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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Maundeville - Mauren
82^7 Pfd. engl. avon'äupoiZ (Handelspfund) ^-
37,324 ^F. Das M. des alten Bazargewichts (daxlir
wannä) ist ^ 82^/15 Pfd. cngl. HvoiiäupoiF ^
37,255 kF, das Faktoreiinaund (t'actoi'x m^und) ^
74"g Pfd. engl. HV0ii-(1npoi8 ^ 33,868 k^. In Per-
sien, der Türkei und Turkestan ist Man eine Ab-
kürzung für Batman (s. d.). In Zlrabien und San-
sibar ist das M. ein Vielfaches des Frasil (s. d.),
an der Somalküste aber gleichnamig mit diesem.
Maundeville, ^ir John, s. Mandeville.
Maupafsant (spr. mopassäng), Guy de, franz.
Schriftsteller, geb. 5. Aug. 1850 auf Schloß Miro-
mcsnil (Seine-Inf^rieure), machte den Krieg von
1870 und 1871 mit und wurde mit Flaubert bc-
tannt. Er kam dann in den Kreis Zolas, für defsen
"3oil'(>63 äe ^I6äHw> (1880) er die Novelle "Koule
äe 8uil" lieferte. Zugleich gab er lyrifcke Gedichte
"1)68 V6r8" (1880) heraus, die ihn als eigenartiges
Talent offenbarten. Seine folgenden Romane und
Novellenfammlungen "1^ inai80n 'l6Ui6r)> (1881),
"ÜN6 V16" (1883), "1^68 8WU1'8 lionäoli') (1884),
"Zei ami" und "(^0nte8 äu ^onr 6t Ü6 la nuit"
i1885), al^0nt68 6t N0NV61163" (1885), "I^ll. P6tit6
N0HU6)) (1886), "Nont Oriol" (1887) lassen in M.
schon unter naturalistischer Brutalität den scharf-
sinnigen Darsteller seelischer Vorgänge und den sei-
nen Künstler des Stils erkennen; in seinen letzten
Schöpfungen: "I^ri^ 6t ^an" (1888) und vorzüg-
lich in "?oi't coinm6 1a inoi't" (1889), einer erfchüt-
terndcn Herzensgcfchichte, hat seine Kunst an Reife
und Formvollendung gewonnen und seine ursprüng-
liche poet. Kraft nichts eingebüßt, und statt der affek-
tierten Gleichgültigkeit des Naturalisten zeigt er Mit-
gesühl für seine Charaktere und Teilnahme an ihren
Geschicken. 1890 erschienen noch "I/inutilo I)6aut6",
"^oti-6 cwnr" und "I^n, vi6 6i'i'ant6". Auf dramat.
Gebiete versuchte sich M. mit M. I. Normand in dem
Stücke "^1n80tt6" (1891). 1892 wurde Vt. geistes-
krank und starb 6. Juli 1893 in Passy bei Paris.
Maupeou (spr. mopuh), Nenö Nicolas Charles
Augustin de, sranz. Kanzler, geb. 1714 zu Paris,
erhielt schon sehr Zeitig die Stelle eines Parla-
mentsrats, wurde 1763 erster Präsident, erhielt
1768 das Kanzleramt und betrieb mit dem Hofe
die Demütigung des Parlaments. Die Gelegen-
deit dazu gab ihm der Prozeß des mit M. gegen
Choiscul verbundenen Herzogs von Aiguillon, der
als srüherer Gouverneur der Bretagne vom Par-
lament zu Nennes wegen Mihbrauchs der Amts
gewalt angeklagt worden war. M. ließ dem Pa-
riser Parlament in einem I^it ä6 ^U8tic6 27. Juni
1770 die Fortsetzung der Prozedur verbieten; allein
das Parlament ignorierte diesen Befehl und er-
tlärte den Herzog 2. Juli aller Pairsrechte ver-
lustig. Der König kassierte daraufhin in einem
zweiten I^it ä6^u8tic6 den Prozeß und sprach dem
Parlament 27. Nov. 1770 das Recht ab, sich der
Cinregistricrung der ko'nigl. Edikte zu widersetzen
und mit den übrigen Parlamenten eine unteilbare
Körperschaft zu bilden. Der Kampf steigerte sich
nun mehr und mehr. Nachdem Choiseul im Dez.
