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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Milĭum; Milīz; Miljútin; Milk-disease; Milk-sickness; Milkom; Miłkowski; Mill

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Milium (medizinisch) - Mill (James)

in Asien und Europa, ziemlich hohe Gräser mit ausgebreiteter Rispe und grannenlosen Blütenspelzen. In Deutschland wächst nur die in schattigen Wäldern nicht seltene Waldhirse, M. effusum L., deren Halm bis zu 1 m hoch wird. Sie ist ein gutes Futtergras und auch die Körner können als Futter für Hühner, Tauben u. s. w. benutzt werden.

Milĭum (Grutum), Hautgries, kleine weiße oder gelblichweiße Knötchen, welche durch Ansammlung von Epidermiszellen in den Talgdrüsen der Haut entstehen und diese sackartig erweitern. Am häufigsten finden sie sich in der Haut des Augenlids.

Milīz (vom lat. militia, Kriegsmacht), die Landesbewaffnung im Gegensatz zu den frühern Lehns- und geworbenen oder den jetzigen stehenden Heeren. Frankreich erhielt unter Ludwig ⅩⅣ., Preußen unter Friedrich Ⅰ. (1701) eine M., die Friedrich Wilhelm Ⅰ. wieder aufhob. Im nordamerik. Befreiungskriege wurden M., in der Französischen Revolution Nationalgarden organisiert. Gegenwärtig haben die Schweiz und die nordamerik. Union ihre ganze Wehrverfassung auf das Milizsystem gegründet, das mit Ausnahme geringer Abteilungen oder Stämme kein stehendes Heer, sondern für den Krieg eine organisierte Volksbewaffnung als Milizheer aufstellt. Durch Jugendwehr, Schützen- und Wehrvereine sucht man der militär. Ausbildung nachzuhelfen. Es kann durch das Milizsystem im Verhältnis zur Bevölkerung die stärkste Streitmacht aufgestellt werden, in der Schweiz durch die Überzähligen und den Landsturm bis zu 7 Proz. Aus diesen Gründen ist früher und neuerdings vielfach auf Abschaffung der stehenden Heere gedrungen worden. Der Sezessionskrieg in Nordamerika sowie der Krieg Serbiens gegen die Türkei haben aber auch die Mängel des Milizsystems dargethan. In Rußland bestehen in beschränktem Umfange Miliztruppen für den innern Dienst und zur örtlichen Verteidigung, jedoch nur im Kaukasus und in Transkaspien. Ständige Miliztruppcn giebt es nur im Militärbezirk Kaukasus und in Transkaspien für den innern Dienst und zur örtlichen Verteidigung. Sie sind aus Eingeborenen gebildet und nach nationaler Art gekleidet und bewaffnet.

Miljútin, Dmitrij Alexejewitsch, Graf, russ. General und Staatsmann, geb. 10. Juli 1816 in Moskau, wurde 1833 Offizier, besuchte die Kriegsakademie und trat 1836 in den Generalstab. 1843 wurde er Oberquartiermeister im kaukas. Korps, 1845 Lehrer an der Kriegsakademie, 1856 Chef des Generalstabs im Kaukasus, kehrte jedoch 1860 nach Petersburg zurück und wurde 1861 zum Kriegsminister ernannt. In dieser Stellung blieb er bis 1881 und führte die Reorganisation des russ. Heerwesens durch, insbesondere 1874 die allgemeine Wehrpflicht ein. M. wurde 1894 Ehrenpräsident der Nikolai-Akademie des Generalstabs und der Militärjuristischen Akademie. Er gehört der slawophilen Richtung an und wurde 1878 in den Grafenstand erhoben. M. veröffentlichte: «Beschreibung der militär. Operationen 1839 in Nord-Dagestan» (russisch Petersb. 1856), «Geschichte des Krieges Rußlands mit Frankreich 1799» (mit Michajlowskij-Danilewskij; russisch, 5 Bde., ebd.1856; deutsch Münch. 1856‒58).

