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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Moses de Leon - Moskau
ein organisiertes Volk im Sinne des spätern Volks Israel befreit und diesem auf dem Sinai Gesetze gegeben. Denn dieses Volk bat sich erst später infolge der Einwanderung hebr. Stämme in Palästina gebildet, und die Idee des Gesetzes ist ein Erzeugnis der prophetischen Bewegung. M. hat hebr. Stämme aus Ägypten befreit, diesen den Kult des Gottes vom Sinai übertragen und ist ihr Priester, d. h. Orakelgeber und Führer gewesen. - Über die Fünf Bücher Mose s. Pentateuch.
Moses de Leon, Verfasser des Sohar (s. d.).
Moses von Chorene (Mosês Chorenazi), der von den Armeniern gefeierteste, in Europa bekannteste Schriftsteller der armenischen Litteratur. Unter den ihm zugeschriebenen Werken sind "Die Geschichte Armeniens" (bis 442 n. Chr.), "Das Lehrbuch der Rhetorik" und "Die Geographie" die wichtigsten. Erstere ist eine Geschichte des armenischen Adels, im Interesse der Familie Bagratuni geschrieben, beruht auf armenischen Werken und Übersetzungen aus dem Griechischen, wie auf Volksliedern mytholog. Inhalts und Sagen, für polit. Geschichte wenig wertvoll und nur mit Vorsicht zu gebrauchen. Die Geographie ist im 7. Jahrh. (um 657?) verfaßt. A. von Gutschmid setzte anfangs die Geschichte ins 5. Jahrh. (zwischen 459 und 481), später mit der Geographie ins 7. Jahrh. (zwischen 634 und 642), dagegen hält Baumgartner den Verfasser der Geschichte und Rhetorik für identisch und setzt beide in das 5. Jahrh. Der neueste Forscher, A. Carrière ("Nouvelles sources de Moïse de Khoren", Wien 1893; "Supplément", ebd. 1894), setzt die Geschichte ans Ende des 7. oder den Anfang des 8. Jahrh. Die wissenschaftliche Litteratur verzeichnet Baumgartner, "Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft", Bd. 40 (Lpz. 1886). Gesamtausgabe: Venedig 1865; die Geschichte wurde mit lat. Übersetzung herausgegeben von den Brüdern Whiston (Lond 1736); mit franz. Übersetzung von Levaillant de Florival (Par. 1841); Übersetzungen wurden veranstaltet ins Italienische (Vened. 1849-50), ins Russische von Emin (Moskau 1858), ins Deutsche von Lauer (Regensb. 1869); die Geographie wurde mit franz. Übersetzung herausgegeben von Saint-Martin (Par. 1818) und von Arsène Soutry (Vened. 1881), mit russ. Übersetzung von Patkanean (Petersb. 1877).
Mosestäfelchen, Bezeichnung für die Bäffchen (s. d.), weil sie die beiden Gesetzestafeln des Moses bedeuten sollen.
Moses und die Propheten haben, s. Moos.
Moshájsk (spr. mosch-). 1) Kreis im südwestl. Teil des russ. Gouvernements Moskau, hat 1845,3 qkm, 68348 E., Ackerbau, Holzfällerei, Töpferei, Bandweberei. - 2) Kreisstadt im Kreis M., an der Mündung der Moshajka und Petrowka in die Moskwa und an der Eisenbahn Moskau-Brest-Litowsk, hat (1893) 5080 E., Post, Telegraph, 5 Kirchen, 1 Mönchskloster, Mädchenprogymnasium, Stadtbank, Band- und Lichterfabriken. - Die Schlacht an der Moskwa (s. d.) 7. Sept. 1812 wird fälschlich auch die Schlacht bei M. genannt.
