu dem bedrohlichen Lungenödem (s. d.) oder führen rasch unter Beklemmung, Atemnot und Bluthusten zum Tod (sog. Lungenschlagfluß). Die Behandlung besteht in kalten Umschlägen auf Brust und Herzgegend, ruhiger Lagerung des Kranken, der Zufuhr kühler, frischer Luft und der Anwendung kräftiger Hautreize (Schröpfköpfe, Senfteige) an die Extremitäten; bei drohender Lebensgefahr ist ein Aderlaß nötig.

Die Blutstauung in den Lungen oder die passive L. findet sich am häufigsten bei Herzkrankheiten, besonders bei den Erkrankungen der Mitralklappe, ferner bei Verkrümmungen der Wirbelsäule und Verbildungen des Brustkorbes sowie bei hochgradiger Herzschwäche, wie sie beim Altersmarasmus und nach erschöpfenden Krankheiten, namentlich Typhus, häufig vorkommt. Wenn schwächliche Kinder und Greise oder fiebernde und bewußtlose Kranke anhaltend auf dem Rücken liegen, so staut sich das Blut in den hintern Partien der Lungen an (sog. Blutsenkung oder Hypostase) und giebt leicht Veranlassung von Lungenentzündung oder tödlichem Lungenödem. Man muß deshalb solche Kranke abwechselnd bald auf die rechte, bald auf die linke Seite legen, sie möglichst hoch lagern und ihre geschwächte Herzthätigkeit durch zweckmäßige Reizmittel (starke Fleischbrühe, Wein, Kampfer) anregen. Die passiven L. Herzkranker erfordern angemessene Behandlung des betreffenden Herzleidens.

Lungenhypostase, s. Lungenhyperämie.

Lungeninduration, s. Lungenschrumpfung.

Lungeninfarkt (hämorrhagischer oder hämoptoischer Infarkt der Lungen), eine umschriebene, erbsen- bis apfelgroße blutige Infiltration des Lungengewebes, bei welcher die Lungenbläschen eines größeren oder kleinern Lungenabschnitts mit ausgetretenem Blute prall erfüllt und funktionsunfähig sind. Der L. entsteht zumeist im Gefolge von Herzkrankheiten und von Venenentzündungen durch plötzlich eintretende Verstopfung der Lungenarterienäste (s. Embolie), wodurch es zur Zerreißung seiner Blutgefäße und zum Blutaustritt in die Höhle der Lungenalveolen und in das Lungengewebe selbst kommt. Verstopfung großer Lungenarterienäste kann plötzlichen Tod unter Konvulsionen nach sich ziehen; kleinere L. heilen gewöhnlich, indem das ausgetretene Blut allmählich wieder resorbiert wird und eine pigmentierte Narbe zurückbleibt. Die Symptome des L. gleichen vielfach denen der Lungenentzündung, nur ist meist kein oder nur ein sehr mäßiges Fieber vorhanden. Die Behandlung ist eine rein symptomatische.

Lungenkatarrh, s. Bronchialkatarrh.

Lungenkavernen, erbsen- bis faustgroße Höhlungen im Lungengewebe, ein häufiges Attribut der Lungenschwindsucht (s. d.).

Lungenkongestion, s. Lungenhyperämie.

Lungenkrampf, soviel wie Asthma (s. d.).

Lungenkrankheiten. L. sind im Verhältnis zu den übrigen Organerkrankungen überaus häufig, was bei dem ungemein zarten Gewebe und dem großen Blutreichtum der Lungen und bei der Leichtigkeit, mit welcher mancherlei mechanisch und chemisch reizende Schädlichkeiten der Außenwelt vermittelst des Atmungsprozesses durch die Luftwege in das Lungengewebe gelangen können, nicht wundernehmen kann; sie bedürfen von Anbeginn an aufmerksamster Beobachtung und sorgsamster Pflege, da sie oft genug bei Vernachlässigung dauerndes Siechtum oder frühzeitigen Tod zur Folge haben. Zu den häufigsten L. zählen die Blutüberfüllung der Lungen (s. Lungenhyperämie), der Lungen- oder Bronchialkatarrh (s. d.), die verschiedenen Formen der Lungenentzündung (s. d.) und die Lungenschwindsucht (s. d.); unter gewissen Verhältnissen kommt es auch in den Lungen zur Bildung von Abscessen (s. Lungenabscesse) oder zum brandigen Absterben größerer Gewebspartien (s. Lungenbrand). Verlust der Elasticität des Lungengewebes und Ausdehnung der Lungenbläschen durch Schwund der Zwischenwände findet sich häufig bei chronischen Katarrhen und stellt als Lungenerweiterung oder Emphysem (s. d.) eine der häufigsten Ursachen des Asthma dar, wogegen krampfhafter Verschluß der feinern Luftröhrenzweige