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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Meier (Herm. Henrich) - Meile
Meier, Zerm. Zenrich, Großtaufmann und Par-
lamentarier, geb. 16. Okt. 1809 in Bremen, war (bis
1838) Vertreter des kaufmännischen Geschäfts seines
Vaters in England und Amerika und winde 1834
zum Associe des Hauses (Firma: "H. D- Meier & Co."
in Bremen) ernannt. 1846 war er in Berlin mit
Erfolg für die Dampfschiffahrt zwischen Deutschland
und 'Nordamerika thätig, 1866 ebenso bei der Re-
gulierung verschiedener Verhältnisse zwischen Hanno-
ver und Bremen. 1856 gründete er die Bremer
Bank und 1857 den Norddeutschen Lloyd, deren
Vorsitzender er seitdem ununterbrochen ist. Seit 1865
ist er auch Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft
zur Rettung Schiffbrüchiger (s. d.). 1848 wurde M.
ins Frankfurter Parlament gewählt; ferner war er
als Vertreter Bremens Mitglied des Konstituieren-
den und des ersten Norddeutschen Reichstags sowie
der Reichstage von 1881 und 1884, als Vertreter
Schaumburg-Lippes Mitglied des Reichstags von
1878 und schloß sich der nationallideralen Partei
an. Außer den Handelsgeschäften widmete er seine
Tbätigkeit noch der Errichtung einer großen Eisen-
hütte am Harz und andern Werken der Montan-
industrie, sowie dem Bau eiuer Eisenbahn in Süd-
amerika und der Herstellung Zweier deutscher über-
seeischer Telegraphenlinicn.
Meier, Ludw. Arnold Ernst von, Jurist, geb.
12. Okt. 1832 zu Vraunschweig, studierte die Rechte
in Heidelberg und Berlin, war eine Zeit lang im
praktischen Iustizdienst thätig, habilitierte sich 1857
in Göttingen, 1866 in Berlin, war 1867 und 1868
bei der Regierung in Stettin und beim Landrats-
amt in Swinemünde beschäftigt, wnrde 1868 außer-
ord. Professor in Halle, 1871 ord. Professor da-
selbst, 1886 Kurator der Universität Marburg,
1888 Kurator der Universität Göttingen, in dem-
selben Jahre geadelt. M. schrieb: "Die Nechtsbil-
dung in Staat und Kirche" (Berl. 1861), "über das
Verhältnis von Justiz und Verwaltnng in Eng-
land" (in Agidis "Zeitschrift für Staatsrccht", Bd. 1,
1866), "Über den Abschluß von Staatsverträgen"
(Lpz. 1874), "Die Reform der Vcrwaltungsorgani-
sation unter Stein und Hardcnberg" (ebd. 1881),
"Das Verwaltungsrecht" (inHoltzendorffs "Encyklo-
pädie der Rechtswissenschaft", 5. Aufl., ebd. 1890),
"Robert von Mohl" (in der "Zeitschrift für die ge-
samte Staatswissenschaft", 1878).
Meierei, s. Holländerci und Milchwirtschaft.
Meierrecht, s. Meier (Beamter).
Mei^., hinter Insektennamen Abkürzung für den
Entomologen Joh. Wilh. Meigen, geb. 3. Mai
1764 zu Meigen bei Solingen, gest. 11. Juli 1845.
Seine Hauptwerke sind: "Klassifikation und Be-
schreibung der europ. zweiflügeligen Insekten"
(Bd. 1, Braunschw. 1804) und "Systematische Ve-
schreibuna. der europ. zweiflügeligen Insekten"
(7 Bde., Hamm 1818-38). ^bahnen.
Meigsfches Gisenbahnsyftem, s. Einschienen
Meije, La (spr. mähsch), zweithöchstes Massiv
in der Ecrinsgruppe der Dauphinc-Alpen (s. West-
alpen), nördlich von La Berarde in Oisans, gipfelt in
dem Pic Occidental (Grand Picde laM.) mit3987 m;
der Pic Central erreicht 3970, der Pic Oriental
3880 in. Die drei Gipfel, welche zu den steilsten
der Alpen gehören, werden nördlich vom Gla-
cier de l'Homme, de Tabuchet und de la M., auf
der Südseite vom Glacier des Etansons umlagert.
