Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

589
Maria (von Ägypten) - Maria (von Burgund)
3) M., die Mutter des Apostels Iakobus des Jün-
gern; 4) M., die Mutter des Markus; 5) M., eine
Gläubige zu Rom.
Maria von Ägypten, die Heilige. Nack der
Legende hat sie in ihrer Jugend ein ausschweifen-
des Leben geführt; danach schloß sie sich einem
Wallfahrtszuge nach Jerusalem zum Feste der Kreu-
zeserhöhung an, durste auf die Fürbitte der Mutter
Gottes das Kreuz Christi berühren und wurde durch
die Berührung bckehrtund lebte 47 Jahre als Büßerin
in der Wüste jenseit des Jordans. Hier fand sie
der Abt Zosimas, der sie mit seinem Pallium be-
kleidete, ihr das Abendmahl reichte und sie nach
ihrem Tode mit Hilfe eines Löwen bestattete. Ihr
Gedächtnistag ist in der griech. Kirche der 1. April,
in der römisch-katholischen der 9. April.
Maria Theresia, deutsche Kaiserin, Köni-
gin von Ungarn und Böhmen, Erzherzogin von
Österreich s1740-80), Tochter Kaiser Karls VI.,
wurde 13. Mai^1717 zu Wien geboren und durch die
Pragmatische Sanktion (s. d.) zur Thronsolgerin be-
stimmt. Am 12. Febr. 1736 heiratete sie den Herzog
Franz Stephan von Lothringen, der bald darauf sein
Stammland mit dem Grohhcrzogtum Toscana ver-
tauschen muhte und 1745 unter dem Namen Franz I.
(s. d.) zum röm.-deutschen Kaiser erwählt ward.
Nach dem Tode ihres Vaters, 20. Okt. 1740, bestieg
M. T. den Thron der österr. Erblande, worauf sie
21. Nov. 1740 ihren Gemahl als Mitrcgenten an-
nahm, doch ohne ihm jemals einen namhaften Ein-
fluß einzuräumen. Sie fand die Monarchie er-
schöpft, die Finanzen zerrüttet und das Heer kaum
100000 Mann stark. Um so gefährlicher war es,
daß Kurfürst Karl Albreckt von Bayern <s. Karl VII.),
mit Unterstützung Frankreichs, ihr den Besitz der
österr. Länder streitig machte, Friedrich II. von
Prcnßen Schlesien angriff (s. Echlesische Kriege)
und auch andere Fürsten Ansprüche auf einzelne
Teile der österr. Monarchie erhoben. Allmäblich
bildete sich eine große Koalition, der Frankreick,
Preußen, Bayern, Kurpfalz, Sachsen, Sardinien,
Neapel und Spanien beitratcn (s. Osterreickisckcr
Erbfolgetrieg). Während Friedrich II. den größten
Teil Schlesiens einnahm, Spanien und Neapel der
österr. Besitzungen in Italien sich bemächtigten,
eroberten Franzosen, Bayern und Sachsen einen
Teil der deutschen Erbländer. M. T. hätte unter-
liegen und ihr Reich der Zerstückelung verfallen
müssen, wenn nicht der Beistand Englands, die,
allerdings durch polit. Konzessionen erkaufte Treue
der Ungarn sowie die Uneinigkeit der Feinde sie ge-
rettet bätten. Der Aachener Friede (s. d.) beendigte
18. Okt. 1748 den Erbfolgekrieg, in dem, außer
Schlesien und Glatz, nur die Herzogtümer Parma,
Piacenza und Guastalla für die östcrr. Monarchie
verloren cMgeu. Aber M. T. suchte Bundesgenossen,
um sich an Friedrich II. zu rächen. Zunächst wurde
Rußland gewonnen, und dann gelang es dcm
Staatskanzler Grafen Kaunitz, auch Frankreich auf
die österr. Seite hinüberzuziehen. Der Allianz, bei
der es auf eine vollständige Zerstückelung Preußcus
abgesehen war, traten auch Schweden, Sachsen
u. s. w. bei. Die Folge davon war der Ausdruck
des Siebenjährigen Krieges (s. d.), der nach schweren
Kämpfen im Hubertusburger Frieden 15. Febr.
