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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Mälarsee - Malchin

die Luft in sumpfigen, von Fiebern heimgesuchten Gegenden. Man nahm früher an, daß durch sie die Fieber, die man deshalb kurzweg auch als Malariafieber bezeichnet, erzeugt würden, und stellte sich dabei vor, daß im Boden solcher Gegenden durch Zersetzungsvorgänge der organischen Stoffe, welche durch die feuchte (sumpfige) Beschaffenheit desselben unterhalten würden, gasförmige oder flüchtige Körper (Sumpfluft, Sumpfmiasmen) gebildet würden, welche schädlich auf den Körper der Bewohner einwirkten. Insbesondere glaubte man, daß die Nacht der Entwicklung dieser Miasmen sehr günstig sei, weil sehr häufig Leute, welche während der Nacht im Freien geblieben, fast unmittelbar vom Fieber befallen wurden. Am schlimmsten zeigen sich sumpfige Gegenden in den Tropen, doch kommt die M. auch in der gemäßigten Zone vor. Berüchtigt ist von alters her die Umgebung Roms (die Pontinischen Sümpfe). Nach den neuern Erfahrungen über die Entstehung von Krankheiten besteht kein Zweifel mehr, daß nicht gasförmige oder flüchtige Stoffe, sondern kleine Lebewesen die Erreger der Malariaerkrankungen sind. Im Blute der an Wechselfieber erkrankten Menschen finden sich solche Lebewesen. Im Boden der Malariagegenden sind solche jedoch noch nicht nachgewiesen worden. Die wichtigste Malariakrankheit ist das Wechselfieber (s. d.), das je nach Ort und Erscheinungen verschieden benannt wird (Kaltes Fieber, Dschungelfieber, Malariafieber). Häufig wird es als M. kurzweg bezeichnet. Durch Verminderung der Feuchtigkeit des Bodens (Drainage) und Bodenkultur können Malariagegenden gesund gemacht werden; Bepflanzungen mit stark wasserentziehenden Gewächsen werden vielfach zur Beseitigung der Malariakrankheiten ausgeführt. Wo ohne auffallend feuchten Boden Malariakrankheiten vorkommen, ist der sehr poröse Untergrund gewöhnlich mit organischen Stoffen stark überladen.

Mälarsee, einer der schönsten Landseen Schwedens, erstreckt sich, bis 50 km breit, von Stockholm über 130 km bis an die Mündung der Arboga-å und bedeckt, die 1260 Inseln (489 qkm) abgerechnet, 1162,6 qkm. Der See ergießt sich bei Stockholm in die Ostsee, mit welcher er außerdem durch den Södertelge-Kanal in Verbindung steht. Bald wie ein Fluß, bald wie ein Becken (Fjärd) gestaltet, zeichnet er sich aus durch seine Arme und Buchten, die wechselnde Einfassung von Klippen, Felsen und Landspitzen, bewaldeten Höhen und ebenen Fluren. An und in dem See zählt man gegen 200 Schlösser und Herrensitze nebst zahllosen Villen und Landhäusern. Die mittlere Tiefe ist etwa 20 m, die größte in Prestfjärden 64 m. Die Schiffahrt auf dem See ist überaus lebhaft. Unter den Flüssen sind zu erwähnen: Fyris-å, durch Kunst schiffbar bis Upsala, mündet in den Skoln, einen noröstl., abgesonderten Arm des Sees; Kolbäcks-å, mündet bei dem Schlosse Strömsholm, teils durch Kunst vertieft, teils an der Seite mit Kanälen und Schleusen versehen, so daß dadurch ein wichtiger, 110 km langer Wasserweg für kleinere Fahrzeuge (der Strömsholms-Kanal genannt) bis in den See Barken in Dalarna eröffnet wird; Arboga-å, schiffbar bis Arboga (22 km), von welcher der Hjelmarekanal in den südwestlicher gelegenen bedeutenden See Hjelmar (s. d.) hinaufführt; Eskilstuna-å (oder Hyndevads-å), der Abfluß des Hjelmarsees, schiffbar aufwärts durch einen kurzen Kanal mit Schleuse bis Eskilstuna.