Meil, Joh. Heinr., Kupferstecher und Maler,
geb. 1729 zu Gotba, ging 1747 nach Leipzig. Er
malte dort Pastell- und Miniaturbildnisse und be-
gann in Kupfer zu stechen und zu radieren. 1774
ward er nach Berlin bernfen, wo er 1803 als Rektor
der Akademie der Künste starb. Er stach vorwiegend
Blätter kleinen Umfangs, zierliche Vignetten und
Illustrationen, wie sie für Almanache und die da-
zumal beliebten Duodezausgaben zeitgenössischer
Schriftsteller erfordert wurden. Manches hat er
nach Ehodowiecki kopiert.
In feiner Art wohl noch geschätzter und bekannter
als Johann Heinrich war der jüngere Bruder des-
selben, Johann Wilhelm M., geb. 1733 zu Alten-
burg ; empfing gleichfalls seineerste künstlerische Aus-
bildung inLeipzig und siedelte 1752 nach Berlin über.
Vor seinem Bruder ward er hier 1791 zum Rektor
der Akademie gewählt und starb als Vicedirektor
derselben 1805. Mit großem Geschick stach und ra-
dierte er eine große Anzahl zierlicher Bildchen im
Rokokogeschmack.
Meile, Wegemah, stammt (wie auch das frz.
milio, das engl. mii6, das span. milla,, das portug.
milka. und das ital. iNiFlio) von dem lat. miliia.
(Mehrzahl von milio, tausend). Die alten Römer
gaben die Entfernungen nach millia M88uum (d. i.
nach Tausenden von Schritten) an, und eine solche
altrömische M. (später " miliiai-ium"" mah 1000
geometr. Schritte von ie 5 röm. Fuß. Sie entsprach
somit 1472^ m. Nach dem Zerfall des Weströmi-
schen Reichs wurde das röm. Meilenmaß, wenn
auch mit mancherlei Verschiedenheiten, von den Völ-
kern des Abendlandes festgebalten, doch kam da-
neben schon früh im Mittelaltcr noch ein anderes,
größeres auf, das aus der altgall. I^suca, oder
I^uAH hervorging und im Spanischen und Pro-
vencalischen als I^ua (s. d.), im Portugiesischen als
I^6go^ (s. d.), im Italienischen als I^a, im Fran-
zösischen als I.i6i.i6 (s. d.), im Englischen als 1^6^u6
(s. d.) erscheint. Im allgemeinen wurde in den
Staaten, die sich (wie England, Frankreich, Spanien
und Portugal) beider Arten von Meilenmaßen be-
dienten, das größere zu 3 M. gerechnet. Außerdem
bestanden neben den allgemeinen Meilenmahen
solche für besondere Zwecke, wie Postmeilen, Polizei-
meilen, Seemeilen.
In Deutschland rechnete man bis 1872 all-
gemein nach deutschen und geographischen M.
(zum Unterschied von der engl. geographischen M.
^Seemeile^ auch genauer deutschegeographische
M. genannt), deren 15 auf einen Grad des Äqua-
tors (also 5400 auf den Äquator selbst) gehen.
Die Länge dieser M. wird zu 7420,44 m oder
7,42044 km angenommen' daher 1 geogr. Quadrat-
meile ^ 55,0629 hkm (1 hkm ^ 0,oi8i6 geogr.
Quadratmeile). Nach Art. 4 der Maß- und Gewichts-
ordnung für den Norddentschen Bund vom 17. Aug.
1868 wurde eine deutsche M. zu 7500m (7,5 km)
bestimmt (daher 1 deutsche Quadratmeile -^ 56,25
(ikm; 1 qkm ^ 0,0i??7? deutsche Quadratmeile), sie
war der frühern sächs. Post- und Polizeimeile gleich,
wurde aber durch Gesetz vom 7. Dez. 1873 auf-
gehoben. Die preußische M. begriff 2000 Ruten
oder 24000 preuß. Fuß und war ^ 7,532434 km. Die
bis 1878 gesetzlich gewesene österreichische Post -
meile hatte 24000 Wiener Fuß oder 4000 Wiener
Klafter ^ 7,5859 km (also 14,650 österreichische M.
^ 1 Aquatorgrad). Wegmaß ist jetzt in den meisten
europ. und südamerik. Staaten das Kilometer
(s. d.). In England gilt als geogr. Längenmaß die
3tawt6 milo oder Lritigii mii6 von 1760 Jards oder