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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Minjeh - Minnesang
Minjeh, Minia, Minieh (El) oder Minye,
.Hauptstadt der Provinz M. (1999,68 <ikm Kultur-
land, 314818 E.) in Mittelägypten, links am Nil,
an der Linie Kairo-Siut, hat 10 000 E., Baumwoll-
spinnerei und Töpferei und lebhaften Marktverkchr.
Mink, der canad. Nörz (s. d.).
Minkopic, Bewohner der Andamanen (s. d.,
Bd. 1, S. 591H). Maates Minnesota.
"Iinn., offizielle Abkürzung des nordamerik.
Mmne (von der Wurzel man, denken, ge-
denken, sich erinnern) bedeutet ursprünglich Er-
innerung, Andenken. Die alten Deutscken pfleg-
ten in heidn. Zeit bei Opfern und Gelagen der
Götter der abwesenden und verstorbenen Genossen
mit einem Becher zu gedenken und nannten das
"Minne trinken". Ebenso trank man nach der Be-
kehrung die M. Christi, Atarias und der Hei-
ligen, vornehmlich aber die M. des Apostels Jo-
hannes, welcher die Gefahr der Vergiftung ab-
wenden sollte, Weiler selbst, wie man sagte, ver-
gifteten Nein ohne Schaden getrunken batte, und,
beim Abschied, die M. der heil. Gertrud vou Ni-
velle, als der Beschützerin der Reisenden. Bald aber
entwickelte sich für das Wort M. (jedoch nur in
Teutschland, nicht in Skandinavien) eine zweite und
seitdem herrschende Bedeutung persönlicher und be-
sonders geschlechtlicher Zuneigung (im Gegensatze zu
Haß), während "Liebe" nur das Erfreuliche, das An-
genehme, das Wohlgefallen (im Gegensatze zu Leid)
bezeichnete. Als nun die Verehrung, welcke dem weib-
lichen Geschlecht von jeher bei den Deutschen gewid-
met worden war, sich durch das Rittertum, durch
deu Einfluß der franz. Romane und durch die Wech-
selwirkung des Mariendicnstcs bis zur Schwärme-
rei steigerte, da wurde für die adligeu deutschen
Lyriker des 12. und 13. Jahrh, die M., von ihnen
auch oft als Frau M. personifiziert, und der Frauen-
dienst der einzige vollgültige Inhalt ihrer Dicktun-
gen; daher die Bezeichnung Minnesinger (s. Minne- !
sang). Seit dem 15. Jahrh, vergröberte sich das edle
Wort M. mehr und mehr zu dem häßlichen Sinn
des rein fleischlichen Genusses, und seine frübere
edlere Bedeutung ging auf das Wort Liebe über,
bis es mit dem neu erwachenden Interesse für die
alte Sprache und Litteratur namentlich durch die
Göttingcr Dichter Hölty, Bürger, Voß seine frühere
schöne geistige Bedeutung wiedererhielt; so ist es
uns heute geläufig, hat aber einen archaistischen
Beigeschmack bewahrt.
Minneapolis (spr. -äppö-), Hauptstadt des
CountyHcnncpinim nordamerik. Staate Minnesota,
die größte Stadt des Staates, auf beiden Seiten
des Mississippi, mit schöner Umgebung, hatte 1800:
4000,1880: 40887 und 1890: 164738 E., darunter
viele Skandinavier. M. ist ein sehr wichtiger Eisen-
bahnknotenpunkt; im Sommer besteht auch Schiff-
fahrt auf dem Flusse. Die Stadt ist regelmäßig ge-
baut mit breiten und schattigen Straften, besitzt viele
schöne öffentliche Gebäude, wie Gerichtshof, City-
Hall, Holzbörse, Opernhaus, Handelskammer und
das 52 in hohe Gebäude der North-Western Gua-
rantee Loan Company, Kirchen und Unterrichts-
cmstalten, darunter die Universität von Minnesota,
Iligli 8clios>1, ?ud1io 8clioc"1 und die Kunstschule in
der ^Vi-t (^11^. Die St. Anthonvfälle liefern eine
unvergleichliche Wasserkraft. Die dadurck begünstigte
Industrie ist berühmt wegen ibrer 25 Getreidemüh-
len, unter denen die größten der Welt sind (Pills-
dury-Mill). Das Produtt derselben geht täglich in
Frachtzügen nach dem Osten. Neben dem überwie-
genden Getreide- und Mehlbandel sind Holzhandel
und Sägemüblen oberhalb M. hervorragend. Fer-
ner sind wichtig Handel mit Materialwaren und
Ackerbaugeräten, Eisenindustrie und Bau von
Dampftramwagen. Im Osten stößt M. mit seinen
Vororten an das rivalisierende St. Paul. Unter-
halb M. die schönen Minnchahafälle.
