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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Musikinstrumente, mechanische; Musikinstrumentenbauschulen

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Musikinstrumente (mechanische) - Musikinstrumentenbauschulen

Seit 1888 ist ein Rückgang der Ausfuhr und ein Steigen der Einfuhr zu bemerken, welch letztere schon seit 1880 in stetem Zunehmen begriffen ist. Abgenommen hat seit 1890 besonders die Ausfuhr Deutschlands nach den Vereinigten Staaten und Australien, zugenommen die nach Rußland und Brasilien. Hauptabsatzgebiet ist nach wie vor England.

Für die Herstellung der Klaviere kommen vorzugsweise Berlin, Hamburg, Dresden, Leipzig, Stuttgart, Breslau, Königsberg, Hannover, Barmen, von den Mittelstädten Koblenz, Liegnitz, Zeitz, Heilbronn, Kirchheim in Betracht. Die Klavierfabrikation, weitaus der wichtigste Zweig der Musikinstrumentenindustrie, ist seit 1871 besonders durch Einführung des Eisenrahmens und des kreuzsaitigen Bezugs rapid gewachsen. Angaben über die deutsche Ausfuhr s. Pianoforte. Der Orgelbau ist außer in den Hauptstädten vorzugsweise noch in Stettin, Ludwigsburg, Frankfurt a. O., Schweidnitz in Schlesien, Weißenfels a. d. S., Öttingen in Bayern vertreten; Harmoniums werden hauptsächlich gebaut in Bayreuth, Ulm, Leipzig, Dresden und Stuttgart; Harmonikas, Accordions, Concertinas in Berlin, Altenburg, Breslau, Hamburg, Gera, Magdeburg; hausindustriell ferner in Trossingen in Württemberg und im sächs. Vogtland. Streich- und Saiteninstrumente (Geigen, Bässe) liefern meist als Mittelware in großer Anzahl Markneukirchen und Klingenthal im Vogtland sowie Mittenwald in Bayern, zum Teil in besserer Ausführung Berlin, Leipzig, Dresden, Hamburg, München; Zithern und Guitarren München, Mittenwald, Markneukirchen, Stuttgart. Für Blasinstrumente treten Erfurt, Biebrich a. Rh., Speyer, Hannover, Fulda hinzu; in der Massenherstellung ist wiederum das sächs. Vogtland stark vertreten. Trommeln und Pauken arbeiten Berlin und das sächs. Vogtland, andere Orte nur vereinzelt. (S. auch Musikinstrumente, mechanische.) - Die starke Ausfuhr der deutschen M. ist ein deutlicher Beweis für deren Brauchbarkeit und Beliebtheit. Frankreich, England, Österreich, Italien leisten in manchen Artikeln sehr Beachtenswertes, und von alters her gelten als hervorragend z. B. Paris für Kirchenorgeln und Blasinstrumente, Italien für Darmsaiten, London gleichfalls für Blasinstrumente als beste Bezugsquellen. Ähnlich wie im sächs. Vogtlande wird die Massenfabrikation von Streich- und Blasinstrumenten in den böhm. Nachbarorten Graslitz und Schönbach sowie in Mirecourt (Depart. Vosges) in Frankreich betrieben. In betreff der Qualität vermag die deutsche Instrumentenindustrie ebenso Hervorragendes zu leisten; in der Massenherstellung guter und mittelguter M. steht sie zur Zeit unerreicht da. - Vgl. die "Zeitschrift für Instrumentenbau" (Lpz. 1880 fg.), "Musikinstrumenten-Zeitung" (Berl. 1890 fg.) und "Weltadreßbuch der Musikinstrumentenindustrie" (ebd. 1893).

Musikinstrumente, mechanische, Instrumente, von denen Musikstücke mechanisch mittels Walzen oder Bretter mit Stiften, durchlochter Papier- oder Pappnoten, sowie mit Erhöhungen versehener Blechnoten hervorgebracht werden. Dahin gehören Drehorgeln, Spieldosen, Orchestrions u. s. w.

