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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Moskau
Iljinkaplatz, alle drei an den nördl. Teil von Kitajgorod grenzend. Südlich von ihnen in der Iljinka (mit der Börse) und Nikolskaja ist der Sitz des Großhandels. Die großen Detailgeschäfte sind in Bjelojgorod auf der Schmiedebrücke, der Twerjkaja, der Petrowka u. a., wo sich die Passagen Lubjanskaja, Popow, Solodownikow u. s. w. finden. In neuerer Zeit ist auch an Stelle der frühern hölzernen Rjady (das sind Reihen) längs der Nordostseite des Roten Platzes ein großer Prachtbau mit Passagen und Läden errichtet worden. Auf dem Ochotnyj Rjad (d. i. Jägerreihe) ist der Markt für Gemüse, Geflügel, Wild; auf Zwjetnoj Boulevard der Blumenmarkt, auf dem Bolotnajaplatz der Obstmarkt, auf dem Konnajaplatz der Pferdemarkt. Der Platz für Volksfeste, das Dewitschje Pole (Jungfernfeld), ist durch die neue Universitätsklinik (1,6 km Front) verkleinert worden. Die Twerskaja (2 km lang) führt durch die Iberische Pforte, den Roten Platz direkt zum Kreml. In ihrer nordwestl. Fortsetzung, am Smolensker Bahnhof, ist die Triumph-Pforte, zur Erinnerung an 1812 erbaut. Ein anderer Triumphbogen, die Rote Pforte (1742 von der Moskauer Kaufmannschaft gestiftet), steht auf der Sadowaja, das Denkmal Kaiser Alexanders II. (1893 errichtet) im Kreml. Weitere Denkmäler sind: das Denkmal Minins und Posharskijs (auf dem Roten Platz; s. Tafel: Russische Kunst I, Fig. 3), 1818 errichtet, zwei kolossale Bronzefiguren auf Granitsockel; das Puschkin-Denkmal (auf dem Twerskoj-Boulevard), Bronzefigur nach Opekuschins Modell, 1880 errichtet; das Denkmal des Bojaren Matwejew, das Denkmal der bei Plevna gefallenen Grenadiere. Bemerkenswert auf dem Roten Platz ist noch Lobnoje Mjesto (d. i. die Schädelstätte), eine runde Erhöhung mit Steingeländer, vor der ehemals die.Hinrichtungen stattfanden. Die bedeutendsten Parkanlagen sind: der Alexandergarten (am Kreml), der Zoologische Garten (im NW.) und der Njeskutschnyjpark (im SW. an der Moskwa).
Kirchen, Klöster. M. hat 434 Kirchen, 82 Kapellen, 14 Mönchs-, 7 Nonnenklöster und 23 Friedhöfe. Unter den Kirchen sind 1 armenisch-gregorianische, 2 katholische (St. Peter und Paul und die St. Ludwigskirche), 2 lutherische (Peter-Pauls- und Michaeliskirche), 1 englische und 1 reformierte Kapelle. Die hauptsächlichsten (russ.-orthodoxen) Kirchen find: die Uspenskij-Mariä-Himmelfahrt-)Kathedrale (im Kreml), 1475-79 von Fioraventi aus Bologna erbaut, mit großer Kuppel (42 m) und vier kleinen; in ihr werden die Kaiser gekrönt und die Metropoliten geweiht; die Archangelskij-Kathedrale (im Kreml), 1333 gegründet, 1505-9 von dem Mailänder Alefisio Novi umgebaut, mit den Grüften aller Großfürsten und Zaren bis vor Peter d. Gr.; die Blagowjeschtschenskij- (d. i. Mariä-Verkündigungs-)Kathedrale (im Kreml), 1397 gegründet, ehemalige Hauskirche des Zaren; die Spaß-naboru-(d. i. des Erlösers am Wald) Kathedrale (im Kreml), seit der Gründung M.s bestehend; die bizarre Basiliuskathedrale (in Kitajgorod; s. Tafel: Russische Kunst II, Fig. 7), 1554 zum Andenken an die Eroberung Kasans gegründet. An der Iberischen Pforte befindet sich die Kapelle der Iberischen Mutter Gottes mit der Kopie eines wunderthätigen Marienbildes des Iberischen Klosters auf dem Athos; die großartige Erlöserkirche, 1839-83 zur Erinnerung an die Vertreibung der Franzosen 1812 erbaut nach den Plänen Thons, trägt fünf vergoldete Kuppeln (s. Tafel: Russische Kunst II, Fig. 4). Das reichste und berühmteste Kloster ist das Tschudow-Mönchskloster (im Kreml), 1365 gegründet, früher Sitz der russ. Patriarchen. Allen Kirchen und Klöstern im Kreml gemeinsam ist der Glockenturm des Iwan Welikij (d. i. Iwan d. Gr.), 1600 erbaut, 82 m hoch in 5 Stockwerken mit 34 Glocken, deren eine 7000 Pud wiegt. Am Fuß des Turms steht der Zar-Kolokol (d. i. Riesenglocke), 12000 Pud schwer, mit einem beim Absturz vom Gerüst 1737 ausgebrochenem Stück an der Seite. Endlich sind in M. noch eine Synagoge und eine Moschee.
