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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Messing - Meßinstrumente (elektrotechnische)
16. Jahrh, stiftete daselbst Polidoro da Caravaggio,
ein Schüler Nasfaels, eine blühende Malerschule;
von ihm und von Alibrandi finden sich noch in
mehrern Kirchen wertvolle Gemälde. Innere Kämpfe
zwischen den Adligen (Merli) und der demokrati-
schen Partei (Malvizzi) verleiteten den Senat, sich
1675 Ludwig XIV. von Frankreich zu unterwerfen.
Bei der Bekämpfung der Franzosen fiel der nieder-
land. Eeeheld de Ruyter 1676 in der Schlacht bei M.
Karl II. von Spanien bestrafte die Stadt für ihren
Abfall, indem er ihr alle Privilegien nahm (1679).
Seitdem geriet M. immer mehr in Verfall. Teils
verödete es 1740 durch eine furchtbare Pest (40000
Menschen starben), teils durch das große Erdbeben
von 1783, welches die balbe Stadt zerstörte; 1823
wurde M. durch eine Überschwemmung bedeutend
verwüstet. 1848 litt die Stadt durch die Ncvolu-
tionskämpse, 1854 durch die Cholera (16000 Tote).
Am 28. Juli 1860 wurde M. von den Freischaren
Garibaldis besetzt, 13. März 1861 ergab sich die
Citadelle dem ital. General Cialdini. - Vgl.Salo-
mone, 1.6 provincis LiciliHne, Bd. 3 (Acireale 1888).
Messing, auch Gelbkupfer oder Gelbguß,
eine Kupferzinklegierung von hellgelber bis gold-
gelber Farbe und 18 bis durchschnittlich 30-32
Proz. Zinkgehalt. Das M. hat verschiedene wert-
volle Eigenschaften, infolge deren es in der Technik
eine weitgehende Verwendung findet. Zunächst läßt
es sich im Gegensatz zur Bronze sehr leicht gießen,
da es dünn fließt, die Formen gut ausfüllt und
gasfreie Güsfe liefert. Bei dem Gußmesfing
unterscheidet man in der Regel drei Sorten: 1) Or-
dinäres Gußmessing (Stückmessing) zu
Maschinenteilen, ordinärem Kunstguß u. s. w., es
ist hart, spröde und zinkreich (bis 45 Proz.). Durch
einen geringen Gehalt von Blei lassen sich die
Gegenstände leichter mit schneidenden Werkzeugen
bearbeiten. 2) Zähes Gußmessing zu Röhren
und Apparatteilen der chem. Industrie; dasselbe
erfordert sehr reine Bestandteile; soll es sauren
und alkalischen Flüssigkeiten gut widerstehen, so
wählt man hohen Kupfergehalt. 3) Gußmessiug zu
feinern Luxus arbeiten; dasfelbe muß beson-
ders scharfe Güsse geben, schöne Farbe und Politur-
fähigkeit besitzen; es geboren hierher die als 0uivr6
Mi (s. d.), Chrysorin (s. d.), Vathmetall (s. d.) be-
zeichneten Legierungen. Verschieden von dem ge-
wöhnlichen Gußmessing ist das schmiedbare M.
oder Neu messing für Gußstücke, deren definitive
Gestalt durch Schmieden oder Walzen geformt
wird. Eine solche schmiedbare Legierung (54 Proz.
Kupfer, 40,5 Proz. Zink und 5 Proz. Eisen) wurde
fchon 1779 dem Engländer Keir patentier^ aber erst
später(1832) als Muntzmetall(s. d.)weitcrnKrei-
sen bekannt. Andere hierher gehörige Legierungen
sind das Aichmetall (s. d.), das Sterrometall (s. d.) und
das Aluminiummessing (s. Aluminiumlcgicrungen).
M. zurBlech- und Drahtfabrikation (Tafel-
messing) muß möglichst frei von folchen Bei-
mengungen (Wismut, Antimon, Arfen, Blei, Zinn,
Eisen) sein, welche die Geschmeidigkeit des Mate-
rials beeinträchtigen. Bestes Taselmefsing für musi-
talische Instrumente enthält 19-21 Proz. Zink.
