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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Monde - Mondfinsternis
stellte denn auch Lacaille die erste Näberungs-
gleichung, wobei er nur die Glieder erster Ordnung
der Taylorschen Reihe berücksichtigte, zur Reduktion
oer M. auf; sie lautete (s. umstehende Figur):
O'^ v -(II'-H)c03N-^(1i -Ii')c03 ^, wobei
^, die waw "'Ib'he des Mondmittelpunkts,
^ die ?aw ^'I^bhe des Gestirnmittelpunkts,
v die scheinbare! Distanz der Mittelpunkte beider
IV die wahre / Himmelskörper,
N der Winkel am Mond,
8 der Winkel am Gestirn.
Genauere Ausdrücke gab Maskelyne, der auch
die Proportionallogarithmen sür die Interpolation
der M. einführte. Die umfangreichen Cambridger
Tafeln (1772) erleichterten die Rechnung wesentlicb.
Überhaupt beschäftigten sich seit Ende des vorigen
Jahrhunderts alle hervorragenden Mathematiker
mit der genauen Rednktion der M. Von den vielen
Formen bürgerte sich in der Nautik am meisten die
1767 von Dunthorne aufgestellte Formel
C08iic08H^
ein, die später mancherlei Modifikationen erhielt.
Durch Elsords Tafeln (1810) wurde die Rccknung
wesentlich verkürzt; auf Grund dieser gab Weyer
1881 eine Tabelle der kürzesten Reduktion der M.,
die bei hinreichender Genauigkeit die Recbnung der
M. zu einer der bequemsten nautischen Rechnungen
macht. Ligowski stellte 1863 eine Tangentenformcl
auf, welche die Benutzung von nur vierstelligen Loga-
rithmen gestattet. Ist die wahre Distanz 1)^ gefunden,
so sindet mandurcb Interpolation ans dem nautischen
Jahrbuch, zu welcher Grcenwicher Zeit sie stattfand,
also durch Vergleich dieser Zeit mit der Ortszeit die
gesuchte Länge. Die Beobachtung der M. erfor-
dert einen geübten Beobachter; am leichtesten sind
Distanzen zwischen Sonne und Mond zu messen. Die
Höhen der betreffenden Gestirne über dem Horizont
müssen gleichzeitig beobachtet werden. - Vgl. Weyer,
Vorlesungen über nautische Astronomie (Kiel 1871);
ders., Kürzeste Bcrechnungsart der M. (in den "An-
nalen der Hydrographie", Verl. 1881); Gelcick,
Studien über die Entwicklungsgeschichte der Schiff-
fahrt u. s. w. mit Anhang: Entwicklungsgeschichte
der Formeln znr Reduktion der M. (Laibach 1882);
Vreusing, Stenermannskunst (5. Aufl., Brem. 1890).
Monde, s. Nebenplaneten.
Mondego (spr. mongdehgu), Fluß in der portug.
Provinz Veira, Distrikt Coimbra, 175,8 km lang,
mit einem Stromgebiet von 6883 hkm, kommt aus
der Lagoa longa in der Serra d'Estrclla und mündet
südlich' vom Vorgebirge M. (600 m) in den Atlan-
tischen Ocean. Er ist ausgezeichnet durch klares
Wasser und herrliche Landschaft, die er in gewunde-
nem Lauf bis Coimbra durchsticht. Von hier ab bis
Figueira de Foz ist sein Bett breit. Im Sommer
ist das Wasser für Schiffe zu seicht; im Winter sind
Überschwemmungen nicht selten.
Mondeinfluß auf die Witterung wurde in
verschiedener Richtung (Phasen des Mondes, syno-
discher Umlauf desselbeu von Neumond zu Neumond,
Einfluß von Erdnähe und Erdferne, Mondzeit, d. b.
Abstand des Mondes vom Meridian und endlich
Deklination) in Bezug auf Barometerstand, Tem-
veratur, Bewölkung, Niederschlag, Gewitter und
Hagel untersucht. Es wurde ein schwacher Einfluß
der Mondzeit auf den Barometerstand (s. Atmosphä-
rische Gezeiten) in den Tropen nachgewiesen, auch
hat sich ergeben, daß der Luftdruck bei Erdnähe kleiner
ist als bei Erdferne. Aber diese Einflüsse sind kaum
von nennenswerter Größe. Auffallend erscheint der
Einfluß auf Gewitter. Zur Zeit des Neumondes und
ersten Viertels treten die Gewitter häufiger auf als
während der andern Hälfte des Umlaufs. Nament-
lich zur Zeit des Vollmondes erscheinen sie selten.
Besonders häufig brechen Gewitter unmittelbar
nach der obern Mondkulmination aus, doch scheint
auch die untere ein relatives Marimum zu zeigen.
Alle diese Erscheinungen sind aber nicht derart
scharf ausgeprägt, daß man darauf Witteruugs-
prognosen gründen könnte. Ebenso schwach be-
gründet ist der Mondeinfluß bei Falbs Kritischen
Tagen (s. d.). - Vgl. Günther, Einfluß der Him-
melskörper auf Witterungsvcrhältnisse (2. Aufl.,
Nürnb. 1884); Falb, Das Wetter und der Mond
(2. Aufl., Wien 1892).
Mondfinsternis entsteht, wenn der Mond zur
Zeit des Vollmondes einem Knoten seiner Bahn
nahe stebt. In diesem Falle muß er seinen Weg
durck den von der Erde geworfenen Schatten neh-
men und erscheint dann ganz oder teilweise seines
Lichts beraubt. In der nachfolgenden Figur stellt 8
die Sonne, N die Erde, X den von der Erde erzeugten
"<
Kernschatten, II den Halbschatten der Erde, 1, 2,3,4
den Mond in seiner Bahn während des Verlaufs
einer M. vor. Wäre die Mondbahn nicht gegen die
Erdbahn geneigt, so hätten wir an jedem Vollmond
auch eine M., da die Spitze des Erdschattens 1344000
bis 1390 000 km vom Erdmittelpunkt abliegt, der
Mond sich aber nur bis 407110 km von der Erde
entfernen kann, mithin dann bei jedem Umlauf
durch den Erdschatten hindurchgehen müßte. In-
solge der Neigung seiner Bahn gegen die Erdbahn
gebt indessen der Mond meist über oder unter dem
schatten dinweg und bleibt daher während des
Vollmondes meist beleuchtet. Nur in dem Falle,
wo er wäbrend des Vollmondes auch der Ebene der
Erdbabn nahe genug kommt, also in der Nähe eines
seiner Knoten steht, muß er sich durch den Erd-
schatten hindurch bewegen. Der größte Abstand,
den er von einem Knoten dann noch haben darf,
wenn eben noch eine M. stattfinden soll, darf nicht
über 13° betragen. Man nennt die M. total oder
partiell, jc nachdem der Mond ganz in den Kern-
schatten der Erde eintritt oder denselben nur mehr
oder weniger streift, übrigens wird der Mond durch
seine totale Verfinsterung nur in den seltensten
Fällen völlig unsichtbar; in der Negel erscheint er
in einem kupferroten Licht, während bei partieller
M. der verfinsterte Teil durch den Erdschatten dun-
kelgrau erscheint. - Tritt eine M. ein, so ist sie an
allen 3^rten der Erde, für die der Mond über-
haupt über dem Horizont steht, sichtbar, fmdet für
alle im nämlichen Moment statt und verläuft für
alle in gleicher Weise. Die M. wiederholen sich nach