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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Militärerziehungsanstalten - Militärgrenze
Chartres kommandiert; in Italien wird der
Betrieb auf den Linien Turin-Torre-Pellice und
Brichesasio-Varge durch Eisenbabntruppen gefübrt.
Nicht zu verwechseln mit den M. sind die militär.
auf ,
Verteidigung bestimmend sind. slen.
Militärerziehungsanstalten, s. Militärscbu
Militäretat (Militärbudget), der auf die
gesamte Militärverwaltung bezügliche Teil des
Staatshaushalts. (S. Budget, Deutschland uud
Deutsches Reich, Bd.5, S.147d, und Österreichiscb-
Uugarische Monarchie.)
Militärfahrplan, der für Militärzwecke von
der Militär-Eisenbahnbehörde unter Mitwirkung der
Eisenbahnverwaltung aufgestellte Fahrplan. Die
Leistungsfähigkeit einer Strecke wird dargestellt durcb
die Zahl der Militärzüge, die iunerbalb 24 Stunden
in einer Fahrtrichtung, unter Annabme einer glei-
chen Anzahl von Zügen in der Gegenrichtung, sich
folgen können. Eintritt und Aufboren des Be-
triebes nach dem M. bestimmt nach Ausspruch der
Mobilmacknng der Generalinspecteur des Etappen-
und Eisenbahnwesens.
Militärgeiftliche. Die M. haben die Seelsorge
bei der Armee auszuüben und den Gottesdienst für
die Angehörigen derselben abzuhalten. Nach der
Preuß. Militärkirchenordnung stehen an der Spitze
der ^tilitärgeistlichkeiteinevang.und ein kath.Feld -
vrop st. Bei jedem Armeekorps befindet sich ein M i -
lita'r ob er Pfarrer, der zugleich Divisionspfarrer
ist, er steht zu den M. seines Bezirks im Verhältnis
wie ein Superintendent zu den Geistlichen seiner
Diöcese. Bei jeder Division sind im allgemeinen
ein evang. und ein kath. Divisions Pfarrer an-
gestellt: größere Garnisonen und viele militär. In-
stitute (z.V. Bildungsanstalten) haben besondere M.
Der Amtsanzug der evangelischen M. ist geregelt
durch den Allerhöchsten Erlas; vom 19. Nov. 1887.
Der tath. Feldpropst hat eine von den übrigen
Bischöfen gesonderte Jurisdiktion über alle An-
gehörigen des prenß. Heers. Er residiert in Ber-
lin und hat die Würde eines Titularbischofs. Von
den kath. Garnison- und Divisionspfarrern haben
die sechs ältesten Rang und Gehalt, nicht aber den
Titel eines Militärobcrpfarrers. Für die Aus-
übung der Amtsgeschäfte der katholischen M. im
Felde sind im wesentlichen die Bestimmungen der
Militärkirchenordnung von 1832 maßgebend. In
Bayern gilt der Erzbischof von München-Freising
als Armeebischof. Bayern hat keine eigentlichen M^,
ebensowenig Sachsen, vielmehr sind mit der Civil-
geistlichkeit besondere Vereinbarungen getroffen.
Militär-Geographisches Institut, ein in
Wien bestehendes militär. Institut, dessen Zweck die
Landesaufnahme und die Herausgabe topogr. und
militär. Karten ist. Es steht unter der Oberleitung
des Rcichskricgsministeriums und unter der Direk-
tion eines Generals und zerfällt in die astronomisck-
geodätische, die Mappierungs-, die topographische,
technische und Verwaltungsgrnppe. Das wichtigste
faßt (1870-90-, 2. Aufl. in Arbeit). Das M. ^.
entstand aus dem von den Franzosen in Mailand
1801 errichteten und von den Österreichern 1814
reorganisierten iFtt'wto ^ossraiieo müitai-6, das
7. Jan. 1839 von Kaiser Ferdinand nach Wien ver-
legt wurde. - Vgl. Mitteilungen des M. I. (bis
jetzt 12 Bde., 1881 - 92); Astronom.-geodätische
Arbeiten des M. I. (bisher 5 Bde.); Instrnktion
für die militär. Landesaufnahme, hg. vom M. I.
