Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

605
Mariut - Mark (Münze)
Mariut, Sumpfsec, s. Mareotis.
Marivaudage (spr.-wodahsch'), s. Marivaux.
Marivaux (spr. -woh), Pierre Carlct de Cham-
Er verfaßte 28 Lustspiele, 1 Tragödie, 4 Romane,
Travestien und Schriften moralisierenden Inhalts.
In seinen Lustspielen behandelt M. in zierlicher,
bisweilen gewundener Sprache und in oft fcharf zu-
gespitztem Dialog Verwicklungen, die aus den gar-
ten Regungen und feinen Bedenken der von Liebe
oder Freundschaft bewegten Gemüter hcrvorgeben.
Schon die Zeitgenossen nannten seinen geistreichen
und anmutigen, aber bis zur Manier getriebenen
poet.StilMarivaudage. Am meisten Glück mach-
ten "1^03 Mix ä" 1'mnoni- et lin Iil^lN'ä" (1730),
"1^63 s3.U8868 c0NÜcl6N068" (1738), "1^0 1o^8" (1736)
und "1^3. M01'O coniiä^nw" (1735). Seine abenteuer-
reichen Liebesromane, worunter die besten: "Via
äs Nai-ianno" (3 Bde., 1731-30) und "1^6 M^8kn
Mi'v6iniy (4 Bde., 1735; neue Ausg. von Tuviquet,
2 Bde., Par. 1865), sind zum Teil in Opposition
gegen den gleichzeitigen lasciven Roman geschrieben
und nicht ohne Verdienst, während die Travestien
zu Homer bedeutungslos sind. Dem engl. Vorbild
kam M. bei weitem nicht nahe in seiner litterar.-
kritischen Wochenschrift, dem "^pecwteni- ii-ln^lN8".
Eine Sammlung seiner dramat. Werke erschien 1748
<5 Bde., Paris); seine sämtlicken Werke wurden von
Duviquet herausgegeben (10 Bde., ebd. 1827-30);
eine Auswahl seiuer Dramen besorgten Moland
(ebd. 1875) und d'Heylli (ebd. 1870).'- Vgl. Lar-
roumet, HI., 8k viß et 808 wuvi-63 (Par. 1883;
neue Aufl. 1894); Vrunctiere in der "Ilevns ä"8
I)6UX ^I0nä68", April 1881, Dez. 1883.
Märjelensee, s. Aletschgletschcr.
Mark (^iLäuUlr), in der Anatomie die im In-
nern von Höhlen und Kanälen befindliche wcicke
Substanz, wie in den Knochen (Knochenmark,
s.Knochen), den Nerven (Nervenmark), der Rück-
gratshöhle (Rückenmark) u. s. w. - über ver-
längertes M. s. Gehirn (Bd. 7, S. 6761)).
In der Botanik nennt man M. den innern,
meist aus parcnchymatischen Zellen bestehenden Teil
der Stammorgane und Wurzeln. Bei den meisten
Wurzeln, in denen ein M. vorhanden ist, hat das-
selbe nur einen sehr geringen Durchmesser. In den
Stammorgancn sind die Dimensionen des M. bei
den einzelnen Pflanzen sehr verschieden. Während
bei einigen, hauptsächlich bei knollenartig verdickten
Partien, wie z. B. in den Kartoffelknollen, das M.
eine ganz bedeutende Ausdehnung erreicht, bildet es
bei andern nur einen sehr dünnen Cylinder, so in
den Stämmen vieler Bäume, z. B. der Nadelhölzer.
Im Iugendzustande der Stämme und Wurzeln ist
das M. aus safterfüllten lebenden Zellen zusammen-
gesetzt, die meist reichlich Reservcstoffe, Stärke
u. dgl. enthalten; später sind die Zellen des M. bei
vielen Pflanzen entweder ebenfalls noch lebend uud
in den überwinternden Partien oft ganz mit Stärke
erfüllt, oder sie sterben ab, ihr Inhalt vertrocknet
llnd an Stelle desselben tritt Luft. Das M. er-
langt dadurch meist eine weiße Farbe, wie das be-
kannte Holundermark. Häufig wird auch der Zu-
sammenhang der Zellen aufgehoben, sie zerreißen,
und es entsteht schließlich eine sog. Markhö bluug
oder Markröhre, wie bei den zahlreichen hohlen
Stengeln. Diese Markhöblungen erreichen oft große
Weite, wie z. V. bei vielen Ilmbelliferen und beson-
ders bei manchen Gräsern, vor allem bei dem Bam-
busrohr. Gewöhnlich stellen sie jedoch keine ununter-
brochene Röhre dar, sondern sind an den Knoten durch
Gewebcplattcn, sog. Diaphragmen, abgetrennt.
