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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Mehun - Meier (Beamter)
und ging 1778 nach Paris, wo er das Interesse
Glucks erregte und nach Gründung des Konser-
vatoriums an diesem das Amt eines Inspektors,
dann auch das eines Professors erbielt. Er wurde
1795 Mitglied der Akademie und starb 18. Okt.
1817 in Paris. Als dramat. Komponist nimmt M.
einen boben Rang ein. Er verstebt in ausgezeich-
neter Weise den Wortausdruck mit dennnusikaliscken
zu vereinen und den Charakter einer Situation mit
einem germgen Auswand von Kunstmitteln in Tönen
zu sckildern. Dabei vermag er nickt weniger im An-
mutigen und Zarten als im leidenschaftlichen und
Erschütternden. M.s erste Oper "llni)1ii'08jiie en On-
i-aäiii" kam in der ();)öiü-('oini(iue inl Winter 1790
-91 mit glänzendem Erfolg zur Auffübrung; des-
gleichen 1792 in der Großen Oper "8n-:lwinc6",
der nock eine Neide Opern folgten, die ader keinen
nachhaltigen Beifall fanden, mit Ausnabme der
"(!Ii^8^si", dereu Ouvertüre noch immer gern gespielt
und gebort wird. Inzwischen war M. der Kompo-
nist der Revolution geworden. So komponierte er
die gewaltige Melodie des "t^mnt än lli'Mrt" (vou
(5benier), den <( Ilnut <I^ vi< toii'6", den "(^Ilaiit <!<"
i-6wnr", die "C1mn"on äo Ilolanä" sowie zahlreiche
andere Stücke zu den republikanischen festen. 18<"7
brachte M. eine seiner bedeutendsten Schöpfungen,
die Oper "^o^^u", zur Auffübrung, die in Paris
crst allmäblich zu größerer Anerkennung gelangte,
desto mebr aber sogleich in den franz. Provinzen
und in Deutschland gefiel. Außerdem scbrieb er
noch einige Balletts und Sinfonien sowie einzelne
Nummern zu gemeinschaftlich mit andern kompo-
nierten Gelegenbeitsopern. - Vgl. A. Pougin,
Mehun, Insel, s. Perim. ^li'dnl <Par. 18.^9).
Mehun-sur-Hevre (spr. möng ßür jäbwr),
Stadt im franz. Depart. Eber, Ärrondissenient
Vourges, rechts vom ?)evre und an der linieTours-
Vierzon-Saincaize (Nievre) der Orleansbabn, bat
(1891) 5400, als Genleinde 0572 E.; Fabrikation
von Porzellan, Wollstoff, Leinwand, Droguen. In
dem Scklosse, von dem noch 'Neste vorbanden sind,
starb Karl VII. den freiwilligen Huugertod.
Meibom, Heinrich, Mediziner und Historiker,
geb. 29. Juni 1038 zu Lübeck, studierte in Helmstedt
und auf einigen bolla'nd. Universitäten, wurde 1004
in Helmstedt Professor der Medizin, 1078 der Ge-
schickte und Dicktkunst und starb daselbst 20. März
1700. In der Anatomie erbält sich sein Andeuten
durch die nach ihm genannten Meibomscben
Drüsen (s. d.) sowie durch die Entdeckung des blin-
den Lochs in der Zunge ( M e i b o m s ck esLo ck) und
der benackbartell Warzen. Geschätzter nock als seine
mediz. Sckriften sind die historischen, die meist
Deutschland betreffen, namentlich seine Ausgabe der
"It"i-nni t!(?i-mnnicai-nin toini tve8" (Helmst. 18<i8j.
3)teibom, Victor von, Jurist, geb. 1. Sept. 182l
zu Eassel, studierte die Reckte zu Marburg und Berlin
und widmete sich zunächst der praktischen Iustizlauf-
bahn. 1858 wurde er ord. Professor für deutsches
Recht in Rostock, 1800 in Tübingen, 1873 in Bonn,
1875 Rat am und ging
1879 an das Reichsgericht über. 1887 trat er in den
Ruhestand und starb 27. Dez. 1892 zu Eassel. M.
bearbeitete mitPaulRothgcmeinschaftlick das kurbess.