Bei Stiftwalzen wird das Ansprechen der einzelnen Töne dadurch bewirkt, daß Stifte und Klammern, auf einer sich langsam drehenden Walze befestigt, Hebel in Bewegung setzen, die bei dieser Bewegung je nach Art des Instruments thätig sind; bei Orgeln öffnen sie Ventile und lassen den Wind in die betreffenden Pfeifen oder Zungenstimmen einströmen, bei mechanisch spielbaren Klavieren schlagen sie die Saiten und bei Glockenspielen die Glocken an, bei Spieluhren versetzen sie die Tonzungen direkt durch Anreißen in Vibration.

Die ältern M., Glockenspiele, Orchestrions, Spieluhren, hatten ausschließlich Stiftwalzen, die ein oder mehrere Musikstücke enthielten. Größere Musikstücke sind auf den Walzen spiralförmig angeordnet. Befinden sich mehrere Musikstücke auf einer Walze, so ist eins nach einer Umdrehung beendet; durch seitliches Verschieben tritt eine andere Serie von Stiften in Thätigkeit. Einschnitte auf der Achse der Walze sichern ihre Verschiebung.

Eine Erfindung der neuesten Zeit, die eine unbeschränkte Anzahl von Musikstücken auf einem Instrument ermöglicht, sind die auswechselbaren Notenblätter, verschiedenartig gestaltet (kreis-, spiral-, fächer- und bandförmig), von Papier, Pappe und Metall hergestellt und je nach ihrer Bestimmung durchlocht oder mit Erhöhungen versehen. Die Wirkung der Notenblätter auf das Ansprechen der Töne ist verschieden; einerseits tritt ein Windstrom durch die Notenlöcher direkt auf die Zungenstimmen oder Pfeifen und es erfolgt so das Ansprechen der Töne; andererseits werden durch die Notenlöcher oder Erhöhungen Hebel und sonst entsprechende Mechanismen bewegt, welche die Tonorgane beeinflussen.

Die handlichsten und verbreitetsten M. sind die mit kreisförmigen, um den Mittelpunkt drehbaren, durchlochten Notenblättern, wie das Ariston (s. d.) von Ehrlich (bis 1894 über 300000 Stück gefertigt), das Symphonion, die Resonatorspieldose Monopol und das Polyphon. Nach Art der Schweizer Spieldosen werden bei den drei letztern Instrumenten Klangzungen durch eine mit Erhöhungen versehene Metallnotenplatte vermittelst einer geeigneten Mechanik zum Ertönen gebracht.

Hierzu gehören ferner: Orpheus, Daimonion, Baskanion, Klavierautomat, Herophon, Flötenwerk, Helikon, Phönix, Harmoniphon. Das Ercelsior-Ariston ist ein mit Fächernoten und den gewöhnlichen Aristonnoten spielbares Instrument.

Mechanische M. mit langen Notenblättern in Bandform sind: Orchestrionettes, Orchestrions, Kalliston, Cölestina, Mignon, Manopan, Victoriadrehorgel, Piano-Melodico, Klavierautomat, Pianista, das mechan. Piano, das mechan. Harmonium, das pneumat. Piano, das elektrische Piano u. s. w.

Die gegliederten Notenblätter sind ebenfalls lange Bänder, die als einzelne Glieder scharnierartig verbunden sind.

Viele Bezeichnungen der mechanischen M. bedeuten nicht verschiedene Arten von Instrumenten, sondern oft nur die Größen oder Formen einer und derselben Gattung. Die Thätigkeit der M. erfolgt durch Drehen an einer Kurbel, durch Uhrwerk oder sonstige motorische Einrichtungen. Die Schweizer Spieldosen werden hauptsächlich in der Schweiz (Genf, Ste. Croix, Teufenthal) und in Frankreich, die Orchestrions und ähnliche Instrumente im Schwarzwald (Freiburg, Villingen), die M. mit auswechselbaren, kreisförmigen Notenblättern in Leipzig (s. d., Bd. 11, S. 63a) und Wahren hergestellt.

Musikinstrumentenbauschulen, Fachschulen zur Unterrichtung im Gebrauch und in der Behandlung der Instrumente behufs rationellen Musik-^[folgende Seite]