>2 Tle., Wien 1887): Umann, Die Specialkarte der
tisterreicdisck-Ungarischen Monarchie (ebd. 1891).
Militärgerichte sind die für Militärpersonen
bestehenden Sondergerichte, wie das Generalaudi-
loriat ls. d.), die Korpsgerichte (s. d.), Divisions-
gerichte ls. d.), Negimentsgerichte (s. d.), Garnison-
gerichte (in Bayern und Württemberg zum Teil
i anders benannt), zur Aburteilung der militär. und
! der gemeinen Verbrechen und Vergehen aller der
! Militärgerichtsbarkeit unterworfenen Personen so-
! wie der Übertretungen, mit Ausnahme derjenigen,
! welche ausschließlich mit Geldstrafe bedroht sind.
^ Militärgerichtsbarkeit. Die M. besteht darin,
! oaß in Strafsachen die Militärpersonen nicht den
Civilgerickten, sondern den Militärgerichten unter-
worfen sind. Das gilt namentlich sür die Personen
! des Soldatenstandes, die Militärbeamten der aktiven
z Armee und die mit Inaktivitätsgehalt entlassenen, die
zur Disposition gestellten und die mit Pension ver-
! abschicdeten Offiziere, die Offiziere ü. 1a 8uite, wenn
^ und solange sie zu vorübergehender Dienstleistuug
- zugelassen sind; die zum Beurlaubtenstande gchören-
^ den Personen des ^oldatenstandes nur wegen be-
^ stimmter militär. Delikte. Im Kriege ist die M.
^ weiter ausgedehnt. (^?. Militärstrafverfahren.)
! Militärgesetzgebung, umfaßt sämtliche Ge-
setze, Verordnungen, Erlasse, die sich auf das Mili-
tär iu weitesten: Umfange beziehen. Dahin gehören
das Gesetz über die Organisation der bewaffneten
Macht im Frieden und im Kriege, die Militärstraf-
gericktsordnungcn, die Rekrutierungs-, Kontroll-,
^andwehrordnuug, die Verordnung über die Disci-
vlinarstrafgewalt, die Reglements über die Geld-
und Naturalverpflegung der Truppen im Frieden
und im Kriege, das Gesetz über die Naturalleistun-
gen für die bewaffnete Macht im Frieden und Kriege,
die Verordnung über die größern Truppenübungen,
das Reichs-Militärstrafgesetzbuch u. s. w.
Militärgrenze, früher der Name des schmalen
Streifen Landes an der türk. Grenze der Öster-
reichisch-Ungarischen Monarchie, der, nach einem
besondern Plane zum Schutz gegen türk. Ein-
fälle militärisch eingerichtet, ein eigenes Kronland
(19574,43 hkm) bildete. Gegenwärtig ist das Ge-
biet jedock teils mit dem eigentlichen Ungarn, teils
mit Kroatien und Slawonien (s. d.) vereinigt und kein
besonderes Verwaltungsgebiet mehr. Der Ursprung
der M. fällt in das 16. Jahrh., als seit 1522 der
spätere Kaiser Ferdinand I. von seinem Schwager,
dem König Ludwig II. von Ungarn, die Verteidi-
gung der sesten Plätze an der kroat.-bosn. Grenze
übernahm. Ferdinand, seit 1527 König von Ungarn,
räumte damals flüchtigen Serben, Kroaten und Bos-
niaken aus der Türkei die Grenzen von Kroatien
zur Niederlassung und Verteidigung ein. Die erste
Organisiernng der Flüchtlinge nach militär. Gesichts-
punkten erfolgte 1535 im Sichelbnrger Distrikt und
1538 in Oberslawonien (in der Windischen Märt).
Von großer Bedeutung waren die 1578 erfolgte
Bestellung eines obersten Grenzadministrators, die
Errichtung der Meeresgrenzcn (Karlstädter Grenze)
1581 und zahlreiche Privilegien für die angesiedel-
ten Bauernsoldaten. Ein Privilegium Rudolfs II.
verlieb ibnen Neligions - und Abgabenfreibeit und