Privatreckt (Bd.1, Marb. 1858) und sckrieb: "Das
deutsche Pfandreckt" sebd. 1807), eine grundlegende
histor. Schilderung des Rechtszustandes in Ansebung
des Pfandrechts vor der Aufnabme des röm.Reckts
und die Hauptarbeit des Verfassers; ferner "Das
mecklenb. Hnpothekenrecht" sLpz. 1871; ergänzt
von Küblewein 1889), der 2. Teil einer von M.
u.d.T. ccDeutsckes Hypotbekenrecht" herausgegebenen
Sammlnng von Bearbeitungen des Hypothekenrechts
der größern deutschen Staaten (9 Bde., Lpz. 1871
-91), "Der Immobiliararrest im Geltungsbereich
der Civilprozeßordnung" (Freib. i. Br. 1888).
Meibomfche Drüsen, die in den Augenlid-
knorpeln eingelagerten Talgdrüsen.
Meibomsches Loch, s Äteibom, Heinrich.
Meidan-Pek, Ort in Serbien, s. Majdanpek.
Meiderich, Stadt iseit 1894) im Kreis Ruhrort
des preuft. Reg.-Bez. Düsseldorf, zwiscken Emscher
und Rubr, an den Linien Mülheim-^t.-Rubrort
(11 km) und Oberhausen-M.-Ruhrort (8,9 km) der
Preusi. Staatsbahnen, bat (1890) 20410 E., darunter
7078 Katboliken und 41 Israeliten, 1895: 25840
(13518 männl., 12292 weibl.) E., Postamt zweiter
Klasse, /iernspreckeinrichtung, Pferdebahn, groß-
artige Hasenanlagen, evang. und katb. Kirche, Sol-
quellen und Solbad "Heil", Realschule, Wasserlei-
tung; Rbemiscbe Stablwerke mit drei Hochöfen,
Puddel- und Walzwerk, Steinkohlenbergwerke, Eisen-
gießerei, Maschinenfabrik, Stahlwerk und Werk-
stätte für Eisenkonstruktionen, Teppichsabrik, Säge-
werke, Ringosenziegeleien, Phosphatwerk und Vieb-
märkte. Der Eisen- und Kohlenbergbau wird seit
1850 betrieben. - Vgl. Gräber, Tausendjährige
Geschickte von M. (2. Aufl., Rees 1893).
Meidinger, soviel wie oft gehörte Anekdote,
nacb der Sammlung "Auserlesener Histörchen", die
den Lesestoff der 1783 erschienenen, vielgebrauchten
sranz. Grammatik von M. bildeten.
Meidinger Koks, eine Art Gaskoks (s. d.).
Meidingeröfen, s. Öfen.
Meidingers Glement, ein Galvanisches Ele-
ment (s. d., Bd. 7, S. 5071>, sowie Tafel: Elek-
tris ck e Tel e g ra p h en III, Fig. 4).
Meidling < Ober- und Unter-), srüber Dörfer
in der österr. Bezirkshauptmannschaft Sechshaus
in Niederösterreich, bilden seit 1891 einen Teil des
XII. Bezirks von Wien.
Meienreuß oder M ayen - Reuß, linker Zufluß
der Reuß inl sckweiz. Kanton Uri, entspringt am
^uße des Sustenhorns aus dem Kalchthalsirn, durch-
fließt das einförmige Meicnthal, das mit dem ber-
nischen Gadmenthale dllrch den Sustenpaß (s. d.) ver-
bunden ist, und mündet unweit Wasen. Die Gott-
dardbabn überschreitet die M. dreimal.
Meier l^tehre, Meyer, Mai er, Mäher,
Major), entstanden aus lat. ni^or, bedeutet ur-
sprünglich einen Verwaltungsbeamten (Haus-
meier, in^m- äoinns ls. d.j; Pfalzmeier, ini^'m-
1)lilHtii; Pferdemeier, in.^oi- eciuoium; Stadt-
meier, inajoi' ni-l>i^, frz. inlni-^; Klostermeier,
in^oi- inonn^toi ii). Ein Unterverwaltcr einer Land-
wirtschaft biesi schlechthin M. bald in der Bedeutung
als Vogt, Aufseher des Gesindes, der villici, bald
in der Bedeutung als Gutsverwalter. Der Guts-
verwalter verwandelt sich, indem der von ibm zu
entrichtende Vertrag seiner Verwaltung fixiert wurde,
in einen Bauer, soloiiu^. Das Gut heißt dann
Meiergut. (2. Kolonat.) Meierrecht bedeutet
das örtlich verschiedene Recht, zu welchem die iu
Verwaltung gegebenen Höfe besessen wurden und
welckes sich meist zu einem vererblichen und veräufter-
lichen Nutzungsrecht und dann infolge der neuern
Agrargesetzgebung ebenso wie das Erbpacht-, Erb-
zinsrecht u. s. w. in Eigentum verwandelt hat.