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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Moldautein - Mole
gearbeitet, die M. und die Walachei zu einem Staate ^
zu vereinigen und sie von der russ. Sckutzberr- !
schaft frei zu machen. Im Pariser Frieden 1850
wurde der Süden Bcssarabiens der M. zurückgegeben
und die Fürstentümer dem russ. Einslnß entzogen.
Zur definitiven Konstituierung der Länder wurden
1857 besondere Versammlungen einbernfen, die sog.
Diwans ad Iioc, die ihre Wünsche dabin sormnlierten,
daft die M. und die Walachei vereinigt und unter
die Regicrnng eines fremden Fürsten gestellt werden
sollten. Die Pariser Konvention von 1858 hatte
die Regelung dieser Verhältnisse zum Gegenstande.
Es sollten zwei Fürsten gewäblt werden, die mittels
ciner gemeinsamen Centraltommission die Ver-
schmelzung der beiden Länder vorzubereiten bätten.
Dagegen wurden die "Vereinigten Fürstentümer M.
und Walachei", wie sie jetzt offiziell biesien, unler
die Kollettivgarantie der sieben Mäcbte gestellt
< Frankreich, Österreich, England, Prcusien, Italien,
Türkei und Rußland). Unter diesen Voraussetzungen
sollten an einem und demselben Tage des Jan. 185'."
die Landtage der Walachei und der M. zur Wabl
der beiden Fürsten schreiten. Aber die Walacbei ver-
schob absichtlich ibren Wahltag, und als 17. Jan.
1859 die M. den Obersten Alerander Iobann Eusa
(s. d.) zu ibrem Fürsten wählte, ernannte 5. Febr.
die Walachei durch Wahl denselben Fürsten. Die
Union der beiden Länder war bierdurch faktisch ber-
gestellt, i llber die weitere Geschichte s. Ruinänien.)
Moldautem. 1) Bezirkshauptmannschaft und
Gerichtsbezirk in Bö'bmcn, hat 254,04 s^m und
N890) 175'i); (8^63 männl., 9170 weibl.) czech. E.,
^692 .Häuser und 3826 Wohnparteien in 32 Ge-
meinden mit 60 Ortschaften. - 2) M., czecb. ^vn
nad V1t:^von, Stadt und Sitz der Bezirksbaupt-
Mannschaft sowie des Bezirksgerichts, nahe dem
Einfluß derLuschnitz in die Moldau, in 35<;in Höbe,
bat (1890) 2879, als Gemeinde 4019 meist ezeob. (5.,
got. Pfarrkirche, 1279 als ecdksia cazteilata ge-
gründet, erzbischöfl. Schloß (die Stadt M. war ehe-
mals Eigentum des Erzbistums Prag), Kinder-
bewabranstalt'. Brauerei, Schiffbau, Handel mit Holz
und Getreide, Lachsfifcherei und Ziegeleien.
Moldava, rechtsseitiger Nebenfluß des Sereth
in der Moldau (Rumänien), entspringt in den östl.
Karpaten in der Bukowina, durchfließt in südöstl.
Richtung die Vorketten dieses Gebirges, tritt in die
Moldau eiu und mündet bei der Stadt Roman.
Moldawlt, Glasmasse, s. Obsidian.
Molde, Stadt im norweg. Amt Roinsdal, in
berrlicher Lage am Moldefiord, Eentralpunkt des !
Touristenlebens dieser Gegenden, mit (1891) 1663E., l
Ausfubr von Heringen und Klippfifck. ^
Moldenhawer,Johannes, dän. Blindenlebrer, !
geb. 14. Juli 1829 zu Kopenhagen, studierte daselbst
Philologie, und wurde 1858 Direktor der nen crrieb-
teten Staatsblindenanstalt in Kopenhagen. 1802
stiftete er im Verein mit andern den Verein zur
Förderung der Selbstthätigkeit der Blinden. Er ver-
öffentlichte: "Besög i Idiotanstalter paa en Reise i
Tydskland og Schweiz i Sommeren 1854" (Kopenh.
1855), "Om Blindeinstitutet i Lausanne, iscer om den
dcrvcerende dövstumme blinde Kunstdreier Edouard
Meystre" (in "Dansk Maancdsskrift", Mai 1855),
"Vetragtninger angaacnde de Blinde, deres Op-
dragelse, Undervisning og praktiske Uddannelse"
(Kopenh., Dez. 1856), "Om blinde, dövstumme og
aandssvage Borns Undervisning og Stilling i
Verdeu" (1^77), "cAbnorme Kinder" iin der "Garten-
laube" 1878), "Fremstilling af Vlindeforholdene i
Danmark u. s. w." (1879), "Sveits og Eveitserne".