1770 iemen Abschied erhalten hatte, ließ M. in der
Nacht vom 20. Jan. 1771 die Parlamentsmitglie-
der einzeln vcrhasten und verweisen und bildete
am 23. aus dem abhängigen Großen Rat ein In-
lenmsparlamcnt, im Sprengel des Pariser Parla-
ments schuf er sechs "Oberho'fc" und befetzte auch
die übrigen Parlamente mit neuen Personen; dock
brachte er dadurch im wesentlichen tcine lackliche
Umgestaltung hervor. Immerhin war seine Grün-
dung besser als der srühere Zustand. Der leiden-
schaftliche Widerstand des Alten führte M. immer
weiter; in allen Provinzen bildete er die Kollegien
um; es war ein Unglück, daß Ludwig XVI. M. und
fein Werk der öffentlichen Meinung, die auf feiten
der Parlamente stand, opferte und nach soviel Er-
regung lediglich die alten Parlamente wieder ein-
setzte. M. wurde vom Hofe verbannt; er starb
1792 zu Thuit bei Audelys nach vergeblichem Ver-
suche, sich Ludwig XVI. wieder zu empfehlen. Eine
Sammlung von gegen M.s Neuerungen gerichteten
Schriften enthält das Werk "1^68 6n"oi't8 d6 !a
)il)6I't6 cOQtl-6 16 ä63p0ti3lU6 li6 HI. 0U 1'6(,U6i1 ä63
6crit8 plNi'iotiqu68) pul)1i68 Z)0UI' mailit6nii' 1'km-
ci6n F0nv6rn6M6nt ll2i^lU8" (4 Bde., Lond. 1772
-73). - Vgl. Jobez, 1^ ^iauc6 3ou3 I^0ui3 XV,
Bd. 6 (Par. 1873); Flammermont, 1^6 ckanc6U6i-
HI. 6t 168 Z)H1'i6U16Nt8 (ebd. 1884).
Maupertuis (spr. mopärtüih), sranz. Flecken
südlich von Poitiers, berühmt durch die (auck bei
Poitiers genannte) Schlacht vom 19. Sept. 1356,
in der der schwarze Prinz, der Sohn Eduards III.
von England, über den König Johann den Guten
von Frankreich einen vollständigen Sieg davontrug.
Das Ergebnis des Sieges war der Friede von
Vretigny (s. d.).
Maupertuis (spr. mopärtüih), Pierre Louis
Moreau de, franz. Mathematiker, geb. 28. Sept.
1698 zu St. Malo, nahm 1718 Kriegsdienste, die
er nach einigen Jahren wieder aufgab, um sich den
Studien zu widmen. Er wurde 1731 besoldetes
Mitglied der Pariser Akademie, ging später nach
London, dann uach Basel und leitete 1736 die Grad-
messung in Lappland. M. veröffentlichte darüber
das treffliche Werk "I^ÜZui'6 ä6la t6ii-6 ä6t6i'inin66
Ml' 168 0d86rvlltion8 ä6 ^Ilmp6rtui8, (^lailHuIt,
^innu3,1^6 Nonni6l') Ontliioi', (?6i3in3" (Amsterd.
1738, mit Kupfern). 1740 folgte er einem Rufe
Friedrichs II. uach Berlin, um die Präsidenten-
stelle bei der Akademie zu übernehmen. Er beglei-
tete den König ins Feld und wurde in der Schlacht
von Mollwitz gefangen. In Wien uahm ihn der
Kaiser sehr ehrenvoll auf und erlaubte ihm, nach
Berlin zurückzukehren. Hier wurde er später in meh-
rere Streitigkeiten verwickelt, vornehmlich über einen
Aussatz in den "Memoiren" der Berliner Akademie
(1746), die Gesetze der Bewegung und Ruhe nach
dem metaphysischen Princip der kleinsten Wirkung
betreffend, welchen Samuel König angriff, indem er
die Idee dazu Leibniz beilegte. In dieser litterar.
Fehde nahm auch Voltaire gegen M. Partei. 1756
reiste M. nach Frankreich und begab sich 1758 nach
Basel, wo er im Hause seines Freundes Bernoulli
27. Juli 1759 starb. Die beste Ausgabe seiner ge-
sammelten Werke erschien u. d. T. "(i^nvr63 äo Ä."
in 4 Bänden (Lyon 1768). - Vgl. Angliviel de la
Bcaumelle, Vi6 66 ^>I. (Par. 1856); Du Bois-Rey-
mond, Maupertuis (Rede, Lpz. 1893).
Mauren, die in den Städten des Maghreb is. d.)
wohnende mohammed. Mischlingsbevölkerung mit
arab. Muttersprache. Dieser Name knüpft an die
^iHuii des Altertums, die alten Bewohner Maure-
taniens an. Die jetzigen M. sind jedoch das Resultat
der Kreuzung des erobernden arab. Volks mit den
verschiedenen Schichten der frübcrn BcviMer^mg,
also hauptsächlich den Berbern, von denen sie sich in
Sitten und Einrichtungen ebenso unterscheiden, wie
von den in den Berbcrgebieten hausenden Beduinen