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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Munificenz - Munkács
war, besaßen es doch im letzten Jahrhundert der
Republik immer noch eine große Anzahl nicht. Die
Mißstimmung dieser Gemeinden führte zum sog.
Bundesgenossenkriege, nachdem durch die I^sx ^ulia,
(90) und I.6X riautig. r^iria (89 v. Chr.) allen
freien Italikern diesseit des Po bei Anmeldung
in einer bestimmten Frist das röm. Bürgerrecht
verliehen wurde. 49 erhielt dann durch eine I^ex
^sulia des großen Cäsar Italien nördlich vom Po
das Bürgerrecht. Der Begriff der M. wandelte
sich jetzt in den der selbständig verwalteten Land-
städte. Mit der Zeit dehnte er sich noch weiter aus.
Cäsar begann bereits das Bürgerrecht auch außer-
italischen Städten zu verleihen; außerdem aber
hießen nun auch diejenigen Städte in den Provin-
zen M., welche einzeln oder insgesamt das sog. ^us
I^tii (s. Lateiner) erhalten hatten. Die Rechte, Ver-
waltung und Verfassung der M. wurden durch eine
45 gegebene I^ex ^ulia geregelt, die wenigstens teil-
weise auf zwei in Heraklea gefundenen Bronzetafeln
erhalten ist. Außerdem ist die Kenntnis der einzel-
nen Municipalverfassungen namentlich durch die
Reste der Municipalverfassungen der span. Städte
Salpensa und Malaca, welche 1851, und der von
Urso, die 1870-71 und 1875 aufgefunden wurden,
wesentlich gefördert worden. (Vgl. (^oi-puL in8crip-
tiouum latiuai-um II, Berl. 1869,1892, Nr. 1963,
1964, 5439.) Seitdem Caracalla 212 n. Chr. das
Bürgerrecht allen freien Einwohnern des Römischen
Reichs verliehen batte, wurde der Name M. der
allgemeine Ausdruck sür alle Arten röm. Gemein-
den im Unterschied von Rom. - Vgl. Marquardt,
Röm. Staatsverwaltung (Bd. 4-6 des "Hand-
buchs der röm. Altertümer", 2. Aufl., Lpz. 1881
- 85); Kühn, Die städtische und bürgerliche Ver-
fassung des Römischen Reichs bis auf die Zeiten
Iustimans (2 Bde., ebd. 1864-65). Über das
Hinüberdauern röm. Städteverfassung bis in das
Mittelalter vgl. Savigny, Geschichte des röm. Rechts
im Mittelalter (Bd. i, 2. Ausg., Heidelb. 1834).
Munificenz (lat.), Freigebigkeit.
Munimönt (lat), Befestigungs-, Schutzmittel.
Mu-nin-to,japan.NamederVonin-Inseln(s.d.).
Munipore, Staat, s. Manipur.
Munition (vom lat. und ital. munire, aus-
rüsten), Schi eh bedarf, die Gesamtheit der für
Feuerwaffen nötigen Geschosse, Ladungen und Zün-
dungen. Sie zerfällt in Geschütz- und in Ge-
wehrmunition. Eine wesentliche Erleichterung
des Ladens erwächst durch die Verbindung der
Pulverladung mit dem Geschoß. Dieselbe findet
neuerdings bei Geschützen eine so weit verbreitete
Anwendung, daß danach eine neue Klasse von Ka-
nonen, die Schnellfeuerkanonen (s. d.), unterschieden
wird. Bei Handfeuerwaffen stammt die Verbindung
des Geschosses mit der Ladung unter dem Namen
Patrone (s.d.) aus der ersten Hälfte des 17.Jahrh.
Die Anfertigung der M. geschieht in den Labora-
torien oder in Munitionsfabriken. Der Transport
der Artilleriemunition erfolgt mittels der Protzen
der Geschütze und besonderer Munitionswagen.
Die Gewehrmunition wird teils vom Schützen selbst
in den Patronentaschen und im Tornister (Taschen-
munition), teils mittels Munitionswagen, in
Compagnie- oder Bataillons-Patronenwagen oder
in Wagen derInfanterie-Munitionskolonnen trans-
portiert. An Taschenmunition führt der einzelne
Infanterist mit sich: in Teutfchland 150, in Öster-
reich 100, in Italien 96, in Frankreich 120 und in
Rußland 84 Patronen. Eine Verminderung der
Zahl in der deutschen Armee ist beabsichtigt.
