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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Magnesiumblitzlicht - Magnesiumoxyd

stellten es zuerst aus seinen Verbindungen dar; in größern Mengen wurde es von Bunsen auf elektrischem Wege erhalten und 1860 von Deville und Caron in den Kreis der industriellen Metalle eingeführt. Man stellte es bisher ganz analog dem Aluminium durch Reduktion von Chlormagnesium mit Natrium dar. Neuerdings gewinnt man es billiger durch Elektrolyse aus Carnallit. Nach dieser von Graetzel eingeführten Neuerung ist der Preis des M. auf 30-40 M. für 1 kg zurückgegangen, während er 1884 noch 80 M. und 1874 sogar 450 M. für 1 kg betrug. Das M. ist silberweiß, nicht sehr hart und läßt sich feilen, bohren, sägen und zu Blech auswalzen; es schmilzt bei 750° und siedet bei etwas über 1000° C und kann daher überdestilliert werden. Es oxydiert an der Luft bei gewöhnlicher Temperatur kaum, entzündet sich etwas oberhalb seines Schmelzpunktes und verbrennt mit blendendweißem Licht zu Magnesiumoxyd. Sein spec. Gewicht ist 1,7. Das Wasser zersetzt es selbst beim Kochen nur langsam. Vorderhand ist die Anwendung des M. noch beschränkt. Man verwendet es zur Erzeugung heller Flammen (s. Magnesiumlicht). Als Zusatz zu Legierungen reinigt es dieselben von schädlichen Beimengungen. Ein geringer Zusatz zu Neusilber verhindert, daß Zink- und Nickeloxyde in der Schmelze bleiben. Nickel läßt sich durch Zusatz von M. hämmern, walzen und zu Draht ziehen. Die Verbindungen des M. sind denen des Zinks ähnlich. (S. Magnesiumbromid, Magnesiumcarbonat, Magnesiumchlorid, Magnesiumoxyd, Magnesiumphosphat, Bittersalz.) Offizinell sind: M. carbonicum (s. Magnesiumcarbonat), M. citricum effervescens (s. Citronensäure), M. sulfuricum (Bittersalz, s. d.), M. sulfuricum siccum, entwässertes Magnesiumsulfat, und die Magnesia usta (s. Magnesiumoxyd).

Magnesiumblitzlicht, durch Einblasen eines Gemenges von Magnesiumpulver und salpetersaurem oder übermangansaurem Kalium in eine Flamme, wird in der Photographie verwendet. (S. auch Magnesiumlicht und Magnesialicht.)

Magnesiumblitzphotographie, s. Photographie.

Magnesiumbromid, Brommagnesium, MgBr2, dem Chlormagnesium sehr ähnliche Magnesiumverbindung, findet sich im Meerwasser, in Solquellen und in den Abraumsalzen.

Magnesiumcarbonat, MgCO3, kommt als Magnesit in der Natur vor. Es ist künstlich nicht darstellbar, da beim Vermischen von löslichen Magnesiumsalzen mit kohlensaurem Alkali unter Abscheidung von Kohlensäure basische Verbindungen entstehen. Letztere bilden die Magnesia alba, das Magnesium carbonicum der Pharmakopöen. Zu ihrer Darstellung wird eine konzentrierte Lösung von eisenfreiem Magnesiumchlorid kalt, unter starkem Umrühren mit einer konzentrierten Lösung von Natriumcarbonat gefällt. Der gelatinöse Niederschlag wird auf einem Filter mit kaltem Wasser gewaschen, wobei er allmählich dicht und körnig wird. Nach beendigtem Auswaschen wird der Niederschlag in einem geräumigen Kessel in Wasser verteilt und unter beständigem Umrühren vorsichtig auf eine Temperatur von 65-70° erhitzt. Bei diesem Wärmegrade giebt das Salz eine gewisse Menge von Kohlensäure ab und verwandelt sich in eine basischere Verbindung. Sobald die ersten Kohlensäurebläschen sich zeigen, ist die Erhitzung sofort zu unterbrechen und der ganze Inhalt des Kessels rasch auf ein bereit stehendes, großes, flaches, kastenförmiges Filter zu entleeren. Während der Filtration geht die weitere Zersetzung vor sich, wobei die sich entwickelnde Kohlensäure auf gleiche Weise lockernd auf den Niederschlag wirkt, wie beim Backen des Brotteigs. Nach dem Ablaufen des Wassers wird der Niederschlag in viereckige Stücke zerteilt und in sehr mäßiger Wärme getrocknet. Bei richtiger Ausführung der beschriebenen Operationen erhält man eine äußerst lockere, leichte, schneeweiße Masse, deren Zusammensetzung nicht ganz konstant ist, aber annähernd der Formel 3 MgCO3.Mg(OH)2 + 4 H2O entspricht. Man benutzt sie in der Heilkunde gegen Magensäure, als gelindes Abführmittel, äußerlich auch als austrocknendes Mittel bei Hautleiden, zu Puder, Zahnpulver u. s. w., technisch in der Appretur. Im Großhandel kosten (1896) 100 kg 56-58 M. Von Wasser, das Kohlensäuregas absorbiert enthält, wird das M. zu dem Maguesiumhydrocarbonat, Mg(CO3H)2, gelöst. Dieses zersetzt sich sehr leicht, schon wenn die Lösung an der Luft steht und die Kohlensäure entweichen kann, unter Abscheidung eines schön krystallisierenden wasserhaltigen M., MgCO3 + 4 H2O.

