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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Meßinstrumente (geodätische)
finden sich Elektrodynamomcter (s. d.), Elektrometer
(s. d.) und auf der Wärmewirkung des Stroms be-
ruhende Instrumente, wie das Hitzdrabt-Voltmeter
von Cardew u. a. Erste Bedingung für die Kon-
struktion derartiger Instrumente ist, daß die betref-
fenden Werte der zu messenden Größe ohne irgend
welche Vorbereitung jederzeit abgelesen werden
können und dieses Ablesen auch dem Ungeübten
keinerlei Schwierigkeiten bereite. Es sind infolge-
dessen nur Zeigerinstrumente in Gebrauch, die durck
die Stellung ihres Zeigers auf einer Skala jeder-
zeit den augenblicklichen Wert der zu messenden
Größe anzeigen. Bedingung ist ferner, daß die In-
strumente dauernd eingeschaltet bleiben können, odne
sich dabei in den vom Strome durchflossenen Teilen
so stark zu erwärmen, daß ihre Angaben dadurch
irgendwie erheblich beeinflußt werden, daß ihre
Empfindlichkeit möglichst groß und doch der Zeiger
keine zu starken Schwankungen zeige, das Instrument
also eine energische Dämpfung besitzt. Endlich sollen
die Angaben auch zeitlich unveränderlich und die
infolge magnetischer Trägheit (Hystercsis, s. d.) auf-
tretenden Fehler, die in Verbindung mit den durch
mechan. Neibung bedingten ein Zurückbleiben des
Zeigers veranlassen, möglichst gering sein und eine
unbeabsichtigte Einwirkung äußerer magnetischer
Kräfte nach Möglichkeit ausgeschlossen sein.
Von den genannten Bedingungen lassen sick
einige nur sehr schwer erfüllen; so bereitet namentlich
die Forderuug energischer Dämpfung trotz großer
Empfindlichkeit große Schwierigkeiten. Die Be-
dingung der Unabhängigkeit von der Zeit verbietet
die Anwendung von Stahlmagneten, deren Magne-
tismus sich mit der Zeit leicht ändert und die sick
infolgedessen in technischen Instrumenten, die nicht
immer wieder neu justiert und nachgeaicht wer-
den können, nur dort finden, wo es, wie bei den
Richtungszeigern, nicht auf ein eigentliches Messen
ankommt. Die Bedingung geriuger Fehler infolge
von Hysteresis und Neibung führt zur Anwendung
äußerst geringer Eifenmassen und geringer Massen
überhaupt, die durch Verwendung von Aluminium
und dessen Legierungen für alle schwingenden Teile
erreicht wird, während für die Achsen bester, glas-
harter Stahl und für die Pfannen ebenfalls Stahl,
oder noch besser Steine benutzt werden.
Ob es sich um Spannungs- oder Strommesser
handelt, ist für die Konstruktion als solche ohne Ein-
fluß ; auch die Spannungsmesser sind ihrem Wesen
nach Strommesser. Da aber nach dem Obmschen
Gesetz die Stromstärke gleich dem Quotienten aus
der den Strom erzeugenden Spannung und dem
Widerstände, in dem er fließt, ist, so wird, wenn
dieser Widerstand durch die Messnng selbst nicht,
oder doch nur außerordentlich wenig geändert wird,
das Instrument auch den Spannungsunterschied
an den Enden seiner Wicklung anzeigen. Dieser
Bedingung wird aber zunächst nur dann genügt,
wenn der das Instrument durchfließende "Strom
ein sehr geringer ist, durch dessen Existenz der zu
messende Spannungsunterschied nur unwesentlich
herabgezogen wird. Die Wicklung wird also aus
vielen Windungen dünnen Drahtes zu bestehen
haben, während sie umgekehrt bei Strommessern
aus wenig Windungen starken Drahtes, ja bei sehr
starken Strömen nur aus einer oder auch nur Teilen
einer Windung besteht. Es darf aber auch die Ein-
wirkung der Erwärmung durch den Strom, durch
welche der Widerstand erhöbt wird, keine große sein.