1867-84 gab er mit Professor I. Keller die "Nor-
disk Tidsskrift for Blinde-, Dövstumme- og Idiot-
skolen" heraus und als Appendix dazu "1^68 ew-
1>Iis86in6llt8 ä'ili8ti'ncti0ii ll'ent'antg anoi-mnux
äan8 168 ^llVl> 8cali(Iinlrvo8" (1884).
Moldssarn, in Westfalen die Benennung für
ein ziemlich grobes Leincngespinst, das als Ein-
schlag sür Leinwand verwendet wird.
Mole (^low), Mondkalb, Windei oder
falsche Fruckt, ein fehlerhaftes Produkt der
Zeugung, welkes sich von der Mißbilduug (s. d.)
dadurch unterscheidet, daß es im Vergleich zur
menschlichen Frucbt völlig gestaltlos und unförm-
lich genannt werden kann. Die M. ist als ein un-
regelmäßig entwickeltes und entartetes Ei aufzu-
fassen und stellt eine bis faustgroße zusammen-
geballte, aus wasserhaltigen Blasen, Blut-, Fleiscb-
oder Fettklumpen, auch zum Teil erdigen, knocken-
artigen Konkrementen und Häuten bestehende un-
förmliche Masse dar, welche zuweilen noch deutliche
Überbleibsel einer früber vorbandenen regelmäßigen
Frucht zeigt. Gewöbnlich uuterscheidet man drei
Arten der Molenoilvung,nämlich das Abortivei, die
Fleischmole und die Blasenmole. Das Abortivei
(ovuin adoitivnm) stellt gewissermaßen ein taubem
Ei dar, einen in Blutgerinnsel gehüllten, aus den
Eihäuten zusammengesetzten, mit Flüssigkeit erfüll-
ten Sack, welcher keine Spur eines Embryo entbält
und gewöbnlich im zweiten Monat geboren wird.
Bleibt es längere Zeit in der Gebärmutter liegen,
so werden die Blutgerinnsel immer derber und fester
<sog. Vlutmole) und bilden weiterhin eine fleisch-
äbnliebe leberfarbene Masse von der Größe ciner
Orange, die sog. Flei s ch mole (inola carno8a),
welche meist zwischen dem dritten und fünften Monat,
mitunter aber anck viel später, ausgestoßen wird.
Die Blasen- oder Traubenmole (Hydatiden-
mole) endlick stellt eine weiche flockige Masse dar,
die durch eine Menge doldcn- oder rosenlranzförmig
zusammenbringender Blasen von der verschieden-
artigsten Größe gebildet wird.
Die Molensck w a nger s ckaft (^i Hviäita8 mo-
^i'i3) ist nickt mit Sicherheit zu erkennen, doch
stellen sich bäufig bartnäckige und erschöpfende Blu-
tungen ein. Die M., al^ des selbständigen Lebens
ermangelnd, wird selten zu derselben Zeit wie eine
regelmäßige Frnckt geboren, sondern meist zwischen
dem dritten und sechsten Monat stückweise oder als
Ganzes ausgestoßen.
Mole (von: ital. molo; engl. di6.^Iv>vator oder
1)ier; frz. M<^>, ein Damm, der einen am offe-
nen Meere liegenden Hafen oder eine Hafeneinfahrt
begrenzt. Die M. sind entweder Wellenbrecher zum
Abbalten der großen Wellen (Flutbrecher), also
zum Schutze der im Hafen liegenden Schiffe, oder sie
sind angelegt, um die Hafeneinfahrt vor Versandung
zu schützen. Zuweilen werden sie auch bei ruhigem
Wasser nur zu dem Zwecke ansgeführt, das Besteigen
oder Beladen von Schiffen zu ermöglichen, welcke
sich wegen ibres Tiefganges dem Ufer nicht nähern
können. Die M. werden zumeist in Steinbau in der
Weise ausgeführt, daß sich eiue starke Mauer mit
einer obern Steinbrustwehr auf eine Schüttuug gro-
ßer Felsblöcke oder auf eine regelrechte Packung
großer Betonblöcke stellt. In denjenigen Meeren,
welcke den Vobrwurm (s. d.) nicht baben, beispiels-
weise in der Ostsee, werden M. oft aus Holzwerk