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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Nagelprobe - Nagler
um das Dreifache übertrifft. Bei der in umstehender
Abbildung dargestellten N. von Wilh. Fredenhagen
(Osjenbach am Main) werden die zusammen-
zunagelnden Bretter im rechten Winkel, das eine
senkrecht, das andere wagrecht, auf dem Tisch ^
angelegt. Durch einen leichten Druck auf den Fuß-
tritt I' wird die Maschine mittels einer Kuppelung
in Gang gesetzt und treibt die vier Nägel, welche
selbstthätig aus dem Behälter L durch die Zufüh-
rungsrinnen auf den Arbeitstisch gelangen, mit
einem einzigen Druck in das Holz, worauf sich.die
Maschine von selbst ausrückt.
Nagelprobe, den Rest eines ausgetrunkenen
Glases auf den Nagel ausgießen, wo der Rest Platz
finden muß, ohne herunterzufließen.
Nagelfchmied, s. Nägel.
Nagelspalt, s. Nagel.
Nageltritte, Verletzungen der Weichteile des
Hufs durch Nägel oder andere spitze Körper. N.
kommen beim Pferde nicht selten vor. Ihre Be-
deutung hängt davon ab, ob der Nagel tief in deu
Huf eingedrungen ist oder ob er nur das Hufhorn
und oberflächliche Schichten der Huflederhaut ver-
wundete. In allen Fällen ist behutsames Heraus-
ziehen des eingedrungenen Fremdkörpers und Er-
weiternng des Wundkanals nach Entfernung des
Hufhorns notwendig. Hierauf wird der Huf mit
desinfizierenden Lösungen, z. B. Chlorkalkwasser,
gebadet und antiseptisch verbunden. Bei Verletzung
des Strahlbeins und des Hufgelenks ist die Be-
handlnng meist aussichtslos.
Nagelzange, s. Zange.
Nagelzwang, s. Nagel.
Nagetiere, Nager (^1ir68, Roäsutia.), eine
große, natürliche Ordnung der Säugetiere, welche
gegen 750 Arten hat und sich hauptsächlich durch die
in jedem Kiefer zu zweien stehenden, meißelförmigen
und gebogenen Vorderzähne (Nagezähne) auszeich-
net, die tief in die Kinnladen eindringen und von
der hohlen Wurzel aus fortwährend nachwachsen.
Nur bei den Hasen findet sich hinter dem vordern
noch ein sehr kleines zweites Paar von Nagezähnen.
Eckzähne fehlen ganz; zwischen den Nagezähnen und
den mit mahlenden Oberflächen und Schmelzfalten
versehenen Backzähnen befindet sich eine große Lücke.
Die N. find fast alle von kleiner Gestalt; die größten
unter ihnen erreichen 1 in Länge, wie das Wasser-
schwein. Bei vielen sind die Hinterfüße weit länger
als die Vorderfühe, was am auffälligsten beiden
Springmäusen (s. d.) stattfindet; bei andern, welche
ein unterirdisches Leben führen, wie bei den Blind-
mäusen (s. d.), sind die Vordersüße besonders stark
ausgebildet. Die meisten gehen auf der Sohle, we-
nige auf den Zehen; bei einigen ist eine weit aus-
dehnbare Seitenhaüt des Körpers vorhanden, welche
beim Springen einen Fallschirm abgiebt, wie bei
dem Flughörnchen (s. Eichhörnchen). Die Augen
stehen immer seitlich und sind zum Teil groß, zum
Teil klein, ja bei den Blindmäusen sogar mit der
ungespaltenen behaarten Körperhaut überzogen.
Backentaschen als Magazine für das eingesammelte
Futter find bei vielen vorhanden und münden mei-
stens im Innern des Mundes, selten nach außen,
wie bei der Taschenratte. Die Mundöffnung ist stets
ziemlich eng und die Oberlippe tief gespalten. Im
allgemeinen führen die N. mehr ein Nacht- als Tag-
leben, wohnen unter der Erde, im Wasser, auf Bäu-
men oder auf dem bloßen Boden, leben von Pflan-
Mteilen oder sind Omnivoren und finden sich auf
der ganzen Erde und unter allen Klimatcn. Sie
zeigen meistens Lebhaftigkeit, sind übrigens scheu
und schreckhast, entbehren mit geringen Ausnahmen
der Intelligenz, können aber bis zu einem gewissen
Grade gezähmt und abgerichtet werden. Einige zeich-
nen sich durch Herstellung von kunstreichen Nestern
und Bauten aus, wie die Iwergmaus, der Hamster,
Biber u. a. Die meisten richten durch ihr Nagen
über und unter der Erde Schaden an; einige (Hase,
Aguti u. s. w.) sind geschätzte Iagdtiere, andere
(Biber, Chinchilla u. s. w.) liefern Pelzwerk. Man
teilt die Ordnung der N. in sechs Unterordnungen,
nämlich: 1) Hörnchen (äciuriäae), zu denen die
Eichhörnchen mit dem gemeinen Eichhörnchen (s.
