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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Minnesota - Minnigerode
der Meißner, sondern sich hochmütig von den un-
gelehrten Spielleuten, wie dem Sachsen Rumsland.
Der Konkurrenzneid führte zu zahllosen unerquick-
lichen Reibereien. Poet. Wert hat unter diesen spä-
tern Spruchdichtern zumeist der wilde Alexander'
tecbnisck ausgezeichnet ist der Kanzler, durch komisches
Halbwissen amüsant Boppe. Der Gegensatz zwischen
Gelehrt und Ungelehrt drängt sich bald nach 1300
typisch zusammen in den echten und unechten Wett-
gesängen zwischen dem theologisch gebildeten Heinrich
von Meißen, genannt Frauenlob, und dem Schmied
Regenbogen. Die Spruchdichtung der "Meister" ist
die unmittelbare Vorstufe des Meistergesangs (s.d.),
die der ungelehrten Fahrenden ging unter in den
Voltswitzen und Voltssprüchen in Reimpaaren, die
im 15. Jahrh, blühten.
Die für den Augenblick gedichteten Lieder und
Sprücke wurden selten von den Ticktern selbst ge-
sammelt, auch nicht immer von ibnen vorgetragen.
Nicht nur Adlige, sondern auch Fabrende hielten sich
stimmbegabte Singknaben. Die Spielleute, die vom
Vortrag fremder,seltener eigener Dichtungen lebten,
zeichneten sich ihr Repertoire in kleine Liederbücher
ein. Aus solchen Liederbüchern wurden Ende des
13. und Anfang des 14. Iabrh. die großen, zum
Teil glänzend ausgestatteten Liedcrsammlungen zu-
sammenaMM, aus denen wir den M. kennen. Die
wichtigsten sind: die kleine Heidelberger Liederband-
schrift (hg. von Pfeiffer in der "Bibliothek des Lit-
terarischen Vereins zu Stuttgart", Bd.9, Stuttg.
1844), die Weingartner zu Stuttgart (hg. von
Pfeiffer und Fcllner, Bd. 5, ebd. 1843) und vor
allem die fog. Manessische, srühcr in Paris, jetzt in
Heidelberg befindliche Bilderhandschrift (s. Manes-
sische Handschrift).
Über die Entwicklung und Geschichte der deutschen
mittelalterlichen Kunstlyrik vgl. Altfranz. Lieder und
Leiche (hg. von W.Waäcrnagel, Bas. 1846); Ubland,
Der M. (in den "Schriften zur Geschickte der Tick-
tung und ^agc", Bd. 5, Stuttg. 1870)'. Schcrer,
Deutsche Studien (2 Hefte, Wien 1870 und 1874);
Bnrdach, Reinmar der Alte und Walther von
der Vogelweide (Lpz. 1880); Lyon, Minne- und
Meistersang (ebd. 1883); Lechlcitner, Der deutscke
M. (2 Bde., Wolfenb. 1893). über die Geschichte
der Spruchdichtung vgl. Die Gedickte Reinmars
von Zweter (hg. von Roetbe, Lpz. 1887). Alle in
den verschiedenen Handschriften erhaltenen Gedichte
hat von der Hagen in seiner Ausgabe der "Minne-
singer" (4 Bde., Lpz. 1838) zu sammeln versucht und
Lebensbeschreibungen der Dichter binzngcfügt. Eine
aeschmackvolle Auswahl lieferte Bartsck, Dcutscke
Liederdichter des 12. bis 14.Jahrh. <3. Aufl., Stuttg.
1803); vgl. auch Psaff, Der M. des 12. bis 14. Jahrh,
in Kürschners "Deutscher Nationallitteratur" (ebd.
1892). Eine kritische Ausgabe des ältern M. wurde
als "Des M. Frühling" (5. Aufl., Lpz. 1893) von
Lachmann und Haupt besorgt. Die Sckweizer Minne-
sänger gab Bartsch (Frauenf. 1886) heraus. Über-
setzungen versuchten Tieck (Minnelieder aus dem
schwäb. Zeitalter, Verl. 1803), Simrock (Elberf.
1857), Storck (Münster 1872) u. a.
Minnesota, einer der nordwestlicken der Ver-
einigten Staaten von Amerika, zwiscken 43° 3lV
und 49° nördl. Br. und 89° 29^ und 97° 5^ westl.
