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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Musikchor; Musikertage; Musikinstrumente

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Musikchor - Musikinstrumente

land die größte planmäßige Verlagsthätigkeit, wofür sich England trotz seines Beitritts zur Berner Konvention von 1886 die Weiterführung seines Nachdrucks gesichert hat. Der italienische M. stand fast ganz unter der Herrschaft des Hauses Ricordi in Mailand; neben diesem war Lucca und ist E. Sonzogno hervorzuheben. Der italienische M. bat sich infolge der eigenen Gestaltung des dortigen Musikwesens in diesem Jahrhundert lange gegen Deutschland abgeschlossen, bis die Gegenwart einen lebendigern Austausch zu Wege brachte. Der spanische und portugiesische M. und der der Balkaninsel sind noch unentwickelt. Der russische M. hat durch einen hohen Schutzzoll den eigenen Nachdruck deutscher Musik großgezogen. Der nordamerikanische M. fördert gleichfalls den Nachdruck durch hohe Eingangszölle, doch können neue deutsche, französische u. a. Werke durch Eintragen in Washington geschützt werden.

Der Verein der deutschen Musikalienhändler in Leipzig (gegründet 23. Mai 1829; Vorsteher: Fr. Hofmeister 1829-52, Dr. H. Härtel 1852 - 75, Dr. O. von Hase seit 1875) giebt "Mitteilungen" heraus (seit 1888), die die durch die deutsche Musikpflege bedingten besondern Bestrebungen des M. auf dem Gebiete des Urheber- und Verlagsrechts, der Verkehrsordnung und Kreditsicherung verfolgen sowie statist. Jahresübersichten der musikalischen Erscheinungen bieten. Musikbibliographien: Immanuel Breitkopfs Kataloge von Musikalien (3 Sammlungen, 1700 - 87); J. N. Forkel, Allgemeine Litteratur der Musik (Lpz. 1792); C. F. Becker, Systematisch-chronol. Darstellung der musikalischen Litteratur (1836 - 39); C. F. Whistlings Handbuch der musikalischen Litteratur (Lpz. 1816; 3. Aufl., 3 Bde., von Adolf Hofmeister, 1844; fortgesetzt von Fr. Hofmeister, Bd. 4-10, ebd. 1852-91); Verzeichnis der seit 1852 erschienenen Musikalien, hg. von Fr. Hofmeister (1. bis 44. Jahrg., ebd. 1853-96); Musik-Katalog. Gesammelte Verlagskataloge des deutschen Musikhandels (6 Bde., ebd. 1895).

Musikchor, s. Chor (in der Musik).

Musikertage, Musikfeste, s. Musikverein.

Musikinstrumente, alle Körper, die zur Klangerzeugung verwendet werden. Man teilt sie ein in Saiten-, Blas- und Schlaginstrumente. Die Saiteninstrumente teilt man wieder ein in Streich- oder Bogeninstrumente und in Kneif- oder Zupfinstrumente, die Blasinstrumente in Holz- und Messinginstrumente. Eigentlich giebt es nur zwei Arten der Tonerzeugung: entweder ist ein in Schwingung gesetzter fester, elastischer Körper oder ein gebrochener Luftstrom das tonerregende Element. Sehr richtig schieden daher die Alten die M. nur in zwei große Gruppen: in die der Schlaginstrumente (rhythmica, krustica), zu denen außer den Saiten- auch die Schall- und Lärminstrumente, wie Pauken, Becken, Klappern u. dgl. gehörten, und in die der Blasinstrumente (organica, pneumatica, inflata).

