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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Melanargĭa; Melanchŏlie; Melanchōlisch; Melanchthon

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Melanargia - Melanchthon

Die Behandlung erfordert die Beseitigung der Wechselfieber durch Chinin oder Arsenik, leichtverdauliche Diät und längern Gebrauch der Eisenpräparate.

Melanargĭa, Schmetterling, s. Damenbrett.

Melanchŏlie (grch., eigentlich "Schwarzgalligkeit"), Schwermut, eine Form von Geistesstörung. In leichtern Fällen tritt nur eine "objektlose" traurige oder ängstliche Verstimmung hervor, häufig gepaart mit einem Druckgefühl in der Herzgegend (Präkordialangst). Bei höhern Graden treten krankhafte Gedanken hinzu ("melancholische" Wahnideen, Selbstanklagen ohne Grund u. s. w.), Hallucinationen, die den Kranken schreckliche Bestrafungen vorspiegeln u. s. w. (S. Geisteskrankheiten, Bd. 7, S. 706 b.) Die Schwermütigen sind entweder ruhig, regungslos in ihren Seelenschmerz versunken, unfähig sich zu selbständigem Handeln aufzuraffen (Melancholia passiva), oder sie sind heftig erregt, schreien laut, schlagen sich u. s. w. (Melancholia activa). Dabei können sich Angst und Seelenschmerz so hoch steigern, daß die Kranken um jeden Preis sich davon zu befreien suchen und so zu oft gräßlichen Gewaltthaten gegen sich und andere schreiten. Bei jeder hochgradigen M. liegt die Gefahr nahe, daß der Kranke durch Selbstmord endet. Dementsprechend sind vor allem hiergegen Vorsichtsmaßregeln zu ergreifen. Die unkomplizierte M. ist, abgesehen hiervon, eine der leichtesten Geisteskrankheiten und meist heilbar.

Melanchōlisch heißt das Temperament (s. d.), welches zu starken, aber langsam wechselnden Affekten und zwar mehr zu Leid als zu Freude neigt. Der Melancholiker ist ernst, in sich zurückgezogen, beharrlich, zum Trübsinn und zur Menschenfeindlichkeit geneigt.

