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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Mispel; Misraïm; Miss; Missa; Missale; Missaltype; Mißbildungen

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Mispel (welsche) - Mißbildungen

derb und werden erst später durch Liegen, wenn sie teigig geworden sind, wodurch sie einen weinartigen Geschmack bekommen, oder durch leichte Nachtfröste als Obst genießbar. Man unterscheidet als Sorten die gemeine Gartenmispel, die große Gartenmispel oder holländische und die M. ohne Kern. Das Holz des Stammes ist sehr zähe und daher zu Drechslerarbeiten wie auch beim Mühlenbau sehr brauchbar. Die M. ist eine sehr langsam wachsende Holzart. Sie wird meist durch Pfropfen aus Weißdorn, Birne oder Quitte vermehrt, da die Anzucht aus den langsam, oft gar nicht keimenden Samen (Steinkernen) eine sehr langwierige ist.

Mispel, welsche, s. Crataegus.

Misraïm, Mizraïm, hebr. Name Ägyptens.

Miss (engl.), Fräulein, in England Prädikat jeder unverheirateten Dame, welche nicht Anspruch auf den Titel Lady hat. N. wird vor den Taufnamen, bei der ältesten Tochter einer Familie jedoch vor den Vatersnamen gesetzt. (S. auch Mistress.)

Miss., offizielle Abkürzung des nordamerik. Staates Mississippi.

Missa (lat.), s. Messe; M. solemnis, feierliche Messe, Hochamt.

Missale (lat.) oder Meßbuch, in der röm.-kath. Kirche Bezeichnung liturgischer oder gottesdienstlicher Bücher, in denen die von der Kirche angeordneten Messen für alle Sonn- und Festtage, für besondere Gelegenheiten (z. B. für die Totenfeier), die evang. und epistolischen Perikopen, Gebete und der Meßkanon enthalten sind. Der röm. Bischof Gelasius (gest. 496) sammelte die Gebete, deren man sich vor seiner Zeit bei dem Meßopfer bediente, und fügte ihnen neue Offizien solcher Heiligen, deren Kultus hinzugekommen war, bei. Diese Sammlung, "Sacramentarium Gelasii" genannt, wurde später mehrfach verbessert. Neben diesem römischen M. ("Missale Romanum", hg. von Schott, 3. Aufl., Freib. i. Br. 1892) bestehen schon von früher Zeit an M. für bestimmte Diöcesen und für einzelne religiöse Orden. Die alten M. vor der Erfindung der Buchdruckerkunst wurden oft auf das prächtigste geschrieben (s. Mönchsschrift), mit den schönsten Initialen und Miniaturen geschmückt und mit den kostbarsten Einbänden versehen.

Missaltype, s. Mönchsschrift.

