Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

849
Meyer (Klara) - Meyer (Leuthold Wilh. von)
Friedrichs. Rede zur Trauerfcier der Universität"
lcbd. 1888), "Miltons pädagogische Schriften und
Äußerungen, mit Einleitung und Anmerkungen"
(Langcnsalza 1890) und zahlreiche Abhandlungen
inVirchow und Holtzcndorffs "Sammlung gemein-
verständlicher wissenschaftlicher Vorträge". 1881
wurde auf M.s Veranlassung der liberale Scbul-
vernn Mn'^lands und Westfalens gegründet und
M. dessen Vorsitzender. Seit 1877 war er beteiligt
bei der.verausgabe der von Holtzendorff geleiteten
"deutschen Zeit- und Streitfragen", deren Redak-
tion er 1889 übernahm und bis 1892 fortsetzte.
Meyer, Klara, Schauspielerin, geb. 7.5Ilt.i85l
zu Leipzig, kam früh in die dortige Ballettschule und
betrat 1867 die Vübne in Düsseldorf. Noch in dem-
selben Jahre wurde sie in Dessau engagiert und ging
von dort 1871 an die Berliner Hofbübne, deren
Ehrenmitglied sie seit 1891 ist. Hier zeigte sie die
ganze Vielseitigkeit ihres Talents und war im Trauer-
spiel und Lustspiel der Liebling des Publikums.
Meyer, Klaus, Genremalcr, geb. 20. Nov. 1850
zu Linden bei .Hannover, besuchte 1875-76 die
Kunstschule in Nürnberg und die Kunstakademie in
München, wo er von A. Wagner zu Löfftz über-
ging und von diefcm namentlich auf das Stndium
der bolländ. Gcnrcmaler des 17. Iabrb. gelenkt
ward. Sckon 1882 erregte Die Holland. Wohnstube
allgemeine Aufmertfamkeit, die sich vor der Näb-
stube in einem Bcgninenkloster (1883; große gol-
dene Medaille) zur Bewunderung steigerte. Denn
ln'er gesellte sich zu der Beleuchtung durch ein Fen-
ster auch eine Feinheit in der Charakterisierung der
Figuren, wie sie seine Vorbilder kaun: erreicht
baben. Es folgten: Das Nauckkollegium (1881),
Drei alte und junge Katzen (1885; Dresdener Ga-
lerie), Die Würfelfpieler (1886; Berliner National-
galerie), Die Kleinkinderschule (1888), Die Urknn.de
l1889), Die Briefleserin (1892). M. war Professor
an der Kunstschule zu Karlsruhe und wurde 1895
an die Kunstakademie zu Düsseldorf bernfen.
Meyer, Konrad Ferd., Dichter, geb. 11. Okt.
1,^25 zu Zürich, studierte nach längerm Aufentbalt
in Lausanne und Genf die Rechte in seiner Vater-
stadt, gab dieses Studium aber bald auf und bc-
scbäftigte sich eingebend mit Gesäugte, wenn aucb
znnäcbst jabrzehntelang obne ein wissenschaftliches
oder künstlerisches Ziel. 1857 weilte M. längere
Zeit in Paris, 1858 in Italien. Seit 1875 lebt
er in Kilchbcrg bei Zürich. M. ist neben Gottsr.
Keller, mit dein er viele Eigenschaften gemein hat,
der bedeutendste scbwciz. Dichter; in seiner engern
Heimat sowohl wie in Deutschland bat er sich schnell
einen immer wachsenden Verehrerkrcis errungen.
Als Dichter und Er^äbler kennzeichnen ibn vor
allem ^larbeit und Objektivität im künstlerischen
Denken und Empfinden, Wahrheit der Eeelen-
malerei und eine vollendete Kunst realistisch-pla-
stischer Darstellung, die er obne aufdringliches
kultnrhistor. Veiwert mit Vorliebe histor. Stoffen,
namentlich interessanten histor. Persönlichkeiten zn
gute kommen läßt. M. veröffentlichte: "Balladen"
lLpz. 1867), "Romanzen und Bilder" (ebd. 1870),
die Dichtung "Huttens letzte Tage" (ebd. 1871;
8. Aufl. 1891), das Idyll "Engelberg" (ebd. 1873;
3. Aufl. 1889), den Roman "Iürg Ienatscb" (ebd.
1876; 19. Aufl. 1893), die die Person des Thomas
Brockhaus' Konvcrsations-Lexikon. 14. Aufl.. XI.