Melanchthon oder Melanthon, Philipp (gräcisiert aus Schwarzert), Luthers Hauptmitarbeiter, geb. 16. Febr. 1497 zu Bretten in der Pfalz. Als sein Vater, Waffenschmied des Pfalzgrafen, 1507 starb, kam M. nach Pforzheim in das Haus seiner Großmutter, einer Schwester Reuchlins. 1510 bezog er die Universität Heidelberg, wurde 1512 Baccalaureus und ging dann nach Tübingen. Hier wurde er 1514 Magister, las über Aristotelische Philosophie, griech. und röm. Klassiker und schrieb eine griech. Grammatik. Auf Reuchlins Empfehlung wurde M. 1518 Professor der griech. Sprache und Litteratur in Wittenberg, entwickelte in der Antrittsrede "De corrigendis adolescentiae studiis" sein humanistisches Programm und führte die Jugend mit Eifer und Geschick in die Welt des klassischen Altertums ein. Früh schloß sich M. an Luther an im Kampfe für das reine Evangelium: immer inniger wurde die Freundschaft beider und hat trotz vorübergehender Verstimmungen bis zu Luthers Tode gedauert. Bei der Leipziger Disputation war M. anwesend, und als seine Beschreibung derselben in einem Briefe an Ökolampadius den Dr. Eck zu einer Entgegnung veranlaßte, trat er offen für Luther auf. Seine erste Schutzschrift für diesen richtete er 1521 unter dem Namen Didymus Faventinus gegen einen ital. Gegner Luthers. 1521 entstanden aus Vorlesungen über den Römerbrief seine "Loci communes rerum theologicarum" (in ihrer Urgestalt neu hg. von Plitt; 2. Aufl. von Kolde, Lpz. 1800), die erste prot. Dogmatik, die dann in erweiterten Ausgaben erschien, bis sie 1543 fg. ihre definitive Form erhielt. Seine "Epitome doctrinae christianae" (1524) bestimmte den Landgrafen Philipp von Hessen, der Reformation sich anzuschließen; sein "Unterricht der Visitatoren an die Pfarrherren im Kurfürstentum Sachsen" (1527), eine Instruktion für die auf Befehl des Kurfürsten Johann des Beständigen vorgenommene Visitation der sächs. Kirchen, war die erste evang. Kirchen- und Schulordnung. Die "Augsburgische Konfession" (1530) ist nur nach ihrer letzten Ausarbeitung, dagegen die "Apologie der Augsburgischen Konfession" (1530) ganz sein Werk. Durch diese Arbeiten gewann M. in der prot. Welt ein so hohes Ansehen, daß Franz I. von Frankreich und Heinrich VIII. von England ihn zur Ordnung der kirchlichen Angelegenheiten einluden. Diesen Aufforderungen folgte M. nicht, dagegen nahm er in Deutschland an allen wichtigen Verhandlungen zwischen den deutschen Protestanten oder mit den Schweizern oder den Katholiken teil. Überall war er der milde, nachgiebige Vermittler, der zu weitgehenden Zugeständnissen im Interesse der Einheit und des Friedens bereit war. 1529 war M. auf dem Reichstag zu Speyer und auf dem Marburger Religionsgespräch, 1530 auf dem Reichstag zu Augsburg, 1535 auf dem Religionsgespräch mit den Oberländern zu Cassel, 1536 auf dem Gespräch zu Wittenberg, wo er mit Bucer (s. d.) die "Wittenberger Concordia" zu stande brachte, 1537 auf dem Konvent zu Schmalkalden, 1540 auf dem Religionsgespräch zu Hagenau, 1541 zu Worms und Regensburg. 1543 versuchte er vergeblich, unter dem Kurfürsten Hermann von Wied die Reformation in Köln durchzuführen. Besonders mit den Schweizern, deren Abendmahlslehre er näher stand, wünschte M. Frieden zu halten. Mehrmals darüber ergrimmt, hat Luther doch die Wittenberger Konkordie gebilligt, die Änderungen in der Augsburgischen Konfession gutgeheißen und bis ans Ende dem "Magister Philipp" vertraut.

Nach Luthers Tode trat M., als Gelehrter weithin berühmt und als Praeceptor Germaniae gepriesen, an die Spitze der Kirche. Doch war er mit seiner Milde bei der schwierigen Lage wenig für diese Stellung geeignet. Innerhalb des Protestantismus trat immer rücksichtsloser jene Partei hervor, die M. wegen seiner abweichenden Ansichten in der Abendmahlslehre (s. Abendmahl) und in der Lehre von der Mitwirkung des menschlichen Willens beim Werke der Bekehrung heftig anfeindete. Dazu kam, daß er im Leipziger Interim (1548) den Katholiken offenbar zu viel eingeräumt hatte. Für das Scheitern des Wormser Religionsgesprächs war der Frankfurter Rezeß ein geringer Ersatz. M. starb 19. April 1560 zu Wittenberg.

Die Einheit der Kirche war sein letzter Wunsch, die Streitsucht der Theologen (rabies theologorum) seine letzte Klage. Seit 18. Aug. 1520 war M. verheiratet mit der Tochter des Bürgermeisters von Wittenberg, Katharina Krapp. Sie starb 1557, als M. auf dem Religionsgespräch zu Worms verweilte. Von seinen Kindern starb die älteste Tochter Anna, unglücklich vermählt mit dem Rektor Georg Sabinus (s. d.), bereits 1547. Sein Sohn, Philipp, starb 1603 als Konsistorialsekretär, und eine Tochter, Magdalena, die Gattin Peucers, 1567. M.s Standbild in Wittenberg (von Drake) wurde 25. Juni 1865, in Bretten (ebenfalls von Drake) 1867, das Reformationsdenkmal vor der Johanniskirche in Leipzig, Luther und M. darstellend, 10. Nov. 1883 enthüllt. Sein Leben beschrieb sein Freund Joach. Camerarius (s. d.), ein "Verzeichnis der