Munitionsdiebftahl. Nach §.291 des Reichs-
strafgesetzbuches wird mit Gefängnis bis zu einem
Jahre oder mit Geldstrafe bis zu 900 M. bestraft,
wer die bei den Übungen der Artillerie verschossene
Munition oder wer Bleikugeln aus den Schieß-
ständen der Truppen sich widerrechtlich zueignet.
Munitionsersatz, die Ergänzung der verbrauch-
ten Munition (s. d.) in und nach dem Gefecht. Man-
gel an Munition beraubt die Infanterie ihrer besten
Gefechtskraft; für die Artillerie bedeutet er eine zeit-
weise gänzliche Entwertung der Waffe. Der recht-
zeitige M. ist daher von hervorragender Wichtigkeit.
Die Taschenmunition wird während des Ge-
sechts aus den den Truppenteilen folgenden Pa-
troncnwagen ergänzt, entfprechend die Protz-
munition der Artillerie aus dem zu jeder Batterie
gehörigen Munitionswagen. Patronenwagen
und Munitionswagen ergänzen ihren Bedarf aus
den den einzelnen Armeekorps folgenden Muni-
tion skolonnen, diese den ihrigen aus dem der
Armee folgenden allgemeinen Feldmunitions-
park, dem der Nachfchub aus den unbeweglichen
Hauptmunitionsdepots zugeführt wird.
Munitionskolonnen, fliegende Muni-
tion s p a r k s, Abteilungen, die lediglich zum Trans-
port von Munition (s. d.) und zum Munitionsersatz
(s.d.) bestimmt sind. Man unterscheidet Infan-
terie- und Artillerie-Munitionskolonnen.
Ihre Formierung findet in der Regel erst bei der
Mobilmachung statt, doch kommen in einigen Ar-
meen Friedensstämme derselben vor.
Munitionspark, s. Munitionskolonnen.
Munitionswageu, s. Munition und Muni-
tionsersatz.
Munjitwurzel, auch Mongister-, Majesto-
oder Manjütwurzel, eine geringe Sorte Krapp
(s. d.), die aus der ostind. Rudia inui^ista. Fonb.
und Rudia inai^it Ho^b. gewonnen wird.
Munk, Herm., Physiolog, geb. 3. Febr. 1839 zu
Posen, studierte in Berlin und Göttingen Medizin,
habilitierte sich 1862 als Privatdocent für Physio-
logie an der Universität Berlin, wurde 1869 an
derselben außcrord. Professor, 1876 Professor der
Physiologie und Vorstand des Physiologischen La-
boratoriums an der Tierärztlichen Hochschule zu
Berlin und 1880 ordentliches Mitglied der Königl.
Akademie der Wissenschaften zu Berlin. M. hat
sich namentlich durch seine wichtigen Untersuchun-
gen über die Funktionen der Großhirnrinde be-
kannt gemacht. Er schrieb: "Untersuchungen über
das Wesen der Nervenerregung" (Lpz. 1868), "Die
elektrischen und Bewegungserscheinungen am Blatte
der vionaen. muLcipnIa" (ebd. 1876), "Über die
Funktionen der Großhirnrinde. Gesammelte Mit-
teilungen" (Berl. 1880; 2. Aufl. 1890).
Münkacs (spr. münnkahtsch), Stadt mit geord-
netem Magistrat und Hauptort des ungar. Komi-
tats Bereg, in einer Ebene links am Latorczafluß,
an der Linie Bätyu-M.-Lawoczne derUngar.Staats-
babnen, Sitz der Komitatsbehörden und eines griech.-
kath. Bischofs, hat (1890) 10531 meist magyar. E.,
in Garnison ein Bataillon des 65. ungar. Infan-
terieregiments "Erzherzog Ludwig Victor", ein
griech.-kath. Kloster, Staats-Obergymnasium, Ko-
mitatshaus, Dampfmühle und große Salzniederlage.
4 kin entfernt die auf dem Gipfel eines Trachyt-
felsens (90 m) befindliche kleine Festung M., be-