Mißbildungen (Monstrositates) nennt man in der Anatomie des Menschen und der Tiere diejenigen Abweichungen von der normalen Bildung des Organismus, welche eine Entstellung oder eine abnorme Lage oder eine Behinderung der Funktion der Organe bedingen und sich in ihrer Entstehung auf eine Störung der ersten Bildung zurückführen lassen (Bildungsfehler, Vitium primae formationis). M. mit schwerer Entstellung der äußern Form werden als Monstra oder Monstrositäten bezeichnet, während man bei geringern Graden nur von Anomalien oder Naturspielen (lusus naturae) zu sprechen pflegt. M. sind um so häufiger und mannigfaltiger, je komplizierter der Entwicklungsvorgang ist; während bei den niedrigsten organischen Wesen M. nur selten vorkommen, werden dieselben bei den höhern Tieren, besonders den Haustieren und beim Menschen öfters beobachtet. Sämtliche M. zerfallen in einfache M. und in Doppelmißbildungen, je nachdem es sich dabei um ein Individuum handelt oder um zwei mehr oder weniger vollständige Individuen, welche miteinander in Verbindung getreten sind. Von der einfachen Mißbildung unterscheidet man Mißgeburten mit überzähligen oder stark ausgebildeten Gebilden, z. B. Hände mit sechs Fingern u. dgl. (monstrositates per excessum), solche, an denen einzelne Teile, z. B. Gehirn, Gliedmaßen, Eingeweide, fehlen (monstrositates per defectum), und endlich solche mit falscher Lagerung der Organe, z. B. das Herz auf der rechten Seite, die Leber links (monstrositates per situm traversum). Die Fälle, wo zwei Früchte in der Weise verwachsen sind, daß z. B. nur ein Leib, aber zwei Köpfe, ein Kopf und mehr oder minder vollständig zwei Leiber vorhanden sind, bezeichnet man als Doppelmißbildungen (monstra duplicia). Dieselben entstehen entweder durch Spaltung eines ursprünglich einfachen Keims oder durch Verwachsung einer ursprünglich doppelten Keimanlage; in sehr seltenen Fällen kommt es wohl auch zu Drillingsmißbildungen (monstra triplicia). Das bekannteste Beispiel einer derartigen Doppelmißbildung sind die sog. siamesischen Zwillinge (s. d.), die Böhmischen Schwestern u. a.; in andern Fällen derart kommt es zu einer Verschmelzung der Köpfe (Janusbildungen), oder der Brustkasten (Thorakopagen), oder des Unterleibes (Gastropagen) u. dgl. Am häufigsten findet sich die mangelhaft ausgebildete Frucht, und gerade diese ist es, von deren Bildung man sich am ehesten Rechenschaft geben kann. Man hat in vielen M. nur halbfertige, auf einer frühen Stufe der Entwicklung stehen gebliebene Früchte erkannt. So weiß man z. B., daß sich das Gesicht aus mehrern, von beiden Seiten der Wirbelsäule einander entgegenwachsenden Bogen bildet, die schließlich miteinander verschmelzen; geschieht dies nicht, so bleibt die Lippe, selbst der Rachen der Länge nach gespalten und stellt so die Hasenscharte und den Wolfsrachen dar. In andern Fällen führen eigentümliche Lagerungsverhältnisse der Frucht in der Gebärmutter Verstümmelungen herbei. So kann die Umschlingung eines Beins oder Arms mit der Nabelschnur oder gewissen Teilen der Eihäute eine Verkümmerung, selbst eine völlige Amputation des Gliedes herbeiführen. Diese Art der Mißbildung pflegt man nach ihrer Entstehung als Hemmungsbildungen zu bezeichnen.

In früherer Zeit schrieb man die Entstehung solcher und anderer Mißgeburten gern dem sog. Versehen der Schwangern zu. Es ist nicht völlig in Abrede zu stellen, daß Gemütserregungen (Schreck, Sorgen) der Mutter Einfluß auf den Entwicklungsgang der Frucht haben können. Weit sicherer können aber krankhafte Veränderungen der Zeugungsstoffe, allgemeine oder örtliche Krankheiten der Mutter, äußere mechan. Einwirkungen (Stoß, Schlag, Fall auf den Unterleib), ferner Entartungen der Eihäute und gewisse, namentlich entzündliche Krankheiten des Embryo selbst als erste Ursache einer abnormen Entwicklung der Frucht bezeichnet werden. In manchen Fällen spielt auch die Erblichkeit bei der Entwicklung von M. eine große Rolle; so treten gewisse überzählige Bildungen (überzählige Brustwarzen, Finger und Zehen), aber auch schwerere Deformitäten (Hasenscharten, selbst Hypospadie) mitunter in einer ganzen Reihe von Generationen auf (s. Erbliche Krankheiten). Von hohem Interesse sind die M., welche man künstlich an Hühner- und Froschembryonen hervorrufen kann; so erzeugte Geoffroy Saint-Hilaire M. durch starkes Schütteln, Anstechen oder teilweises Firnissen bebrüteter Hühnereier, Dareste durch vertikale Stellung der Eier, Überziehen der Schale mit imper-^[folgende Seite]