L., wird im N. von Britisch-Amerika, im O. vom
Obern See und von Wisconsin, im S. von Iowa und
im W. von den Dakotas begrenzt, hat 215910 <ikm
und (1890) 1301826 E., d. i. 0 auf 1 ^n, dar-
^ unter 467 356 im Ausland (116 955 in Deutscd-
^ land, 215215 in Skandinavien) Geborene. M. ist
das Land der Seen und Flüffe: von den nahezu
, 1000") Seen sind dcr Leech, Red Lake, Mille Lacs,
Vermillion, Itafka die größten; von den Flüsfen
find schiffbar: der Mississippi, der fast das ganze
Gebiet durckstromt, der M., Et. Eroir, St. Louis,
Red-River, Rcd-Lake-River. M. ist Hochland; reiche
Waldungen wechseln mit Sandhügeln, Sümpfen,
Thälern und Prairien ab. Archäische Gesteine bil-
den den centralen und nordöstl. Teil. Auf der Oft-
scite legen sich größere camdrische und silurlfche
Schichten an, während den Nordwesten Diluvium
bedeckt. Die Kreideformation, tritt vereinzelt auf.
Die Spuren der Eiszeit sind besonders an den Seen
erkennbar. Das Nlima ist, namentlich im nöroL
Teil, rauh und streng, aber nicht ungefund. Der
Ackerbau, die Hauptbeschäftigung, ergab 1893:
30Mill. Vusbcl Weizen, 41 Mill. Vushel Hafer,
9 Mill. Busbel Gerste, 7 Mill. Vushel Kartoffeln,
2,8 Mill. t Hcu, ferner Mais und Flachsfamen.
Andere wichtige Erwerbszweige sind die Holzgewin-
! nung in den ausgedebnten Waldungen und Holz-
bearbeitung sowie die Getreidemühlen. Eisenminen
eristicren seit 1884 im Vcrmilliondistrikt. Die Seen
sind rcick an Fischen, die Wälder an Wild, darunter
Bären, Wölfe und viele Pelztiere. Dies gilt nament-
lick für den faft ganz urwüchsigen mittlern nördl.
Teil, wo auch, am Red-Lake, größere Indiancr-
ländereien sind. M. bat 80 Counties, Hauptstadt
ist St. Paul. Die Legislatur besteht aus 54 Sena-
toren und 114 Abgeordneten. Nach Washington
sendet M. 2 Senatoren und 7 Abgeordnete und hat
bei der Präsidentenwahl 9 Stimmen. Die Staats-
universität in Minneapolis hatte 1894 über 2000
Studenten. Die eigentliche Staatsschuld betrug
(1894) 1892000 Doll. Die Gefamtlänge der Bah-
nen beträgt 9434 km. - Von dem heutigen M. ge-
borte der'Teil östlich vom Mississippi zu dem sog.
Nordwestterritorium (f. o.), der westlich davon zu
dem 1803 von Frankreich gekauften Lonisiana. Am
3. März 1849 wnrde M. als Territorium organi-
siert und 11. Mai 1858 als Staat in die Union auf-
genommen. 1891 wurde das Gebiet des Itaska-
l ecs mit 90 ykui zmn Staatspark erb oben. 1894
vernichteten Waldbrände 1032 cikin Bestand und
8 Orte, wobei 400 Personen umkamen. - Vgl. Neill,
11i3t0i'^ ot ^1. (Minneapolis 1887); Kirk, IlluLtratoä
1iiätm->' ok 51. (St. Paul 1887).
Minnesota River (spr.riww'r), Fluß im nord-
amerik. Staate Minnesota, 420 km lang, entspringt
an der Grenze von Dakota aus dem Big Stone Late,
fließt südöstlich bis Mankato, dann nordöstlich und
mündet bei St. Paul rechts in den Mississippi. Links
mündenPotato und(5hippewa,recbtsLacQuiParle,
^)ellow Medicine, Redwood und Eottonwood.
Minnigerode, Wilbebn, Freiherr von, konser-
vativer Politiker, geb. 28. Nov. 1810 zu Vraun-
schwcig, trat 1860 in die preuß. Armee ein und
nahm 1864 seinen Abschied, um sich der Bewirt-
schaftung feiner Güter zu widmen. Nachdem er an
den Feldzügen von 1866 und 1870 teilgenommen
hatte, wurde er 1871 in den Dcntschen Reichstag
gewäblt, dem er (mit einer kurzen Unterbrechung)
bis 1884 angehörte. Seit 1878 war er auch Mit-
glied des preuß. Abgeordnetenhauses. 1884 wurde
er in den preusi. Staatsrat berufen. M. war ein
hervorragendes Mitglied der konservativen Partei
und namentlich im agrarischen Sinne tbätig. 1888