12. Anfl. 1891), eine Sammlnng "Gedichte" (ebd.
1882; 5. Aufl. 1892), in der sich die meisten frübern
Balladen und Romanzen umgeschmolzen wieder-
finden; vier "Kleine Novellen" (Das Amulett, Der
Scbuß von der Kanzel, Plautus im Nonnenkloster
^Poggioj, Gustav Adolfs Page, ebd. 1883), ferner
die Novellen "Das Leiden eines Knaben" (ebd.
1883; 3. Aufl. 1889), "Die Hochzeit des Mönchs"
(Dante in den Mund gelegt, ebd. 1884; 5. Aufl.
1893), "Die Nichteriu" (ebd. 1885; 3. Aufl. 1889),
"Die Versuchung des Peseara" (4. Aufl., ebd.
1889), "Angela Borgia" (ebd. 1891; 5. Aufl. 1892).
Gesammelt erschienen 1885 die meisten der "No-
vellen" l2 Bde., 5. Aufl., ebd. 1892).
Meyer, ^eo, Sprachforscher, geb. 3. Juli 1830
in dem bannov. Torfe Bledeln, studierte in Got-
tingen und Berlin, habilitierte sich 1856 in Göttin-
gcn und wurde 1862 ausierord. Professor. 1865 er-
lüelt er einen Rnf nach Dorpat als ord. Professor
sür den nen begründeten Lcbrftuhl für deutfche und
vergleichende Hpracbkunde, in welcher Stellung er
seitdem tbätig ist. 1877 wurde er zum Wirkl. Staats-
rat ernannt. Er schrieb: "Der Infinitiv der Home-
rischen Sprache, ein Veitrag zu seiner Geschichte
im Grieckischcn" (Gott. 1856), "Bemerkungen zur
ältesten Geschichte der griech. Mythologie" (ebd.
1856", "Gedrängte Vergleichung der griech. und lat.
Deklination" (Bcrl. 1862) und die "Vergleichende
Grammatik der griech. und lat. Sprache" (2 Bde.,
ebd. 1861-65; 2. Aufl., Bd. 1, ebd. 1882-84).
Hieran scklicsicn sich die Untersnchung "Über die
Flerion der Adjektiva im Deutschen" (ebd. 1863)
und das größere Werk: "Die got. Sprache. Ihre
Lautgestaltung insbesondere im Verbältnis zum
Altindischen, Griechischen und Lateinischen" (ebd.
1869), ferner "Gricch. Aoriste; ein Veitrag zur
Geschickte des Tempus- und Modusgebrauchs im
Griechischen" (ebd. 1879) und "^u im Griechischen,
Lateinischen und Gotischen; ein Veitrag zur ver-
gleichenden Snntar der indogcrman. Sprachen"
lebd. 1880! sowie eine neue Ausgabe der "Livländ.
Reimcbronik" lPaderb. 1876). Ferner veröffentlichte
er: "über Glauben und Wissen" (Dorpat 1876",
"über das Leben nach dem Tode" (ebd. 1882),
"Über die vierte Vitte des Vaterunsers" ^cbd. 1886),
"Über den Untergang der Welt und das jüngste
Gericht" "ebd. 1889!.
Meyer, Leutholo Vilh. von, genannt Meyer-
Arn swalde, konservativer Politiker, geb. 11. Dez.
1816 zu Berlin, studierte 1837 Medizin in Halle,
dann bis 1810 Jura und Eamcralia zu Bonn und
Berlin, arbeitete im Instizdienst zu Wrietzen a. O.,
trat dann in Frankfurt a. O. znr Verwaltung über
und wurde, uachdem er das Rittergut Helpe im
Kreis Arnswalde angekauft hatte, 1845 Laudrat
dieses Kreises, welches Amt er bis 1884 verwaltete.
Im Frübjahr 1^49 wurde Hit. in die preuß. Zweite
Kammer gewählt und saß dann anch bis 1853 im
Abgcordnetenhause. Dem Kommunallandtage der
Nenmark geborte er von der Mitte der fünfziger
Iabre bis znr Vefeitigung der Stände 1876 an
und wnrde dann Mitglied des fchles. Provinzial-
landtags und Provinzialan^schusses; er war bis
dabin auch Landcsdirettor der Ncumark gewesen,
welcben Titel er auch nach Aufbcbnng des Amtes
bcibebielt. 1865 wurde ihm der Adel verliehen. Für
das Abgeordnetcnbans nahm er erst 1870 wieder
ein Mandat an und stimmte hier gegen die Kultur-
54