Als klingende Festkörper können die verschiedenartigsten Stoffe in sehr verschiedenartiger Form und Anwendung dienen, z. B. Metall- und Darmsaiten, Holz- und Metallplatten und Röhren oder Zungen, gegerbte Tierfelle, Glas- und Metallglocken u. s. w., die wiederum entweder durch Reibung, wie Violine, Violoncello, Bratsche, Gambe und Glasharmonika, oder durch Reißen, wie Harfe und Guitarre, oder durch Schlagen mit Hammer oder Klöppel, wie Pianoforte, Hackebrett, Pauken und Tamtam, zum Erklingen gebracht werden. Die Tonquelle ist hingegen ein schwingender abgegrenzter Luftkörper bei allen Blasinstrumenten: Flötenarten, Orgelpfeifen, Oboe, Klarinette, Fagott, Trompete, Posaune u. s. w. Die ältesten M. waren neben Lärminstrumenten, Pauken und Trompeten die harfen- und zitherartigen Saiteninstrumente sowie flöten- und hornartige Blasinstrumente. Geigeninstrumente mit Bogen waren den Alten unbekannt und wurden erst nach dem frühen Mittelalter ausgebildet. Spätern Ursprungs sind Fagott und Oboe; die Klarinette wurde erst um 1690 erfunden. Die Klavierinstrumente mit Saiten verdanken ihren Ursprung (sicher schon vor dem J. 1500) dem Bestreben, ein passendes Instrument für freie accordliche, nicht kontrapunktische Harmonie zu gewinnen. Gleichzeitig oder ein wenig früher ist die endliche Vervollkommnung der Orgel zu setzen, obwohl die ersten Anfänge ihrer Erfindung in die vorchristl. Zeit hinaufreichen. Von den zahlreichen neuerdings erfundenen M. haben nur das Harmonium und die mechanischen M. große Verbreitung gefunden. - Über die genannten M. s. die einzelnen Artikel.

Ein grundlegendes Werk über die Geschichte der M. fehlt noch; die besten Quellen zu deren Kenntnis sind Seb. Virdung, Musica getutscht (1511), und M. Prätorius, Syntagma musicum, Bd. 3 (Wolfenb. 1619), beide neu hg. von Eitner, sowie der Katalog der königl. Instrumentensammlung in Berlin. Wichtige Sammlungen alter Originalinstrumente sind in Paris, London, München, Nürnberg (Germanisches Museum), Salzburg, Florenz, Leipzig (Paul de Wit), besonders aber in Brüssel (Musée de Conservatoire) und in Berlin (königl. Musikinstrumentensammlung). Die Brüsseler Sammlung (Katalog von V. Mahillon, 1893) ist besonders reich an ethnogr. Instrumenten, während die noch junge Sammlung in Berlin (1888, Katalog von Oskar Fleischer) wohl die wichtigste in musikgeschichtlicher Hinsicht ist. Namentlich reich ist letztere an Klavieren (vom 16. Jahrh. an in systematischer Ordnung) sowie an historisch berühmten Instrumenten (von Bach, Friedrich d. Gr., Mozart, Beethoven, Weber u.s.w.).

Nach der Gewerbezählung von 1882 waren in Deutschland für die Herstellung von M. 5519 Betriebe mit 21807 Arbeitern vorhanden, darunter 154 Motorenbetriebe mit 6932 Arbeitskräften. Die Zahl der 1894 in diesem Erwerbszweige Beschäftigten wird etwa doppelt so hoch, zu etwa 40000, anzunehmen sein, da die Berufsgenossenschaft der Musikinstrumentenindustrie, der die zahlreichen kleinen Betriebe ohne Motoren und mit weniger als fünf Arbeitern nicht angehören, allein 827 Betriebe mit 23585 Arbeitern aufzuweisen hat. Schon hieraus geht hervor, daß die Herstellung der M. in Deutschland sehr entwickelt ist. Dies beweist auch die bedeutende, nach allen Ländern der Erde gerichtete Ausfuhr. Es betrug:

Jahr Einfuhr Ausfuhr

Tonnen Wert in 100 M. Tonnen Wert in 1000 M

1880 346 1045 6363 21657

1884 422 1276 10896 36303

1888 485 1580 11493 37576

1892 385 1859 11246 35533

1893 399 1928 11055 35321

1894 434 2026 11042 35787

1895 482 1993 12100 35586