1763 mit gegenseitiger Anerkennung des vorigen
Besitzstandes endigte. Bald nachher starb Kaiser
Franz I. (18. Aug. 1765), und die Kaiserin nabm
nun ihren ältesten Sohn, den Kaiser Joseph II.,
als Mitregenten an. Bei der ersten Teilung Polens
<2. Aug. 1772) erwarb M. T. das Königreich Ga-
lizien, und die Türkei muhte (1775) die Bukowina
abtreten; serner verschaffte der mit dem Frieden zu
Teschen 13. Mai 1779 endende Bayrische Erbfolge-
trieg (s. d.) Osterreich den Innkrcis.
Im Innern war die Regierung M. T.s eine Zeit der
langsamen und vorsichtigen Reformen. Es begann
eine größere Centralisation, wenigstens für die deut-
scken Erblande, während die Länder der Krone
Ungarn, die ital. und belg. Provinzen ihre beson-
dere Verwaltung behielten. Das Kriegswesen ward
durch Daun und Lacy zum Teil nach preuß. Muster
reorganisiert. Gegenüber dem Klerus ward 1747
das landesherrliche Placct für die päpstl. Bullen
und bischöfl. Erlasse eingeführt, die Vermehrung der
geistlichen Güter verboten sowie viele Wallfahrten
und Feiertage abgeschafft. Das Unterrichtswesen
wurde verbessert und unter die Aufsicht des Staates
gestellt, Volts- und andere Schulen, Akademien,
Waisenhäuser und Spitäler gegründet. Auch die
Rechtspflege wurde verbessert und 1753 eine Kom-
mission bestellt, die ein allgemeines Gesetzbuch ent-
werfen sollte, jedoch nur ein Strafgesetzbuch 1768
publizierte; auch erfolgte 1776 die Abschaffung der
Folter. Ferner milderte die Kaiserin die Leibeigen-
schaft des Bauernstandes und beschränkte die Fron-
dienste; Ackerbau, Gewerbe und Handel nahmen
einen großen Ausschwung. M. T. starb 29. Nov.
1780; Joseph II., seit 1765 Kaiser, solgte ihr in der
Regierung. (Über ihre Nachkommen s. Habsburg.)
M. T. war eine der bedeutendsten Herrscherinnen,
die auf dem österr. Tbron gesessen haben; mit männ-
licher Entschlossenheit hielt sie sich im Unglück auf-
recht. Sie war eine echte Landesmutter, voll war-
mer Liebe zum Volke, daher auch außerordentlich
beliebt. Dem Fortfchritt in wirtschaftlicher Ve-
ziebung durchaus nicht abgeneigt, war sie eine strenge
Katholikin und Feindin der religiösen Aufklärung.
Statuen von M. T. finden sich in Klagenfurt (von
Pönninger), Wiener-Neustadt (von Hans Gasser),
Wien lvon Zumbusch). - Vgl. Wolf, Aus dcm Hof-
leben M. T.s (Wien, 2. Aufl. 1859); Arneth, Ge-
schickte M. T.s (10 Bde., ebd. 1863-79); oers.,
M. T. und Joseph II., ihre Korrespondenz (3 Bde.,
ebd. 1867); Briefe der Kaiserin M. T. an ihre Kinder
und Freunde, hg. von Arneth (4 Bde., Wien 1881);
Wolf und Zwiedineck-Südenhorst, Osterreich unter
M. T. (in Onckens "Allgemeiner Geschichte in Einzel-
darstellungen", Verl. 1884); Arneth, M. T. (Lpz.
1888); Herrmann, M. T. als Gesetzgeberin (Wien
1888); de Villermont, Nai-iß Ni^86 (2 Bde.,
Brüss. 1895).
Maria,Königin von Bayern,geb.15.Okt. 1825
als Tockter des Prinzen Wilhelm von Preußen,
vermählt 12. Okt. 1842 mit dem spätern König
Mar ll. Joseph von Bayern, seit 10. März 1864
Witwe, lebte seitdem in gänzlicher Zurückgezogen-
beit und trat 12. Okt. 1874 zur kath. Kirche über.
Sie starb 17. Mai 1889 auf schloß Hohenfchwangau.
- Vgl. M. Schultze, M., Königin von Bayern
(Mün'ch. 1892).
Maria von Burgund, Erbtochter Karls des
Kübnen, geb. 13. Febr. 1457 zu Brüssel, verheira-
tete sick, nachdem die Verhandlungen über eine Ehe
mit dem Dauphin zu Peronnc an den Forderungen
Ludwigs XI. von Frankreich wie an dem Wider-
willen der flamländ. Bevölkerung gescheitert waren,
21. April 1477 durch Prokuration und 19. Aug.