Weltliche Bauten. Am bedeutendsten ist der Große Kremlpalast, 1838-49 nach den Plänen von Konstant Thon erbaut, 121 m lang und 128 m tief, mit drei großen Paradesälen und 700 Zimmern. Mit ihm hängen zusammen: die Granowitaja Palata (Facettenpalast, benannt nach der Form der Steine in der Façade), 1491 erbaut, oft erneuert, ein einziger Saal, früher zum Empfang von Gesandtschaften, jetzt als Bankettsaal bei der Kaiserkrönung dienend; der Terem-(d. i. Belvedere-) Palast, 1636 erbaut; die Schatzkammer (mit den Kronjuwelen, Sammlungen von Rüstungen, Waffen, Geräten u. a.); der Potjeschnyj Dworei (d. i. Vergnügungspalast), früher Theater, jetzt Sitz der Moskauer Kommandantur. Zur Granowitaja Palata führt die Rote Treppe, auf der sich die Kaiser dem Volke zu zeigen pflegen. Im Kreml sind ferner noch der Kleine Kreml- oder Nikolaipalast, von Katharina II. erbaut, das Senatsgebäude (jetzt Sitz der Behörden), das Synodalgebäude (mit der berühmten Synodal-, der frühern Patriarchenbibliothek; griech. und altslaw. Schriften, zum Teil aus dem 7. bis 12. Jahrh.), die Kremlkaserne, vor der altertümliche Geschütze, so die Zar-Puschka (d. i. Riesenkanone, 2400 Pud schwer) stehen, und das Arsenal. Außerhalb des Kremls befinden sich: der Alexanderpalast am Njeskutschnyjpark, das Lefortowsche Schloß, benannt nach Lefort, für den es von Peter d. Gr. erbaut wurde; das Haus der Bojaren Romanow (in Kitajgorod), 1869 in altem Stil erneuert; der Palast des Generalgouverneurs, das Gebäude des histor. Museums, 1873-85 nach Sherwoods Plänen im ind. Stil erbaut, der Sucharewturm (das Hauptreservoir der Moskauer Wasserleitung), die große Stadtreitbahn u. a.
Behörden, Verwaltung. M. ist Sitz eines Ober- und eines Bezirksgerichts, eines geistlichen Konsistoriums, eines Comptoirs des heiligen Synod, der Konsulate verschiedener Staaten, darunter Generalkonsulate von Deutschland und Österreich-Ungarn, der Kommandos des Grenadierkorps und des 13. Armeekorps sowie verschiedener Divisionen und Brigaden derselben. In administrativer Beziehung steht M. unter dem Generalgouverneur, in polizeilicher unter dem Oberpolizeimeister, der Stadtpräfekt ist. Die Stadtvertretung (Duma.; s. auch Gordod) besteht aus 180 Mitgliedern. 1893 betrugen die Einnahmen 8 1/2, die Ausgaben 9 Mill. Rubel.
Unterrichts- und Bildungswesen. Die Universität, gegründet 1755, war die erste in Rußland und hat vier Fakultäten (physikalisch-mathematische, medizinische, juristische, historisch-philologische), eine Bibliothek (217000 Bände), Sternwarte, botan. Garten, zoolog. Museum sowie andere Institute und Sammlungen und 1893: 170 Docenten und 3447 Studenten. Andere höhere Anstalten sind: die Petrowsche Landwirtschaftliche Akademie gegründet