Mark (althochdeutsch inai-cii^), Grenze, Grenz-
gebiet, bezeichnet ebenso wie Markung die Grenze
eines Landes oder Bezirks u. s. w., daher Markstein
und Markscheide, und endlich auch das von bestimm-
ten Grenzen umschlossene Gebiet selbst, daher Dorf-
mark, Feldmark, Holzmark, wüste Mark u. s. w.
In letzterer Bedeutuug gebrauchte man im Mittel-
alter das Wort M. auch von ganzen Ländern, und
insbesondere von den Teilen größerer Länder, die
an der äußersten Grenze lagen. Das Fränkische
Reich hatte sechs solcher M.: die bretoni^'che, spa-
nische, friaulische, österreichische, serbische und dä-
nische. Ebenso Hiesien im Deutschen Reich die nacl>
und nach den Slawen, Ungarn und andern feind-
lichen Nachbarvölkern entrissenen Landesteile Mar-
ken, und insofern sie einem kaiscrl. Markgraf (s. d.)
anvertraut waren, welcher die neuen Grenzen zu
überwachen hatte, Markgraffchaften. Solche M.
waren die M. Österreich, Nordsachsen oder Bran-
denburg, Meißen, Lausitz, Mähren, Steiermark
u. s. w. Auch bezeichnet man in einigen Gegenden
Deutschlands mit M. noch jetzt kleinere, geschlossene,
einer Gemeinde oder einem Gutsbesitzer gehörige
Bezirke (Dorfmark, Flurmarkuug, Hofmark). S. auch
Markgenossenschaften.
Mark, eigentlich die Hälfte des in 32 Lot
geteilten kölnischen Pfundes, war bis 1857 die
Gewichtseinheit, die dem deutschen Münzwesen zu
Grunde lag, sowie als Gold- und Silbergewicbt
im Handel und in der Fabrikation diente. Die
Schwere der kölnischen M. ist nach Untersuchungen
des ältesten in Köln noch vorhandenen Mustcr-
eremplars von 1705: 233,8120 F. Die in den ver-
schiedenen deutschen Staaten bei der Ausmünzung
üblichen sog. "kölnischen" Markgewichte wichen nur
unbedeutend von dieser wahren kölnischen M. ab; die
preußische (auch in Vraunfchweig, Frankfurt a. M.
und Württemberg eingeführte) M. (z. B. das halbe
preuh.Pfilnd), welche 1838 die Münzmark aller Staa-
ten des Deutschen Zollvereins wurde, war ^233,8555
F, die "Wiener-kölnische" M. ^233,89 F. DieinOster-
reich beim Münzwesen und als Silbergcwicht vor-
zugsweiseüblich geweseneWiencrM.war ^ 280,6683
^ genau 1^/5 Wiener-kölnische M. Die französische
(alte Pariser) M. war ^244,7529, die holländische
Troymark ^ 246,0839 F. Auch in Dänemark und
Norwegen war bis in die neueste Zeit und in
Schweden bis 1830 als Gold-, Silber- und Münz-
gewicht eine M. von verschiedener Schwere in An-
wendung, in Frankreich früher ein Naic, in Ober-
und Mittelitalien, Spanien und Portugal ein
N^rco. (S. Arratel.) In Deutschland und den Nach-
barländern hatte die M. meist 10 Lot zu 18 Gran; bei
der Feinheitsbestimmung des Goldes aber 24 Karat
zu 12 Gran. (S. Lot und Probiergewicht.)
Mark (Zeichen ^), Geldeinheit nach den Ge-
setzen vom 4. Dez. 1871 und 9. Juli 1873, die seit
1. Jan. 1876 im Deutschen Reiche in Geltung ist.
Die M. wird in 100 Pfennige geteilt. Die deut-
schen Silbermünzen, von welchen 200 M. aus dem
Kilogramm fein geprägt werden, so daß die Silber-
mark ^ 5 8 fein Silber ist, haben die Eigenschaft
von Scheidemünzen. Man prägt in Silber Stücke
zu 1, 2 und 5 M., zu 50 Pf. C/^M.) und (bis End5