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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Mindensche Bergkette - Mine (Gewicht)
(12 094 männl., 10 227 weibl.) E., in Garnison
das Infanterieregiment Prinz Friedrich der Nieder-
lande Nr. 15, die 2. Abteilung des Feldartil-
lerieregiments Nr. 22 und das Pionierbataillon
Nr. 10, Postamt erster Klasse mit Zweigstelle,
Telegraph und Fernspreckeinrichtung. Im N.
und W. der von partartigen Anlagen (früher
Festungsglacis) umgebenen Altstadt sind seit Auf-
lassung der Festung (1873) Vorstädte entstanden.
Von Gebäuden sind zu nennen der katb. Dom
(13. Jahrh.), ein Meisterwerk frübgot. Stils, vier
evang. Kirchen, Synagoge, das Rathaus mit got.
Facade, das Regierungsgebäude im Rundbogenstil,
die'Post und der Bahnhof. Ferner hat die Stadt
ein Gymnasium (1530) mit Realgymnasium (1843),
seit 1880 in einem Neubau, mit zwei Bildern von
Thumann (Armins Rückkehr aus der Varusschlacht
und Wittetinds Taufe in Attigny), höhere Mädchen-
schule, Fortbildungsschulen, Gas-, Wasserwerk,
Kanalisation, Krankenhaus, evang. Vercinshaus,
Schlachthaus,Vankverein, Kreissparkasse; Cigarren-,
Glaswaren-, Zündschnuren-, Lcder-, Lampen-,
Cichorien- und Seifenfabrikation, chem. Fabriken,
Färberei, Ieugdruckerei, Brauereien, Branntwein-
brennereien und Märkte. M. ist Sitz der 2. Sektion
der Hannoverschen Baugewerks- und der 16. Sektion
der Fuhrwerks-Berufsgenossenschaft. Unweit der
Stadt, auf dem Wittekindsberge, wird das Kaiser-
Wilhelm-Denkmal der Provinz Westfalen errichtet.
Die Entstehung von M. reicht in die Römerzeit
zurück. Um 800 wurde ein Bistum hier gegründet,
1648 aufgehobeu. Um die Mitte des 13. Jahrb.
wurde M. befestigt, 1526 die Reformation eingeführt -
1648 siel M. an Preußen. Im Siebenjährigen Kriege
besetzten die Franzosen wiederholt die Stadt, mußten
sie aber 1. Aug. 1759 insolge derSck lacht bei M.
zwischen den Franzosen und den verbündeten Eng-
ländern, Hannoveranern und Vraunschweigern unter
Herzog Ferdinand von Braunschweig wieder räu-
men. 18l)7 siel das Fürstentum M. an das König-
reich Westfalen, 1814 wieder an Preußeu. - Vgl.
Spannagel, M. und Ravensberg unter brandenb.-
preuß. Herrschaft 1648-1719 (Hannov. 1894).
Mindenfche Bergkette, s. Wiebengebirge.
Mindere Brüder oder Minoriten, s. Fran-
ziskaner.
Minderherrschaften, früher Bezeichnung für
diejenigen Mediatherrschaften in Schlesien, deren
Besitzer die Rechte der ^tandesherren in Schlesien
batten, aber von der Teilnahme an den schles.
Fürstentagen ausgeschlossen waren.
Minderjährigkeit, Minorcnnität, der Le-
bensabschnitt einer Person, welche noch nicht voll-
jährig ist. Dieser Lebensabschnitt erstreckt sich nacb
dem Reichsgesetz vom 17. svcbr. 1875 bis zum vollen
deten 21. Lebensjahre. Wegen der Unterabschnitte
dieses Zeitraums vgl. Alter. Bis zu den: Reichs-
gesetz bestimmten die in Deutschland geltenden Rechte
die Dauer der M. verschieden. Diese Verschiedenheit
ist noch jetzt nicht ohne Bedeutung für die Auslegung,
insbesondere letztwilliger Anordnungen oder älterer
Urkunden, z. B. für Stiftungen und Familienside'i-
kommisse. Nach dem Ostcrr. Bürgert. Gesetzb. §. 21
dauert die M. bis zum zurückgelegten 24. Lebens-
labre. Sehr verschieden ist die Dauer der M. im aus-
ländischen Rechte bestimmt. Das span. Gesetzbuch
von 1889, Art. 320, bestimmt die Grenze der M. auf
23 Jahre, andere Gesetzbücher sogar auf 25 Jahre'
dagegen finden sicb, namentlich in der Scbweiz, Fest-
setzungen, welche tiefer herabgehen, z. B. in Grau-
bünden (Gesetzb. ß. 16) 19 Jahre. Über den Ein-
fluß der M. auf die Geschäfts-(Handlungs-)Fähig-
keit s. Dispositionsfähigkeit.