Minnehöfe, s. Liebesböfe.
Minnesang, die vom Ende des 12. bis zum An-
fang des 14. Jahrh, in Deutschland blühende höfische,
meist von adligen Dichtern geübte Liebeslyrik. Der
M. als solcker war das Ergebnis roman. Einflüsse;
doch ist es falsch, anzunehmen, daß es nicht schon
früher deutsche Liebesgedichte gegeben habe. Schon
im 9. Jahrh, sind ninilLoä, d. h. Liebeslieder, be-
zeugt, und einzelne kurze Wichte Reime, die etwa
den nocb beute in Süddeutschland üblichen Schnada-
hüpfln sich vergleichen lassen, sind uns wirtlich aus
der Zeit vor dem M. erhalten (vgl. Burdach, Das
volkstümliche deutsche Liebeslied, im 27. Bande der
"Zeitschrift für deutsches Altertum", Verl. 1883),
so der bekannte Vers "Ich bin dein, du bist mein,
Des sollst du gewiß fein, Du bist beschlossen in mei-
nem Herzen, Verloren ist das Schlüsselein, Du mußt
immer drinnen sein". Zu gute kam der Entwicklung
dieser volkstümlichen Liebeslyrik die Vertiefung des
Gemütslebens, die die ascetifche geistliche Dichtung
des 11. und 12. Jahrh, mit sich gebracht hatte, nicht
minder die muntere, lebensfrifche und formgewandte
Lnrik der fahrenden Vaganten, die, obgleich meist
lateinisch, doch auf das Volkslied Einfluß gewann.
Die größte Sammlung diefer Vagantenlieder, die
sog. ^ai-min^ dui'aiia (s. d.), enthalten auch deutsche
Verse, Unter diesen günstigen Umständen erwuchs
namentlicb im östcrr. Donauthal bald nach 1150
eine erste Blüte deutscher Lyrik, kurze, frifche, meist
einstrophige Gedichtchen, die in rührender Schlicht-
heit und urwüchsiger Kraft die Sehnsucht der Frau,
das Selbstgefühl des Mannes in der Liebe zum
Ausdruck bringen. Aucb Frauen beteiligten sich an
diesen Dialogen und Monologen, die ein naives
Liebcsgefühl mit natürlicher Unbefangenheit ohne
Reflexion, doch mit epifchen und didaktifchen Ele-
menten wiedergeben. Dichter aus diesem Kreise
waren der von Kürenberg, der in der Nibelungen-
stropbc sang, Dietmar von Aist, die Burggrafen von
Regcnsburg und Rietcnburg, Meinloh von Seve-
lingen lbei Ulm), der die ersten Spuren des höfischen
Frauendicnstes zeigt. Eine andere Gattung volks-
tümlicher Lyrik, den kurzen Lehr-, Lob- und Schelt-
sprnch, Sprichwort und Parabel, vertritt in dieser
Zeit ein ungenannter bayr. Fahrender, dessen Verse
unter dem Namen eines jüngern Kunstgenossen, des
Spervogels, überliefert sind. Dnrchweg siegt in die-
sen ältesten Strophen die schlichte Wahrheit der
Empfindung und des Urteils über die Form; jeder
Dichter dcnutzt immer wieder eine und dieselbe
Strophenform, ein Unterschied der Stände macht
sich schon darum kaum geltend, weil der Unterschied
der Bildung unter den Laien sehr gering war.
Das wurde anders, als die nordfranzösische und
namentlich die provencal. Lyrik der Troubadours
über den Rhein zu wirken anfing. Die ersten Trä-
ger dieser neuen Richtung waren der Maastrichter
Heinrich von Veldeke, der die Kunst des reinen
Reimes lehrte, sonst aber in seinen kurzen nieder-
sränk. Liedern naturwüchsigen Humor nicht verleug-
net, dann der vornehme Pfälzer Friedrich von Hau-