Tafel: Nagetiere II, Fig.4) und der roteTaguan
(s. Taf. II, Fig. 5) gehören; ferner die murmeltier-
artigen Nager mit dem Alpenmurmeltier (s. Taf. IV,
Fig. 5), dem Ziesel (s. Taf. II, Fig. 2), dem Sieben-
schläfer (s. Taf. II, Fig. 6), dem Biber (s. Taf. IV,
Fig. 1); 2) die Sackmäuse (saocomMae); 3) die
Springmäuse (vipocliclae) mit der gemeinen
Springmaus (s. Taf. IV, Fig. 2); 4) die echten
Mäuse (Nui'iäak) mit der Waldmaus (s. Taf. II,
Fig. 1), dem Lemming (f. Taf. III, Fig. 4), dem
Hamster (s. Taf. III, Fig. 3) und der Blindmaus
(s. Taf. I, Fig. 4); 5) die Stachelschweine
(UMricKiäae) mit dem gemeinen Stachelschwein
(s. Taf. I, Fig. 3), dem Coandu (s. Taf. I, Fig. 2),
dem Sumpfbiber (f. Taf. I, Fig. 5), dem Paca (s.
Taf. IV, Fig. 4), dem Aguti (f. Taf. .III, Fig. 1),
dem Meerschweinchen (s. Taf. II, Fig. 3), dem
Wafferschwein (Capybara, s. Taf. III, Fig. 5), der
Mara (f. Taf. III, Fig. 2), welche drei letztern früher
als eine -eigene Familie, die der Halb Huf er
(Oariiäa^), aufgefaßt wurden, und der Wollmaus
(f. Taf. IV, Fig. 3), und 6) die Hafen (I^poriäae)
mit dem gemeinen Hafen (f. Taf. I, Fig. 1). (S. die
betreffenden Artikel.)
Aossil finden sich N. schon in den ältesten Tertiär-
schichten; da aber die damaligen Gattungen, wenn
sie auch häufig größer sind als die gegenwärtig
lebenden, doch fönst sich gar nicht oder nur wenig
von diesen unterscheiden, so sind die N. sicher weit
älter, über N. schrieben besonders G. R. Water-
house, P. Gervais, Brandt u. a.
Nagler, Georg Kaspar, Kunstschriftsteller, geb.
6. Jan. 1801 in Untersüßbach bei Freising, gest.
20. Jan. 1866 zu München, wurde antiquarischer
Buchhändler und ist bekannt durch sein "Neues all-
gemeines Künstlerlexikon" (22 Bde., Münch. 1835
-52; neu bearbeitet von I. Meyer u. a., Bd. 1-3,
Lpz. 1870 - 85) sowie durch seine "Monogram-
misten" (fortgesetzt von Andresen und Clauß, 5 Bde.,
Münch. 1857 - 79), in welchen Werken er einen
staunenswerten Sammeleifer bekundete.
Nagler, Karl Ferd. Friedr. von, preuß. Staats-
mann, geb. 1770 zu Ansbach, studierte zu Erlangen
und Göttingen die Rechte, war dann bei der ans-
bachischen Regierung beschäftigt und zog hier des
Ministers von Hardenberg Aufmerksamkeit auf sich,
wurde 1798 Rat für das ansbach-bayreuthische De-
partement in Berlin und 1802 Geh. Legationsrat.
1809 wurde er Geh. Staatsrat und Direktor der
zweiten Sektion des Kabinettsininisteriums und
führte in den kritischen Tagen dieses Jahres die
Geschäfte der auswärtigen Politik mit einer gewissen
Hinneigung zur Kriegspartei am Hofe. Bei dem
Abgänge des Ministeriums Altenstein-Dohna 1810
erhielt auch N. seine EnÜasMg ^4. Ivmv). Bis