Minderkaufmann, Kl einkaufmann, iin.
Gegensatz zum Vollkaufmann, nach dem Deut-
fchen Handelsgesetzbuch Art. 10 der Aökn, Trödler,
Hausierer und ähnlicher Handelsmann von geringem
Gewerbebetrieb, der Wirt jeder Klasse, auch der
größte Hotelier, ein gewöhnlicher Fuhrmann, ge-
wöhnlicher Schiffer und jede Person, deren Gewerbe
nicht über den Umfang des Handwerksbetriebes hin-
ausgeht. Die Bestimmungen, welche das Handels-
gesetzbuch über die Firma (s. d.), die Handelsbücher
ls. d.) und die Prokura enthält, finden auf den M. keine
Anwendung. Vereinigungen von Minderkaufleuten
zum Betriebe eines Handelsgewerbes gelten nach
bisherigem Recht nicht als Handelsgesellschaften, da-
gegen nach dem Entwurf des neuen Handelsgesetz-
buches (1896), der im übrigen die Unterwerfung der
Handwerte unter das Handelsrecht aufrechterhält,
da viele Handwerker auch nicht selbst erzeugte Waren
feilhalten. Die Gasthofbesitzer werden Vollkaufleute.
Mindermaschine, s. Wirkmaschine.
Minderungsklage (^ctio qumiti minori"), die
Klage auf verhältnismäßige Minderung des Kauf-
preises wegen Mangelhaftigkeit des verkauften.
Gegenstandes. Nach dem Edikt der Adilen (s. d.)
sollte der Verkäufer dem Käufer die Mängel ver-
kanftcr Sllaven oder Tiere anzeigen, sonst hatte der
Käufer, wenn er den Kauf nicht aufheben wollte
(Wandluugstlage), das Recht zur M. innerhalb eines
Jahres. Diefer Anspruch wurde ausgedehnt auf den
Kauf aller Sachen; so ist er vom neuern Recht an-
erkannt (Deutscher Entwurf, Reichstagsvorlage,
§.456). (S. Gewährsmängel.)
Mindeste Brüder und Mindeste Schwe-
stern, f. Minimen.
Mindoro, Philipps-Insel, eine der span.
Philippinen, wird gegen N. durch die San Bernar-
dinostraße von Luzon getrennt und im S. von der
Sulusee bespült. Geologisch ist M. noch fast ganz
unbekannt, wahrfcheinlich vulkanisch und tertiär.
Im N. erhebt sich der Monte-Halcon zu 2702 ni. M.
zählt auf etwa 10 000Hkm 37 000 E., fast ausschließ-
lich vom malaiischen stamme der Manguianes; an
den Küsten sitzet: Tagalen, im Innern vielleicht Ne-
gritos. M. ist fruchtbar, wenig angebaut und nur-
dem Namen nach fpanifch. Mit den benachbarten.
NeinernInseln Marinduque (26020E.),Lubang
(3700 E.), Masbate und einigen andern bildet M.
eine Provinz der Philippinen. Hauptort und Sitz
der Behörden ist Calapan an der Nordküste.
Mindszent, Groß-Gemeinde und Hauptort eines
Stuhlbczirks (25 918 E.) im ungar. Komitat Cson-
grad, links an der Theiß, an der Linie Szentes-
Hödmezö-Väsärhely im Betriebe der Ungar. Staats-
bahnen, ist Dampferstation und hat (1890) 12033
meist kath. magyar. E.; bedeutenden Wetzenbau,
Rindvieh- und Schafzucht.
Mine (grch. mnü/, lat. mina), die von den alten
Griechen zugleich rnit ihrem ganzen Münz- und
Gewichtssystem aus dem Orient übernommene Be-
zeichnung (semit. "Teil") sür ein bestimmtes Gewicht
und eine, freilich nie als Einzelstück ausgeprägte,
Münze, die das Hundertfache der Drachme und den
sechzigsten Teil des Talents betrug. Das Gewicht
und der Münzwert der M. war in den verschiede-
nen feiten und Staaten verschieden. Unter diesen