Malaspina, edle Familie in Italien, die eine reichsunmittelbare Markgrafschaft in der Lunigiana im 12. Jahrh. begründete, zu der im 14. Jahrh. auch Massa-Carrara kam. Der guelfischen Partei angehörig, nahmen die M. kräftig teil an den Kämpfen der Lombarden gegen die Hohenstaufen. Wertvoll ist die guelfisch gefärbte Geschichte von Sicilien (1250-76; Muratori, "Rerum italicarum scriptores", Bd. 8), welche der Sekretär Papst Johanns XXI., Saba M. (gest. gegen 1280), schrieb; dagegen hat Scheffer-Boichhorst ("Florentiner Studien", Lpz. 1874) nachgewiesen, daß die früher hoch geschätzte Chronik ("Istoria fiorentina") des Ricordano M. (gest. um 1287) ein bloßer Auszug aus dem später lebenden Villani ist.

Malate, die Salze der Apfelsäure.

Malatesta, vornehme röm. Familie in der Romagna, die auf seiten der Guelfen und des Papstes eine bedeutende Rolle im 13., 14. und 15. Jahrh. spielte; sie gewannen unter anderm Cesena, Pesaro, Fano und Fossombrone, verloren diese Gebiete aber bald wieder an die Kirche. Besonders zu nennen sind: Paolo M., der Geliebte der Francesca da Rimini (s. d.), der Söldnerführer und Kunstmäcen Pandolfo M. (1377-1427) und sein Sohn Ghismondo M. (1417-68), den Pius II. wegen seines Unglaubens und seiner Angriffe auf den nördl. Kirchenstaat in den schärfsten Ausdrücken (Bulle vom 25. Dez. 1460) verdammte. 1503 verkaufte der letzte M., Pandolfo, Rimini an die Venetianer, nachdem er schon 1500 von Cesare Borgia (s. d.) verjagt worden war. - Vgl. Yriarte, Un condottiere au XV siècle (Par. 1882); Litta, Famiglie celebri italiane (Bd. 11); E. Tonini, La cultura letteraria e scientifica in Rimini ect. (2 Bde., Rimini 1884).

Malatie oder Malatia, im Altertum Melitene, Stadt in Türkisch-Armenien, im Wilajet Diar-bekr oder Kurdistan, in 650 m Höhe, westlich vom Euphrat, zählt etwa 20 000 E., darunter 6000 armenische Christen. Die gesamte Stadt des frühern Asbusu ist ein gewaltiges Gartenfeld. Alt-Malatia, einst 5000 Häuser zählend, ist jetzt völlig verfallen.

Malau, ein Stamm der Dajak (s. d.).

Malaxieren (lat.), erweichen, kneten.

Malayalam, s. Malajalam.

Malayen, s. Malaien.

Malbaum, Maalbaum, der Baum, an dem sich Rot- oder Schwarzwild nach dem Suhlen gerieben und Schmutz zurückgelassen hat.

Malberg, bad. Stadt, s. Mahlberg.

Malbergische Glossen, s. Salisches Gesetz.

Malchen, Berggipfel, s. Melibocus.

Malchin, Stadt im Herzogtum Güstrow des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin, an der Peene zwischen dem Kummerower und dem Malchiner See (9 km lang, 2 km breit), dessen Umgebung die Mecklenburger Schweiz genannt wird, an der Linie Lübeck-Strasburg (Ukermark) und der Nebenlinie M.-Waren (27,6 km) der Mecklenb. Friedrich-Franz-Eisenbahn, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Güstrow) und Aichamtes, hat (1895) 8020 (1890: 7298) E., Postamt erster Klasse, Telegraph, in der Johanniskirche eine der schönsten Kirchen des Landes (13. Jahrh.), Synagoge, neues Rathaus, in dessen Sälen der mecklenb. Landtag gehalten wird, Realgymnasium, Bürger-, 2 Privatmädchenschulen, Armen-, Krankenhaus: eine Maschinenwerkstatt, Imprägnieranstalt, Molkerei, Zuckerfabrik, Dampf-^[folgende Seite]