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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Moskau
Tula, Twer, Wladimir, Wologda und Woronesch
und hat 1060499 ykm mit 24523 504 E., d.i.
23,i auf 1 ykm. - 2) Generalgouvernement und
Gouvernement im mittlern Teil des europ. Ruß-
lands und zu Grohrußland gehörig, grenzt im N. an
Twer, im 3^O. an Wladimir, im SO. an Rjasan, im
S. an Tula und Kaluga, im W. an Smolensk und
hat 33303,6 ykm mit 2393 629 E., d. i. 71,8 auf
1 ^I^m. Das Gouvernement bildet fast den Mittel-
punkt des sog. Moskauer Kohlenbeckens, das (1888)
20 Mill. Pud Stein- und Braunkohle lieferte. Die
Flüsse gehören zum Gebiet der Wolga, die selbst
im N. die Grenze berührt. Im SO. ist die Oka der
Grenzstuß. Die Mitte wird bewässertvon derMoskwa
(s. d.) und Kljasma. Wälder nehmen 40 Proz. der
Oberstäche ein. Das Klima ist gesund. Die Bevöl-
kerung besteht vorwiegend aus Großrussen und bil-
det die Eparchie M. der russ. Kirche. Die Haupt-
beschäftigung ist Ackerbau und Industrie. Unter den
industriellen Gouvernements Rußlands nimmt M.
den ersten Nang ein. Es hat (1892) 1962 Fabriken,
davon sind 40 Tuchfabriken, 27 Wollwebereien,
309 Baumwollspinnereien und -Webereien, 218
Seidenwebereien, 111 Färbereien, 29 Kattundrucke-
reien, 4 Zuckerfabriken, 66 Gerbereien. Außerdem
werden fabriziert Metallwaren, Fayence, Chemi-
kalien, Seife, Papier. Es giebt Steinbrüche (Mar-
mor von Kolomna oder M.), Mühlen, Branntwein-
brennereien u. s. w. Sehr entwickelt ist auch die
Hausindustrie, namentlich die Weberei. Den Handel
und Verkehr fördern schiffbare Flüsse und 676 1cm
Eisenbahnen. Das Gouvernement, in seinem heu-
tigen Bestände seit 1802, zerfällt in 13 Kreise: M.,
Bogorodsk, Bronnizy, Dmitrow, Klin, Kolomna,
Moshajsk, Podolsk, Rusa, Serpuchow, Sweni-
gorod, Wereja und Wolokolamsk. - 3) Kreis im
mittlern Teil des Gouvernements M., im Gebiet
der Moskwa und Kljasma, hat 2700,i ykm und
(1893) 943939 E. - 4) M., russ. NoLlova, frz.
AI0800U, engl. Nosco^v, neben St. Petersburg die
Hanptstadt des Russischen Reichs und die Krönungs-
stadt der russ. Kaiser, unter 55°45^
'nördl. Br., 37"37'östl. L. von
Greenwich, in 160-240m Höhe,
aufund zwischen sieben Hügeln in
der Mitte eines großen Bassins
der Steinkohlenformation, an
beiden Seiten der hier sehr ge-
wundenen Moskwa und deren
Zuflüssen Iausa und Neglinnaja
(letztere meist überwölbt). Die
mittlere Jahrestemperatur beträgt ^ 3,9°, die des
Juli 18,9", des Januar-11,i°0., die Höhe der Nieder-
schlage etwa 490 mm. (Hierzu ein Stadtplan.)
Größe und Bevölkerung. M. nimmt einen
Flächenraum von 67 ykm ein. Die größte Aus-
dehnung von Nordost nach Südwest beträgt 14 km.
M. besteht, außer der innern Stadt, größtenteils aus
ein- und zweistöckigen Häusern mit Hof, Garten und
Wirtschaftsgebäuden, umgeben von einer Mauer
oder Zaun. Der größere Teil der Stadt liegt links von
rechts; der letztere wird im N. von einem Ableitungs-
kanal der Moskwa durchschnitten. An mehrern Stel-
len der Stadt finden sich Teiche: die Prjesnenskije,
Tschistyje, Patriarschije, der Chapilowsche, Krasnyj
u.a. Die Bevölkerung betrug 1812: 250000 (im
Winter 400000), 1864: 364148,1882: 753 469,
1893: 861590 E.; nur 26,2Proz. sind inM. geboren.