Man legt daher bei allen neucrnInstrumenten dieser
Art den größern Teil des^erforderlichen Widerstands
in eine vorgeschaltete Spirale aus Nickelin, das
seinen Widerstand mit der Temperatur nur äußerst
wenig ändert, und zieht dadurch auch die Zunahme
des Gesamtwiderstands prozentual herab.
Als Kontrollinstrumente und zum Aichen der
Zeigerinstrumente benutzt man außer den oben be-
reits crwäbnten Instrumenten das Torsionsgalva-
nomcter (s. d.) und neuerdings namentlich die von
Thomson angegebene Stromwage, ein Elektro-
dvnamometer mit parallelen Stromspulen, deren
Wirkung aufeinander durch Auflegen von Gewichten
auf den die bewegliche Spule enthaltenden Wage-
balken kompensiert sind.
Größere Anlagen enthalten meist auch noch solche
Spannungsmesser, die ein hörbares oder ein auf-
fallendes, sichtbares Signal geben, oder auch beides
gleichzeitig, sobald die Spannung über einen ge-
wissen Prozentsatz die Normalspannung über- oder
untersckrcitet, die sog. Spannungswecker. Als
solchen kann man jedes gute Voltmeter verwenden,
durch dessen Zeiger man je einen besondern Zweig-
stromkreis mit verschiedenfarbigen Lampen, oderauch
mit Glocken verschiedenen Klanges schließen läßt.
Meist werden aber besonders für diesen Zweck kon-
struierte Instrumente angewendet, in denen das
Offnen und Schließen der beiden Nebenstromkreise
durch ein Relais besorgt wird.
Die erzeugte und auch die verbrauchte Strom-
mcnge oder auch die Stromarbeit messen die Elek-
tricitätszäbler (s. d.), den Isolationswiderstand der
Anlage und der Apparate derIsolationsprüfer ss.d.).
Zum Nackweis eines Fehlers in der Isolation dient
der Erdschlußprüfer (f. o.). Wenn es, wie beim Laden
und Entladen von Accumulatoren, nur darauf an-
kommt, die Richtung des Stroms zu kennen, ver-
wendet man kompaßartige Instrumente, deren Nadel
in einem am Leiter befestigten Rahmen schwingt und
je nach der Richtung des Otroms nach der einen oder
andern Richtung hin ausschlägt. - Vgl. Kittler,
Handbuch der Elektrotechnik, Bd. 1 (2. Aufl., Stuttg.
1892 fg.); Heim, Einrichtung elektrischer Beleuch-
tungsanlagen sür Gleichstrombetrieb (Lpz. 1892).
Meßinstrumente, geodätische, die in der
Feldmeßkunst benutzten Instrumente zum Messen
von Winkeln, Längen und Höhen. Sie zerfallen in:
1) Signalinstrumente, d. h. Instrumente zum
Bezeichnen von Punkten und Abstecken von Linien,
z. B. Heliotrop (s. d.), Ialon ls. d.) u. s. w. 2) Län-
genmeßinstrumente: Bandmaß (s. d.), Meß-
tette is. d.), Mcftrad ls. d.), Meßlatte ls. d.), Vasis-
apparat ls. d.), sämtlich zum unmittelbaren Messen
der betreffenden Linie auf dem Boden bestimmt.
Ferner Instrumente zum Längenmessen in der
Luftlinie, die Entfernungsmesser ls. d.>. 3) Nivel-
lierinstrumente (s. d.), d. h. Instrumente zur
gcometr. Ermittelung des Höhenunterschiedes Mi-
schen zwei Punkten. 4) Horizontalwinkelmesser.
Dabin gehören die Vussoleninstrumente ls. Kompaß),
die Spiegclmstrumente ls. d.), Meßtisch ls. d.) mir
Kippregcl ls. d.), letztere nur zum graphischen Be-
stimmen der Horizontalwinkel, Theodolit (s. d.).
5) Vertikalwinkelmesser: Kippregel, Theo-
dolit, Tachymeter (s. d.). - Über Bezugsquellen
s. Instrument. - Vgl. Vauernfeind, Elemente der
Vermessungskunde (7. Aufl., 2 Bde., Stuttg. 1890);
von Rüdgisch, Die Instrumente und Operationen
der niedern Vermessungswnst (Cass. 1875).