Der Ausdruck Tafelmessing wird auch für Messing-
blech von bestimmter Stärke gebraucht (s. Blech,
Bd. 3, S. 103d). Alle Messingsorten von über
35 Proz. Zinkgehalt haben ein spcc. Gewicht, das
größer ist (8,4-8,7) als das mittlere der Bestand-
teile. Der Schmelzpunkt liegt bei 850° <^.
Den Namen M. leiten einige von den Messi-
nöken ab, die nach Aristoteles ein goldgelbes Kupfer
durch Zusammenschmelzen von Kupfer mit einer
Erde (vermutlich Galmei) dargestellt hätten; andere
leiten das Wort von Maischen oder Mischen ab,
Grimm von dem Wor.te Masse (nM83k), das ist ein
geschmolzener Metallklumpen. Erwähnte Angabe
von Aristoteles ist zugleich die älteste Nachricht über
M. Feruer erwähut Plinius eine von den Phrygiern
gefertigte Kupferzinklegierung, die von den Römern
^uricliHlcuin genannt wurde. In Deutschland
stellte zuerst 1550 Erasmus Ebener aus Nürnberg
das M. aus Kupfer und Ofengalmei her, und 1702
wurde in England die Bristoler Fabrik gegründet.
Metallisches Zink wurde erst 1781 von Jakob
Emerson in England zur Messingfabrikation ver-
wendet. Deutschland besitzt 37 Messingwalz- und
Hüttenwerkern denen Messingblech und -Draht her-
gestellt werden, 8 Werke für Messingröhren und
etwa 200 Messinggießereien, in denen aber auch
andere Metalle verarbeitet werden. Die weitere
Verarbeitung des M. zu Messingwaren wird von
etwa 350 Firmen ausgeführt, von denen sich eine
größere Anzahl in Westfalen (Lüdenscheid, Iserlohn,
Remscheio) und in Berlin befinden.
Andere Kupferzinklegierungen sind Tombak (s.d.),
Rotguß (s. d.) und Weihmessing (s. d.). - Vgl.
Iaping, Kupfer und M. (Wien 1883).
Messingblech, f. Blech und Mefsing.
Messingdraht, s. Draht.
Messinggießerei, Gelbgieherei, die Her-
stellung von Gußwaren aus Gußmcssing (s. Mes-
siug). Sollen die Abgüsse einen größern Härte- und
Festigkeitsgrad erhalten als gewöhnliches Messing,
so wählt man eine weniger zinkreiche Legierung, der
man etwas Zinn zufügt, und bildet solcherart Über-
gänge zu den Bronzen (s. d.); sehr häufig wird auch
ein geringer Vlcizusatz gegeben, welcher die Bearbei-
tungsfähigkeit durch schneidende Werkzeuge (Feile
u. a.) erhöht. Die meisten Messinggußformen wer-
den nach einem Modell im Formkasten hergestellt
ls. Formerei, Gußformen); als Material der Guß-
formen dient meist ein thonhaltiger Formsand, und
die Gußformen werden vor dem Gusse getrocknet.
Das Gießen findet aus Graphittiegeln statt, in
welchen das Messing geschmolzen wird. (S. auch
Messinggußwaren.)
Messinggußlvaren, die durch Messinggießerei
(s. d.) hergestellten Waren. Zu denselben gehören
namentlich solche kleinere Bau- und Maschinenteile,
sür welche das Gußeisen wegen seiner Neigung des
Röstens weniger geeignet wäre oder bei denen die
schönere Farbe des Messings zur Geltung kommen
soll, ferner Hähne für Gas- und Wasserleitungen,
Thür- und Fenstergriffe u. s. w.
Meßinstrumente, elektrotechnische, In-
strumente, die dazu dienen, die Stromverhältnisse
elektrischer Anlagen unter fortlaufender Kontrolle zu
erhalten. Als solche sind an erster Stelle zu nennen
die Instrumente zum Messen von Stromstärke und
Spannung, die Strom- und Spannung smes-
ser, oder, wie sie in wenig glücklicher Zusammen-
setzung mit der Einheitsbezcichnung auch genannt
werden, die Amperemeter oder Voltmeter. Dieselben
sind zum weitaus größten Teile Galvanometer (s.d.),
benutzen also die Wirkung des Stroms auf Magnete
oder auf weiches Eisen, das durch die Wirkung des
Stroms felbst zu einem Magneten wird. Nur
vereinzelt, und meist nur als Kontrollinstrumente