Der Herkunft nach gehören 49,2 Proz. dem Bauern-
stande an, 28,3 den städtischen Ständen, 9,5 dem
Militär, 1,? der Geistlichkeit, 4,? dem erblichen,
2,7 dem persönlichen Adel. 1,5 Proz. sind Aus-
länder; 93,9 gehören der russ. orthodoxen Kirche
an, 2,3 sind Evangelische, 1,2 Katholiken, 1 Proz.
Israeliten; 0,0 kommen auf andere Bekenntnisse
(Raskol, armenisch-gregorianische Kirche, Mohamme-
danismus u. a.). Der Beschäftigung nach sind thätig
in Gewerbe und Industrie 43,3, in Handel, Trans-
port- und Fuhrwesen 19,8, in häuslichem Dienst 15,8,
in Militär- und Civildienst 7,i Proz. 10,i Proz.
baben keinen persönlichen Erwerb, 3,9 kommen auf
Geistliche, Lehrer, Gelehrte, Künstler u.^.w. hoch
ist die Zahl der Analphabeten (52,2 Proz. der Ge-
samtbevölkerung). In Garnison liegen das 1. bis 4.,
7. und 12. Grenadier-, das 1. und 2. Infanterie-,
das 3. Dragoner- und das 1. donische Kosakenregi-
ment sowie die 1. Grenadier-Artilleriebrigade.
Anlage, Brücken. Die meist krummen Straßen
gehen radienartig vom Kreml aus und sind durch
Querstraßen sowie links von der Moskwa durch drei
konzentrisch laufende Boulevards miteinander ver-
bunden. DerKreml(s.d.),derältesteTeilderStadt,
liegt links und 43 m über der Moskwa auf dem
VorowizkischenHügel(s.Tafel: Russische Kunstll,
Fig. 8). Er bildet ein unregelmäßiges Fünfeck
von 2 km Umfang und ist mit einer 20 m hohen,
mit Zinnen und 18 Türmen versehenen Mauer (er-
baut 1487) umgeben, durch die fünf Thore führen.
Im Innern finden sich nur noch kirchliche Bauten,
Paläste und Staatsgebäude. Nordöstlich am Kreml,
von diesem durch den Roten Platz getrennt, liegt
Kitajgorod (d. i. Chinesenstadt), jetzt Mittelpunkt
des Großhandels; es ist der Zweitälteste Teil der
Stadt, der 1534 mit einer Mauer mit sieben Thoren
umgeben wurde. Um Kreml und Kitajgorod ent-
wickelte sich ein neuer Stadtteil, Bjelojgorod (d.i.
Weiße Stadt), benannt nach der weihen Mauer, an
deren Stelle sich jetzt die Boulevards des zweiten
Bogens befinden. Um die Weiße Stadt entstand
Semljanojgorod (d. i. Erdstadt), benannt nach
einem Erdwall (jetzt der dritte Bogen, zumeist von
der Sadowaja-^Garten-^Straße gebildet). Die An-
siedelungen rechts von der Moskwa wurden als
Samoskworjetschje (d. i. Stadtteil jenseit der
Moskwa) zur Stadt genommen. Daran schloß sich
endlich noch ein Kranz von Vorstädten, und das
Ganze wird jetzt von einem Wall umgeben, durch
den 18 Schläge (xaLtH^) führen. Die alte Ein-
teilung wird durch die neue verdrängt, wonach
M. in 17 Teile (t8c1ia8ti) zerfällt. Davon bilden
Kreml und Kitajgorod den 1. Teil, die Gorodskaja
Tschastj, auch emfach Gorod, d. i. City, genannt;
Bjelojgorod den 2. und 3. Teil (Twerstaja und
Mjasnizkaja Tschastj); Semljanojgorod den4. bis 9.,
das übrige den 10. bis 17. Teil. Letztere acht Teile
nehmen etwa drei Viertel des Flächenraums von
M. ein, enthalten viele Fabriken, Kasernen, die
Bahnhöfe u. s. w. und werden vorzugsweise von
der ärmern Bevölkerung bewohnt, über die Moskwa
führen 8 Brücken; die älteste ist die sog. Kamennaja-
(Stein-)Vrücke, westlich am Kreml, ursprünglich wirk-
lich von Stein, seit 1859 von Gußeisen, über den
Ableitungskanal 4, über die Iausa die Schloß-, die
Lefortowsche Brücke u. a.
Straßen, Plätze, Denkmäler. Ausgangs-
punkte des Verkehrs nach allen Richtungen der
Stadt bilden der Theater-, der Lubjanka- und der