Sein Bruder, Nikolaj Alexejewitsch M., geb. 1818 in Moskau, wurde 1859 Mitglied des Komitees zur Vorbereitung der Aufhebung der Leibeigenschaft, 1864 Staatssekretär im Königreich Polen und führte als solcher eine Agrareinrichtung durch, die den poln. Bauernstand auf Kosten der Szlachta hob sowie überhaupt die Verhältnisse zu Gunsten Rußlands gestaltete. Später war er Mitglied des Reichsrats und des Komitees zur Ordnung der Bauernangelegenheiten in Rußland. Er starb 1872. M. veröffentlichte: «Versuch einer Militärstatistik» (russisch, 2 Bde., Petersb. 1847‒48). – Vgl. Aus der Petersburger Gesellschaft (5. Aufl. Lpz. 1880); Leroy-Beaulieu, Un homme d'État russe (Par. 1884); F. Meyer von Waldeck, Unter dem russ. Scepter (Heidelb. 1894). ^[Spaltenwechsel]

Milk-disease, s. Milk-sickness.

Milkom, s. Moloch.

Miłkowski, Zygmunt (Sigismund), pseudonym Thomas Theodor Jeż, auch T. T. J., poln. Schriftsteller, geb. 1820 in Podolien, kämpfte in Ungarn 1848, hielt sich während des Krimkrieges in den Balkanländern auf, die er wieder aufsuchen mußte, nachdem er in Galizien am Aufstande von 1863 teilgenommen hatte. Er lebte später in Belgien und der Schweiz, seit 1877 in Genf. Unter seinen Romanen ragen besonders diejenigen hervor, welche südslaw. Stoffe, Unabhängigkeitskämpfe u. dgl. behandeln, wie «Uskoki» (1870; französisch, Par. 1882), «Dahijszczyzna» (1873), «Narzeczona Harambaszy» (1882) u. a. Weniger bedeutend sind die der poln. Vergangenheit entnommenen («Dersław z Rytwian», «Za Króla Olbrachta» u. a.). In seinen Sittenromanen gelingen ihm am besten Schilderungen adligen Lebens in Podolien («Historya o prapradziadku i o praprawnuku», 1863; «Ofiary», 1874; «Wnuk chorążego», 1881 u.s.w.). Außerdem schrieb er «Die Beteiligung der Polen am Krimkrieg» (Par. 1857), «Erinnerungen an den Aufstand 1863» (Pos. 1880) u. a.

Milk-sickness, Milk-disease (engl., spr. -sihs), Milchkrankheit, eine eigentümliche Erkrankung des Weideviehes, die erst im 19. Jahrh. in den Vereinigten Staaten bekannt geworden ist. Am gefährlichsten sind die eben urbar gemachten Plätze. Die erkrankten Tiere zeigen Zittern des ganzen Körpers (Zitterkrankheit, «Trembles») oder irren mit gesenktem Kopfe im Kreise umher; der Appetit ist geschwunden, die Kotentleerungen hören auf. Der Tod tritt in 2‒4 Tagen ein. Durch Genuß der Milch von erkrankten Kühen wird die Krankheit auch auf den Menschen übertragen.

Mill, James, engl. Historiker, Philosoph und Nationalökonom, geb. 6. April 1775 zu Northwaterbridge in der schott. Grafschaft Angus, studierte zu Edinburgh Theologie und ging dann nach London. Er erhielt einen Posten im India-House und wurde bald darauf zum Chef der ind. Korrespondenz befördert. Er starb 23. Juni 1836. Seine «History of British India» (3 Bde., Lond. 1818; neue Ausg., 10 Bde., 1872) zeichnet sich durch Gründlichkeit, philos. Blick und Unparteilichkeit aus. Auf seine «Elements of political economy» (Lond. 1821 u. ö.), worin er die polit. Ökonomik in eine systematische Form zu bringen suchte, folgte das Werk «Analysis of the phenomena of the human mind» (Lond.1829; neue Aufl., 2. Bde., 1878), das unter den neuern Leistungen der engl. Erfahrungsphilosophie eine hohe Stelle einnimmt. Seine philos. Untersuchungen stützen sich auf die Ansichten von Hartley und Hume. M.s bittere Kritiken verwickelten ihn in einen heftigen Federkrieg mit Macaulay. Seine letzte Schrift: «Fragment on Mackintosh» (Lond. 1835), enthielt eine scharfsinnige Zergliederung von Mackintoshʼ