Magnesiumchlorid, Chlormagnesium, MgCl2, kommt vor im Meerwasser, in Solquellen, denen es den bittern Geschmack erteilt, in verschiedenen Abraumsalzen (Carnallit, Kainit, Tachyhydrit uud Voracit). Im wasserfreien Zustande erhält man es durch Erhitzen des Doppelsalzes MgCl2.NH4Cl + 6 H2O als blätterige, bei schwacher Rotglut schmelzende und flüchtige Masse. Aus wässerigen Lösungen krystallisiert MgCl2 + 6 H2O in farblosen, zerfließlichen, nadelförmig gebildeten Prismen, die in sehr wenig Wasser, auch in Alkohol leicht löslich sind. Mit Chlormetallen bildet das M. Doppelsalze, z.B. Kalium-Magnesiumchlorid (den Carnallit, s. d.), Calcium-Magnesiumchlorid (den Tachyhydrit, s. d.), M. mit Kalium-Magnesiumsulfat (den Kainit, s. d.). Wegen seiner Zerfließlichkeit wird das M. zum Schlichten der Fäden bei der Herstellung baumwollener Gewebe verwendet. Auch gebraucht man es zur Zersetzung abfallenden Seifenwassers, zum Reinigen des Gases vom Ammoniakgehalt und als Klärungs- und Neutralisationsmittel bei der Verarbeitung von Zuckersäften. Im Großhandel kosten (1896) 100 kg des rohen M. 6-8 M., des reinen 46 M.

Magnesiumhydrocarbonat, s. Magnesiumcarbonat.

Magnesiumlicht, das durch Verbrennen von Magnesiumdraht oder Magnesiumpulver erzeugte Licht. Es zeichnet sich durch große Helligkeit und Reichtum an chemisch wirkenden Strahlen aus, weshalb es zum Photographieren in dunkeln Räumen verwendet wird. Man bedient sich dabei besonderer Lampen, die eine selbstthätige Vorschiebung des verbrennenden Drahtes oder Pulvers bewirken. Für Signalfeuer bestehen folgende Sätze: Weißes Feuer: 1 Teil Schellack, 6 Teile salpetersaurer Baryt, 2,5 Proz. Magnesiumpulver; rotes Feuer: 1 Teil Schellack, 5 Teile salpetersaures Strontium, 2,5 Proz. Magnesiumpulver. (S. auch Magnesiumblitzlicht, Magnesialicht und Chathamlicht.)

Magnesiumoxyd, Magnesia usta (gebrannte Magnesia), MgO, kommt in der Natur als Periklas vor; es entsteht beim Verbrennen von Magnesium und wird durch schwaches Glühen von Magnesiumhydrocarbonat (s. Magnesiumearbonat) erhalten. So gewonnen, ist das M. ein lockeres weißes Pul-^[folgende Seite]