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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Märker - Markgenossenschaften
1883/84 zu Paris zwischen Frankreich, Italien,
Hpanien, Belgien, den Niederlanden, der Schweiz,
Portugal, Brasilien, Serbien und Guatemala
abgeschlossen worden; seitdem sind noch beige-
treten: Großbritannien, Tunis, San Domingo
<1884), Schweden und Norwegen (1885), die Ver-
einigten Staaten von Amerika (1887), die ostind.
Kolonien der Niederlande (1888), Surinam und
Curacao (1890). Nach dieser Konvention genießen
die Bürger oder Unterthanen eines jeden der ver-
tragschließenden Staaten sowie die Bürger oder
Unterthanen eines nicht zu dieser Union gehörenden
Staates, wenn sie aus dem Gebiet eines der Union
angehörenden Staates wohnen oder dort eine ge-
werbliche oder Handelsniederlassung haben, bezüg-
lich der Handelsmarken und der Geschäftssinnen
ebenso wie bezüglich der Erfindungspatente, der ge-
werblichen Muster und Modelle, alle Vorteile, welche
die bezüglicken Gesetze den Einheimischen gegen-
wärtig oder in Zukunft gewähren. Wer ein Erfin-
dungspatent, ein gewerbliches Muster oder Modell,
eine Fabrik- oder Handelsmarke in einem der ver-
tragschließenden Staaten regelrecht angemeldet hat,
genießt für die Anmeldung in den übrigen Staaten
unter Vorbehalt der Rechte Dritter ein Prio-
ritätsrecht von 6 Monaten für die Erfindungs-
vatente und von 3 Monaten für die gewerblichen
Muster und Modelle sowie für die Fabrik- und Han-
delsmarken dergestalt, daß die später und vor Ab-
lauf diefer Fristen in einem andern Staate der
Union erfolgte Anmeldung durch inzwischen einge-
tretene Thatsachen, namentlich durch anderweite An-
meldung, Veröffentlichung der Erfindung oder deren
Ausbeutung seitens eines Dritten, durch Verkauf
von Exemplaren des Musters oder Modells oder
durch Anwendung der Marken nicht unwirksam ge-
macht wird. Für die überseeischen Länder werden
die Fristen um einen Monat verlängert. Führt der
Patentträger Fabrikate aus einem Lande nach dem
andern Lande, in welchem das Patent erteilt ist, ein,
so soll das nicht den Verlust des Patents zur Folge
haben. Doch bleibt der Patentträger verpflichtet,
sein Patent gemäß den Gesetzen des Landes, in
welches er die patentierten Gegenstände einführt,
auszubeuten. Eine Fabrik- oder Handelsmarke,
welche in dem Urfprungslande regelrecht angemeldet
ist, wird unverändert in den übrigen Ländern der
Union zugelassen und geschützt, selbst wenn sie in
Bezug auf die Zeichen, aus denen sie besteht, den
durch die Gesetzgebung des andern Staates auf-
gestellten Bedingungen nicht genügt. Doch kann die
Eintragung verweigert werden, wenn der betreffende
Gegenstand als den guten Sitten und der öffent-
lichen Ordnung zuwiderlaufend angesehen wird.
Auch findet nnt Vorbehalt obiger nur die Form
der Marke betreffenden Bestimmung sonst die innere
Gesetzgebung jedes der Staaten Anwendung. Ohne
daß eine Verpflichtung zu deren Anmeldung be-
steht, wird die Geschäftsfirma in allen Staaten der
Union geschützt, gleichviel, ob sie den Bestandteil
einer Fabrik- oder Handelsmarke bildet oder nicht.
Es wurde ein Uui-eau international äs 1'Union
1)0U1' In, I)i'0t6oti0n Ü6 1a I)i'0pii"t6 inäii8tiiLii6 ge-
bildet und der Centralverwaltung der Schweiz unter-
stellt. Die offizielle Sprache des internationalen
Bureaus ist die französische. - Vgl. Kohler, Das
Recht des M. (Würzb. 1884); Pouillet, Nai-c^F
66 t'adi-itiu6 (3. Ausg., Par. 1892): Klössel, Naäe
in <36i'man^, Handausgabe des engl. Markenschutz-
gesetzes von 1887 (Lpz. 1892); Schima, Über die
neueste Entwicklung des Markenschutzwesens in
Österreich (Wien 1893).