Mosheim, Joh. Lorenz von, Theolog, geb. 9. Okt. 1694 zu Lübeck, studierte zu Kiel, wurde 1723 ord. Professor der Theologie in Helmstedt, 1726 Konsistorialrat und Abt zu Marienthal und Michaelstein, 1747 Professor in Göttingen, wo er 9. Sept. 1755 als Kanzler der Universität starb. Sein kirchengeschichtliches Hauptwerk sind die "Institutionum historiae ecclesiasticae antiquae et recentioris libri IV" (Helmst. 1755; neue Aufl. 1769; deutsch Lpz. 1769-78; Heilbr. 1786-96). Ferner schrieb er: "Institutiones historiae christianae" (4. Aufl., Lpz. 1801), "De rebus christianorum ante Constantinum commentarii" (ebd. 1753), "Dissertationes ad historiam ecclesiasticam pertinentes" (neue Aufl., 2 Bde., Altona 1767), "Versuch einer unparteiischen und gründlichen Ketzergeschichte" (2 Bde., Lpz. 1748-50), "Sittenlehre der Heiligen Schrift" (fortgesetzt von I. Peter Miller, neue Aufl., 9 Bde., ebd. 1770-78), "Anweisung, erbaulich zu predigen" (hg. von Windheim, 2. Aufl., Erlangen 1771), "Heilige Reden" (neue Aufl., 3 Bde., Hamb. 1765).
Mösĭen (Mösia), als röm. Provinz Name des Landes im S. der untern Donau, das gegen O. an das Schwane Meer stieß, gegen S. durch die Bergketten des Balkan und Scardus von Thrazien und Macedonien, gegen W. durch den Fluß Drinus (Drina), einem Nebenfluß der Save, von Dalmatien getrennt wurde. Der Fluß Ciabrus (Cibriz) teilte es in zwei Hälften, deren östliche, Niedermösien (Moesia inferior), dem heutigen Bulgarien, die westliche, Obermösien (Moesia superior), vom Margus (Morava) durchflossen, dem heutigen Serbien ungefähr entspricht. Die mehrfach wechselnden Einwohner gehörten ursprünglich dem thraz. Volksstamm an, so die Völkerschaften der Mösier (von den Griechen Myser genannt, wie diese auch das Land, gleich dem kleinasiatischen, Mysien [s. d.] nannten), der Dacier (s. Dacien), Geten (s. d.), Dardaner (s. d.), Triballer. Die letztern wurden zu Ende des 4. Jahrh. v. Chr. durch die kelt. Skordisker, die sich selbst im westlichen M. niederließen, in das östliche gedrängt. Ostmösien stand kurze Zeit seit dem Ausgang des 6. Jahrh. v. Chr. unter pers. Herrschaft, im 5. Jahrh. gehörte es zum Reich der thraz. Odrysen (s. d.).
Die Berührung mit den Römern begann seit 75 v. Chr., wo der Prokonsul von Macedonien, Gajus Scribonius Curio, bis zur Donau vordrang; unterworfen wurde das Land 29 v. Chr. durch Marcus Licinius Crassus, Prokonsul von Macedonien. Noch unter Augustus wurde das Land als kaiserl. Provinz eingerichtet, seine eigentliche Blüte begann aber erst nach Trajans siegreichen dacischen Feldzügen. Seit Domitian bestand die Einteilung in Ober- und Niedermösien. Im 3. Jahrh. begannen die Einfälle der Goten, gegen die Decius 251 n. Chr. in M. fiel, bis den Eindringlingen Claudius II. durch den Sieg bei Naissus 269, und 271 Aurelian, der die röm. Kolonisten aus Dacien nach M. verpflanzte, für einige Zeit ein Ziel setzten. Bei dem Andrang der Hunnen überfluteten die Westgoten das Land, das ihnen, nachdem Kaiser Valens gegen sie bei Adrianopel 378 Schlacht und Leben verloren hatte, Theodosius I., dessen Oberherrschaft sie anerkannten, einräumte. Viele von ihnen blieben bei dem Wegzug des Volks im 5. Jahrh. zurück und erhielten sich unter dem Namen Mösogoren bis ins 6. Jahrh. Das Land wurde darauf durch hunn., slaw., avarische und bulgar. Einfälle furchtbar heimgesucht. In das wüste Niedermösien wanderten seit dem 6. Jahrh. slaw. Völker ein, in Obermösien zogen seit Anfang des 7. Jahrh. die Serben ein.
Mosiwatunjafalle, s. Sambesi.
Moskau. 1) Militärbezirk (russ. Moskowskij wojennyj okrug) im europ. Rußland, umfaßt die Gouvernements M., Jaroslawl, Kaluga, Kostroma, Nishegorod, Orel, Rjasan, Smolensk, Tambow,