Märker, s. Markgenossenschaften.
Markerbsen, s. Gartenerbse.
Märkerding, s. Ding (Volksversammlung).
Märkerschaften, s. Markgenossenschaften.
Markesasinseln, s. Marquesasinseln.
Market Bosworth, Stadt in der engl. Graf-
schaft Leicester, s. Bosworth.
Market Drayton (spr. dreht'n) oder Dray-
ton-in-Hales, Stadt in der engl. Grafschaft
Shropshire, 29 km im NO. von Shrewsburv,
nahe dem Virmingham-Liverpool-Kanal, ist Eisen-
bahnknotenpunkt, hat (1891) als Zählbezirk 10 292 E.,
eine Kathedrale aus dem 12. Jahrh., eine Latein-
schule; Papicrsabrikation und Brauerei. M. D. war
als Caer-Draithon ein Hauptort der alten Briten.
Marketender (vom altital. inci-cHtante, Kauf-
mann), Personen, welche den Truppen auf Mär-
schen, in Biwaks und im Lager Lebensmittel ver-
kaufen, zuweilen auch die Zubereitung des geliefer-
tenFleisches und dieNeinigung der Wäsche besorgen.
Eine strenge Aufsicht derselben ist notwendig, um
die Güte des Proviants zu prüfen und angemessene
Preise dafür festzufetzen, im Kriege vorzüglich des-
halb, weil die M. oft gewaltthätig gegen die Ein-
wohner handeln, zuweilen fogar Spione sind. Da-
her wurden in neuerer Zeit in inehrern Armeen
nnr Leute des Vcurlaubtenstandes, die der Mili-
tärgerichtsbarkeit unterworfen sind und Löhnung,
Verpflegung und Rationen für ihre Pferde erhal-
ten sowie militärisch gekleidet werden, als M. ange-
nommen. Im deutschen Heere ist jetzt statt dessen
für jede Compagnie u. s. w. ein Lebensmittelwagen
vorgesehen. In Frankreich haben die Truppen so-
gar während des Friedens M. oder vivanäiei-z und
vivlmäi(.>i-68 im Etat, die uniformiert sind und auch
bei Paraden nnt den Truppen vorbeimarschieren.
Marketerie, s. Marqueterie.
Market Harborough (spr. hahrborö), Stadt
in der engl. Grafschaft Leicester, am Welland, an
der Grenze gegen Northampton, Eisenbahnknoten-
punkt, liegt inmitten eines vielbesuchten Jagdreviers,
bat mit Üittle Bowden (1891) 5870 E. und eine
schöne Kirche (14. bis 15. Jahrh.).
Marköwitfch, Marja Alexandrowna, mit dem
Echriststellernamen Marko Wowtschok, russ.
Novellistin. Ihre Vauernnovellen, in kleinruss.
Sprache geschrieben und teils von ihr, teils von
I. Turgenjew ins Russische übersetzt (seit 1857),
verschafften ihr durch ihre zugleich sentimentale
und äußerst drastische Schilderung des leideigenen
Volks große Popularität in der Emancipationszeit
und den Namen einer russ. Vcecher-Stowe. Ihre
"Gesammelten Werke" (4Vde.) erschienen 1807-74.
Markflüssigkeit, s. Knochcnbrüchigkeit.
Markgenossenschaften, Märkerschaften,
die alten german. Verbände, die, meistens ursprüng-
lich durch Geschlcchtsverwandtschaft zusammenhän-
gend, ein geeignetes Stück Land, die Mark ls. d.),
besetzten, und als seßhafte Ackerbauer in Kultur
nahmen. Die Vesiedelung erfolgte teils nach dem
Dorfsystem (s. d.), teils nach dem Hofsystem ls. d.).
In beiden Fällen blieb der unbesiedelte Teil de5
Gebietes, die gemeine Mark, im Gesamteigentum
ungeteilt. Wo sich mehrere Dörfer innerhalb einer
Mark gebildet haben, ist vielfach der Wald bis auf
die Gegenwart ein den verschiedenen Gemeinden